Bremgarten
Kinderporno und Belästigung: Pädophiler muss ins Gefängnis

Das Bezirksgericht ordnete eine ambulante therapeutische Massnahme an. Der Angeklagte unterliess es auch nach einer Hausdurchsuchung nicht, nach kinderpornografischem Material zu suchen.

Jörg Baumann
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Die Belästigung des 12-jährigen Mädchens fand im Beisein der Mutter statt. (Symbolbild)

Die Belästigung des 12-jährigen Mädchens fand im Beisein der Mutter statt. (Symbolbild)

Keystone

Für zwei Jahre muss ein 45-jähriger Mann mit einer pädophilen Neigung ins Gefängnis. Er belästigte die damals noch schulpflichtige, zwölfjährige Tochter seiner früheren Geliebten sexuell, lud kinderpornografisches Material herunter und leitete es an ein interessiertes Publikum weiter.

Das Bezirksgericht Bremgarten entschied, dass sich der Täter im Strafvollzug einer Therapie unterziehen müsse. «Die Therapie an sich wird wohl wenig nützen», räumte Gerichtspräsident Lukas Trost ein. «Sie müssen selber hart an sich arbeiten, damit Sie ihre eigenen Kinder in ferner Zukunft ohne Begleitschutz besuchen können.»

Anderthalb Jahre ohne Verteidiger

Der Verteidiger monierte, dass das Strafverfahren übermässig lange gedauert habe und sein Mandant über anderthalb Jahre ohne Verteidigung dagestanden sei. «Eigentlich könnten wir heute verlangen, dass die Beweise nochmals erhoben werden. Aber auf diesen Antrag verzichten wir. Meinem Mandanten liegt viel daran, die Sache nun abzuschliessen.»

Das Gericht würdigte diesen Einwand geringfügig bei der Strafzumessung. Das Opfer musste an der Gerichtsverhandlung nicht teilnehmen. Eine Polizeibeamtin befragte das Mädchen im Vorfeld und zeichnete das Gespräch per Video auf. Allerdings habe die Polizistin das Opfer suggestiv befragt und ihm immer eine Reihe von Auswahlantworten unterbreitet, erklärte der Verteidiger.

Die Mutter des Opfers sei bei den Übergriffen in der Wohnung gewesen und hätte eingreifen können. Der Verteidiger forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten.

Die Staatsanwältin rief in Erinnerung, dass der Täter einschlägig vorbestraft sei. Eine bedingte Freiheitsstrafe komme deshalb nicht infrage, zumal der Beschuldigte die Verantwortung für seine Taten nicht übernehmen wolle.

Welche Folgen die sexuellen Übergriffe beim Opfer in Zukunft noch auslösen werden, sei nicht absehbar. Aber sie seien auch bei einem scheinbar nicht so schweren Fall durchaus denkbar. «Das Mädchen musste sich als Sexobjekt gefühlt haben.» Für einen Vater, wie der Täter, sei eine solche Tat unverständlich.

Erschwerend fällt laut der Staatsanwältin ins Gewicht, dass sich der Beschuldigte nach der erfolgten Hausdurchsuchung nicht davon abhalten liess, weiter nach kinderpornografischem Material zu suchen.

Der Täter habe sich zudem beim Opfer und seiner Mutter nie entschuldigt und keine Anstalten getroffen, den Schaden wieder gutzumachen. «Der Mann will sich seinen Problemen nicht stellen», sagte die Staatsanwältin.

Nonstop mit dem Feuer gespielt

In der Urteilsbegründung führte Gerichtspräsident Lukas Trost aus, dass eine pädophile Neigung eine Krankheit sei, die man therapieren müsse. «Es handelt sich nicht bloss um eine Grippe, die man mit einer Pille bekämpfen kann.» Was der Beschuldigte gemacht habe, sei verwerflich. Insbesondere sollte er daran denken, unter welchen Umständen der kinderpornografische Inhalt ins Internet gelange. «Stellen Sie sich vor, eines Ihrer Kinder würde derart missbraucht», meinte Trost. «Sie kannten Ihr Problem, und trotzdem spielten Sie nonstop mit dem Feuer.» Trost tönte an, dass der stark verschuldete Täter seine Freiheitsstrafe möglicherweise in Halbgefangenschaft absitzen könne.

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