Beinwil
Kirchenknatsch: Klerus und Krippenfreunde liegen sich in den Haaren

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um die Krippe aufzustellen und wie lange soll sie stehen bleiben? Darüber streitet man in Beinwil. Die Krippenfreunde fühlen sich von Kirchenpflege und Geistlichkeit brüskiert und verzichten auf ihr Engagement.

Eddy Schambron
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Die schön restaurierte Krippe Beinwil.

Die schön restaurierte Krippe Beinwil.

Eddy Schambron

Päpstlicher als der Papst – Kommentar von Freiamt-Redaktor Eddy Schambron

Vor der Krippe kommt der Samichlaus. So sieht es das Kirchenjahr vor und so haben wir es im Religionsunterricht gelernt. Nur: Was oder wem schadet es, wenn eine wunderschöne Krippe mit viel Anziehungskraft schon zum 1. Adventssonntag, also vor dem Samichlaus, aufgestellt wird? Die Krippe gehört für die meisten zu einer besinnlichen Adventszeit– Kirchenjahr hin oder her.

Jetzt haben wir einen Papst in Rom, der irgendwie glaubhaft für eine volksnahe Kirche, eine Kirche für Dich und mich normale Katholiken, steht. Aber in der «Provinz» wird diese Botschaft im Fall der Krippe Beinwil nicht umgesetzt. Hier ist man päpstlicher als der Papst. Anstatt einen offenbar vielfältig geäusserten Wunsch der Gläubigen sogar freudig entgegenzunehmen, weil er Menschen in die Kirche bringt, wird unnötig Geschirr zerschlagen. Auch der Hinweis der Kirchenpflege, Pilger würden sich durch das frühe Aufstellen der Krippe gestört fühlen, ist schwer nachvollziehbar.

Zurück bleiben engagierte, enttäuschte Freunde der alten Krippe Beinwil und der Eindruck, dass die Kirche Gläubige ohne wirklichen Grund vor den Kopf gestossen hat. Anstatt Annäherung zu suchen wurde die Distanz vergrössert. Vielleicht sollte einmal der Samichlaus bei der Kirchenleitung anklopfen.

Eddy.Schambron@azmedien.ch

Die Krippe, die jahrzehntelang die Beinwiler Kirche schmückte, verschwand nach der Renovation des Gotteshauses 2001 in der Versenkung. Dafür hatte der Frauen- und Mütterverein eine neue gestaltet, die näher bei den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern aufgestellt werden konnte.

Aber acht Beueler – Willy Weber, Linus Käppeli, Jürg Kaufmann, Albert Kreyenbühl, Bruno Kreyenbühl, Hanspeter Küng, Marcel Küng und Paul Villiger – vermissten die Krippe zur Weihnachtszeit, holten sie mit dem Einverständnis der damaligen Kirchenpflege aus ihrem Lager und liessen sie auf eigene Kosten vom Murianer Restaurator Michael Kaufmann für 25 000 Franken restaurieren. Zudem erneuerten sie selber die Krippenlandschaft.

Seit 2002 stellten die Männer danach die Krippe jeweils am Freitag vor dem dritten Adventssonntag in der Burkardskapelle in Fronarbeit auf.

Wunsch aus der Bevölkerung

Dem Wunsch der Krippenfreunde, zurückgehend auf entsprechende Äusserungen aus der Bevölkerung, die Krippe jeweils bereits auf den 1. Adventssonntag aufzustellen, mochten Kirchenpflege und Pfarrherren nicht nachkommen. Das taten die Krippenfreunde 2013 zwar das erste Mal, wozu sie von der Kirchenpflege die Erlaubnis allerdings nur «ausnahmsweise» erhielten.

«Wir wurden relativ kurzfristig vor diesen Entscheid gestellt und sahen uns gezwungen, zuzusagen, weil wir die Krippe haben wollten», sagt Kirchenpflegepräsidentin Irene Hofstetter.

Im Frühjahr wurden dann die Krippenfreunde zu einer ausserordentlichen Sitzung eingeladen, wo ihnen die Kirchenpflege und Pfarrer Georges Schwickerath eröffneten, dass die Krippe in Zukunft nicht vor Mariä Empfängnis (8. Dezember) aufzubauen sei, weil dies sonst nicht dem Kirchenjahr entspreche. Darauf haben die Krippenfreunde beschlossen, die Krippe nicht mehr aufzubauen und die Krippenlandschaft, die in ihrem Besitz ist, im Pfarrhauskeller abgeholt.

Die Krippe selber sehen sie im Besitz der Dorfbevölkerung, obwohl sie erhebliche Restaurationskosten aus dem eigenen Sack aufbrachten.

Feiertage berücksichtigen

Für Kirchenpflegepräsidentin Irene Hofstetter macht es keinen Sinn, die Krippe zu frühzeitig aufzustellen, «nur weil es schön ist.» Noch nicht weihnächtlich eingestimmte Wallfahrer würden sich durch die frühe Aufstellung in der Krypta auch gestört fühlen. «Man kann sagen, das sei ein alter Zopf, aber wir wollen die Feiertage nicht durcheinanderbringen.»

Vikar Richard Strassmann erklärt, von der Liturgie her sei es nicht richtig, eine Krippe schon zum 1. Adventsonntag, also zum Samichlaus, aufzustellen. Abgesehen davon hätten die Krippenfreunde die Krippe im folgenden Jahr jeweils wieder sehr früh abgeräumt, anstatt sie traditionellerweise bis an Lichtmess (2. Februar) stehen zu lassen.

Anders sehen das die Krippenfreunde: «Einerseits geht nach dem Dreikönigstag kaum mehr jemand zur Krippe, andererseits war es ein viel geäusserter Wunsch aus der Bevölkerung, dass wir die Krippe auf den 1. Adventssonntag aufstellen», erklärt Willy Weber. «Wenn man den Menschen einen sehnlichen Wunsch erfüllen kann und ihnen damit eine grosse Freude bereitet, so kann es nicht falsch sein, von einer alten Tradition wegzukommen.»

Albert Kreyenbühl doppelt nach: «Klerus und Kirchenpflege haben sich durchgesetzt und den Tarif durchgegeben.» Ihm sei in der Liturgie nichts bekannt, dass die Krippe nicht während der ganzen Adventszeit aufgestellt sein dürfe, zumal die Kapelle vom Rest der Kirche ziemlich abgetrennt sei. «Bei der ganzen Übung gibt es nur Verlierer: die Kinder, die Gläubigen, die Kirche, die Geistlichkeit, die Kirchgemeinde, die Freunde der alten Krippe.» Von den Freunden der alten Krippe werde sich kaum mehr jemand für die Kirche oder die Kirchgemeinde engagieren.

Jetzt kommt die Krippe vor dem 4. Adventsonntag beim rechten Seitenaltar zu stehen, aufgebaut von den Sakristaninnen und Kirchenschmückerinnen. Mit den Figuren der Krippe des Frauen- und Müttervereins wird ein Adventsfenster beim Pfarreisaal gestaltet.

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