Villmergen
Kirchgemeindehaus wird verkauft: Wird hier künftig gewohnt statt gebetet?

Die Liegenschaft der reformierten Pfarrei soll einer Pensionskasse in Münsingen verkauft werden, da die Renovation des Gebäudes zu teuer wäre.

Jörg Baumann
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Eine Pensionskasse mit christlichem Fundament will auf dem Kirchengelände ein Mehrgenerationenhaus erstellen. Toni Widmer

Eine Pensionskasse mit christlichem Fundament will auf dem Kirchengelände ein Mehrgenerationenhaus erstellen. Toni Widmer

Toni Widmer

Der Entscheid, was mit der reformierten Kirche und dem Kirchgemeindehaus in Villmergen passieren soll, hat sich lang hingezogen. Vieles wurde überlegt, unter anderem eine interne Umnutzung durch die Kirchgemeinde, aber auch der Verkauf an einen Investor. Nun ist die Zukunft der Liegenschaft klarer. Die Kirchenpflege präsentiert eine Lösung für die Zukunft: Sie beantragt der Kirchgemeinde, das Baugrundstück mit den Liegenschaften für 2,4 Millionen Franken an die Pensionskasse Prosperita in Münsingen zu verkaufen. Auf dem Gelände möchte die Pensionskasse dann ein Projekt für generationengemischtes Wohnen realisieren.

Passt ins christliche Leitbild

Die Kirchenpflege wählte mit der Pensionskasse Prosperita einen potenziellen Partner aus, der nicht besser ins christliche Leitbild passen könnte. Denn in ihren Statuten verpflichtet sich die 1999 gegründete Pensionskassenstiftung zu einer Unternehmens-, Anlage- und Versicherungspolitik, die auf christlich-ethischen Grundwerten beruht. Ausdrücklich unterstützt sie keine Vorhaben, «die Menschen, Tieren oder der Natur Schaden zufügen». «Wenn wir ein Objekt kaufen, beteiligen wir uns auch nicht an Preistreibereien, die zulasten der Versicherten gehen», betont Joel Blunier, Geschäftsführer von Prosperita.

Info vor «Chilegmeind»

Der Verkauf der kirchlichen Liegenschaften kommt an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung am Mittwoch, 14. September, 19.30 Uhr, in der reformierten Kirche Wohlen zur Sprache. Vor der Versammlung werden die Kirchgemeindemitglieder am Sonntag, 11. September, 11.15 Uhr, nach Gottesdienst und Apéro an einer Informationsveranstaltung in der reformierten Kirche Villmergen darüber informiert. (BA)

Aus der Sicht von Blunier haben sich die Gespräche mit der Kirchenpflege gut angelassen. Mit dem in Villmergen geplanten Mehrgenerationenhaus wolle die Stiftung an die traditionellen Werte anknüpfen, die in der Gemeinde hochgehalten werden. Daher sei es vorgesehen, als Erinnerung den markanten Kirchturm mit dem offenen Glockenstuhl stehen zu lassen.

Renovation wäre zu teuer

Die Geschichte des reformierten Kirchenzentrums in Villmergen begann 1959. Damals schenkte die Unternehmerin Alice Bopp der Kirchgemeinde ein Grundstück mit der Auflage, dieses für eigene Zwecke zu überbauen. Die kirchlichen Liegenschaften sind inzwischen in die Jahre gekommen und stark renovationsbedürftig. Nach einer groben Zusammenstellung müssten für die Instandstellung 1,2 bis 1,5 Millionen Franken aufgewendet werden. Diesen Aufwand hält die Kirchgemeinde nicht für verantwortbar, zumal sich die Auslastung der Räume in den letzten Jahren zurückentwickelt hat. Deshalb startete die Kirchenpflege 2012 mit dem Projekt «Vision Waagmatten» einen Ideenwettbewerb. Das Ziel bestand darin, die kirchlichen Räume einer Mehrfachnutzung zuzuführen. Leider, so die Kirchenpflege, habe sich keine Lösung ergeben, die eine tragfähige Finanzierung ermöglicht hätte.

An der Kirchgemeindeversammlung 2014 stellte die Kirchenpflege den Antrag, das Projekt «Vision Waagmatten» nicht weiterzuverfolgen, sondern abzuklären, ob das Areal einem Investor im Baurecht abgegeben werden könne. In einer Zukunftswerkstatt machten sich letztes Jahr 30 Personen Gedanken über neue Gottesdienstformen und Angebote der Kirchgemeinde. Es kamen viele Anregungen und Wünsche zusammen. Thematisiert wurden auch die Kosten für zukünftige Renovationen der kirchlichen Gebäude. In einer Retraite kam die Kirchenpflege im Mai 2016 zum Schluss, dass der Verkauf der Liegenschaften an einen geeigneten Investor die beste Lösung für die Kirchgemeinde sei.