Hermetschwil

Kinderheim St. Benedikt startet Hilfsprojekt für ehemalige Heimkinder

Das Kinderheim St. Benedikt liegt in unmittelbarer Nähe zum Kloster Hermetschwil. zvg

Das Kinderheim St. Benedikt liegt in unmittelbarer Nähe zum Kloster Hermetschwil. zvg

Auch nach der Volljährigkeit brauchen ehemalige Heimkinder mitunter Unterstützung auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit. Ein neues Hilfsprokjekt des Kinderheims St. Benedikt will dort ansetzen.

Manchmal geht es zuhause nicht mehr. Dann kann es sein, dass Kinder oder Jugendliche zum Beispiel im Kinderheim St. Benedikt in Hermetschwil platziert werden. Wenn sie nicht vorher in ihre Familie zurückkehren können, steht spätestens wenn sie volljährig sind, der Austritt aus dem Heim bevor. Dann ist von Gesetzes wegen niemand mehr für die jungen Erwachsenen zuständig. «Aus der Forschung ist bekannt, dass viele ehemalige Heimkinder einige Jahre nach dem Austritt Schwierigkeiten haben», sagte Gesamtleiterin Pia Iff am Donnerstag vor den Medien. Vielen fehle die Anbindung an die Familie.

Hier setzt das neue Angebot «Familienarbeit Leaving Care 3+» des Vereins St. Benedikt an. Im dreijährigen Pilotprojekt geht es nicht nur darum, ehemalige Heimkinder auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit zu unterstützen, sondern bereits während der Platzierung im Heim auch mit deren Eltern zusammenzuarbeiten und diese zu stärken. «Die Familienarbeit war bisher zu wenig abgedeckt», sagte Vereinspräsidentin Regula Jäggi. «Wir erhalten vom Kanton nicht genügend Ressourcen, um mit den Familien arbeiten zu können.» Daraus sei die Idee des Pilotprojekts entstanden.

Seit Anfang Jahr hat der Verein in Bremgarten einen Raum gemietet, der als Anlaufstelle dient. Die Beratung ist aber nicht zwingend an diesen Ort gebunden. Sozialpädagogin Monika Jenni und Sozialarbeiterin Barbara Käppeli gehen auch dorthin, wo die Jugendlichen oder die Familien sie brauchen. «Zum Beispiel zu ihnen nach Hause oder an einen anderen Ort in ihrer Nähe, wenn eine Reise nach Bremgarten nicht möglich ist», sagte Jenni. Nebst der Unterstützung bei spezifischen Fragen oder Alltagsproblemen gehe es auch darum, ehemalige Heimkinder untereinander zu vernetzen, sagte Käppeli. Denn ihre Erfahrungen können für Jugendliche, deren Austritt aus dem Heim kurz bevorsteht, sehr hilfreich sein.

Das Pilotprojekt wird mit Spendengeldern finanziert

Viele Erfahrungen hat das kleine Team in den ersten vier Monaten noch nicht sammeln können. Aber die Coronakrise sei ein guter Gradmesser und habe gezeigt, dass das Angebot funktioniere, sagte Jenni. Den meisten Eltern war freigestellt, ob sie ihre Kinder wegen Corona zuhause betreuen möchten, sagte Pia Iff. Viele hätten sich für diese Lösung entschieden. «Wir hatten nicht immer ein gutes Gefühl, aber dank des intensiven Coachings hat es gut funktioniert. Das zeigt uns, dass die ambulante Familienhilfe ein grosser Nutzen bringt.»

Das dreijährige Pilotprojekt kostet 300'000 Franken. Der Verein finanziert das Projekt mit Spendengeldern. Vom Kanton gibts keinen Zustupf. «Unser Ziel ist aber, dass der Kanton nach diesen drei Jahren sieht, dass das Angebot wichtig und gut ist und wir ab 2023 einen Leistungsvertrag erhalten», sagte Jäggi. Damit nach der Pilotphase Aussagen zum Nutzen möglich sind, lässt der Verein das Projekt vom Kompetenzzentrum Leaving Care in Bern fachlich begleiten und evaluieren.

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