Angerichtet und serviert wurde das schmackhafte Menu «Wohler Kirchengeschichte und Orgelmusik» von Daniel Güntert und Hansueli Brunner.

Pikantes Detail: Auf dem gedruckten Flyer zur Veranstaltungsreihe «500 Jahre Pfarrei St. Leonhard Wohlen» liest man «Wohler Kirchengeschichte und Orgelmusik», während derselbe Flyer auf der Website der Pfarrei (www.pfarreiwohlen.ch) mit dem Titel «Wohler Kirchengeschichten und Orgelmusik» lockt.

Genau dieses kleine n machte es aus, dass diese Eröffnungsveranstaltung so gut gelingen konnte. Spannend war sie, unterhaltsam und lehrreich in einem.

Als Historiker und profunder Kenner der Wohler Geschichte einerseits und aus seiner engen Bindung an die katholische Kirche und die Pfarrei St. Leonhard andererseits, ist Bezirksschullehrer Daniel Güntert genau der richtige Mann, um sowohl die Geschichte wie auch Geschichten rund um die Wohler Kirche zu vermitteln.

Wenn er dabei noch von einem begnadeten Organisten wie Hansueli Brunner begleitet wird, dann geht es wohl jedem wie den 50, die am Freitagabend in der Pfarrkirche gespannt zuhörten: 90 Minuten werden zu gefühlten 10.

Schwermut und Freude

«Architektur hat uns immer etwas zu sagen», erklärte Güntert gleich zu Beginn seiner Ausführungen. Das fange bei der Wohler Pfarrkirche schon an mit dem Gang über die 21 Stufen der Kirchentreppe, welche eine architektonische Umsetzung der wichtigen biblischen Zahlen 3 und 7 darstelle.

Er forderte die Besucher dann auf, ihm nach draussen in den Vorraum, das sogenannte Vorzeichen, zu folgen, um anschliessend zu den Klängen von Dietrich Buxtehudes Passacaglia BuxWV 161 die Kirche zu betreten. Die Tonart d-Moll passte hervorragend zur Einstimmung auf alles Folgende, denn sie wirkte schon auf die Zeitgenossen Buxtehudes im 17. Jahrhundert «ernst und feierlich», dabei gleichsam «aus unerfindlichem Grunde mit Schwermut und Freude durchmischt».

Güntert ermutigte seine Gäste dazu, während der Musikvorträge ruhig in der Kirche umherzugehen, denn «so können Sie die ganz spezielle Akustik in diesem Raum viel besser erkunden.» Dieses Vorgehen empfahl sich ganz besonders bei den Stücken, die zwischen den vier Werken der Wohler Matthis-Orgel hin und her wechselten. Zum Beispiel in Bachs berühmter Toccata und Fuge in d-Moll oder in Olivier Messiaens modernem Stück «Le Verbe».

Deckengemälde übermalt

Vor 500 Jahren pilgerten die Gläubigen aus den verschiedenen Quartieren Wohlens noch in die nächstgelegenen Kirchen der Nachbarorte zur Messe, bevor der Landvogt 1518, nach langen, zähen Verhandlungen, die Gründung einer eigenen Pfarrei in Wohlen gestattete.

Seither hat die Kirche in Wohlen viele Veränderungen durchlebt. Das heutige Gotteshaus wurde vor 210 Jahren eingeweiht. Die erste Renovation, 1890, machte daraus einen Barocktempel mit viel Gold, Marmorlook und Mosaikboden. Die Deckengemälde des Wohler Künstlers Leonhard Isler wurden einfach übermalt.

Erst bei der zweiten Renovation, 1970, kamen sie wieder zum Vorschein. Auch das Textmédaillon rechts des Altars enthält Verborgenes, wie Güntert erklärte. Zum Beispiel die Zahl 1805, das Aufrichtejahr, und eine falsche Psalmnummer. Nur eines von vielen Geheimnissen, die vielleicht bei der nächsten Führung am 16. November gelüftet werden.