Wohlen

Kino-Inhaberin: «Ich will, dass das Rex erhalten bleibt»

Wer auch immer das Rex am 13. April ersteigert, es soll weiterhin ein Treffpunkt für Kinofans bleiben.

Wer auch immer das Rex am 13. April ersteigert, es soll weiterhin ein Treffpunkt für Kinofans bleiben.

Die Inhaberin der Kino Rex Wohlen AG erbte nach dem Tod ihres Mannes nur Schulden und Hypotheken.

Das Titelzitat wurde bei der Recherche zu diesem Artikel gleich zweimal ausgesprochen. Einmal von der Eigentümerin des Kinos Rex, Alina Gass, und kurz darauf auch von Hansjörg Beck, dem Betreiber des Kinos an der Wohler Bahnhofstrasse. Zwei Köpfe, eine Meinung, könnte man denken. Leider sind damit die Gemeinsamkeiten der beiden Parteien aber auch schon erschöpft.

Die AZ berichtete am 19. Januar darüber, dass das Kino Rex am 13. April zwangsversteigert wird. Zwei Wochen später postete Alina Gass einen Kommentar zum Online-Artikel der AZ: «Diese Liegenschaft gehörte der Familie Gass und wurde gewaltsam von dieser Bande von Dieben einschliesslich NAB genommen. Die reale Einschätzung ist 2,4 Millionen CHF.»

Schwere Vorwürfe

Gleichzeitig erschien ein ausführlicherer Kommentar auf der Facebook-Seite des Kinos Rex, unterzeichnet mit A. Gass. Darin schreibt die Witwe des 2016 verstorbenen Kino-Magnaten Max Gass: «Das Kino kann einen Jahresumsatz von rund 1,5 Mio. Franken erwirtschaften. (...) Es war das Eigentum von Max Gass, meinem verstorbenen Ehemann, und wurde mir gewaltsam entrissen von der NAB und dem Manager der Cinévision GmbH, Hansjörg Beck, der das Kino leitet. Die Bank erlaubte mir nicht, meine Schulden zu bezahlen, zum Vorteil dieses Hansjörg Beck, der das Kino nun zu einem unrealistischen Preis kaufen kann, das wissen sie ...» Schwere Vorwürfe, welche die 46-jährige Witwe im Telefoninterview noch untermauert.

Gass kam vor 15 Jahren aus Rumänien in die Schweiz, um den schwer herzkranken Max Gass zu pflegen. Sie verliebten sich ineinander und heirateten schliesslich. Sie bekam zwar mit, dass ihr Mann von den acht Kinos, die er einmal besass, am Ende nur noch das Rex in Wohlen hatte. Auch dass er schon zweifach geschieden war und geschäftliche Probleme hatte, war ihr bekannt. Dennoch nahm sie das Erbe ihres Mannes an, das dessen leiblicher Sohn aus früherer Ehe bereits ausgeschlagen hatte. Und diese Erbschaft überraschte sie hart: «Ich weiss nicht, woher diese Schulden kamen.»

Gass lebt von Sozialhilfe

Das Betreibungsamt hat das Kino Rex auf 1,168 Mio. Franken geschätzt. Ihre Hoffnung sei es gewesen, für das Kino in Wohlen finanzstarke Investoren zu finden, die das Kino ebenso liebten wie sie. «Der Name Gass ist mit dem Kino verbunden, wie ich es mit meinem Mann war. Es ist eine Ehre für mich, diesen Namen zu tragen und ich will ihm gerecht werden.» Sie liess das Objekt schon früher schätzen und erhielt die Auskunft, es sei 2,4 Mio. Franken wert. «Damit hätte ich die rund 1,6 Millionen Schulden von meinem Mann bezahlen können», sagt Gass, die nach einem Ärztefehler mit lebenslangen Auswirkungen auf eine IV hofft und von 1900 Franken aus der Sozialhilfe lebt.

Mit den Aussagen von Alina Gass konfrontiert, zeigt sich der Betreiber des Rex, Hansjörg Beck, erstaunt: «Ich kann nur sagen, dass ich meine Miete immer pünktlich bezahlt habe und mir auch sonst keines Fehlers bewusst bin.» Im Gegenteil, er habe Max Gass sehr geschätzt und habe viele Sanierungsarbeiten im Haus auf eigene Kosten durchgeführt, weil der Eigentümer das nicht habe machen wollen oder können. Im Dezember 2016 hat ihn dann das Betreibungsamt aufgefordert, seine Miete direkt aufs Amt zu überweisen.

«Ich glaube, die ganze Sache ist Frau Gass einfach über den Kopf gewachsen», erklärt sich Beck die angespannte Situation. Auf die Frage, ob er denn tatsächlich das Rex übernehmen wolle, hüllt er sich in Schweigen. «Ich wünsche mir einfach, dass dieses Kino nicht zum reinen Spekulationsobjekt verkommt. Es muss für Wohlen erhalten bleiben.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1