Peter Gallin arbeitet als Fachdidaktiker für Mathematik an der Universität Zürich und hat ein Ziel: «Das Verhindern von Mathematikschädigung.» Laut Gallin, der bis 2008 auch als Gymnasiallehrer Mathematik unterrichtete, ist diese Schädigung weit verbreitet: «Einige Germanisten bilden sich sogar etwas darauf ein, dass sie schlecht in Mathematik sind», sagt er und grinst.

Eines der Symptome: «Welche Formel muss ich hier nehmen?» Wenn ein Schüler eine solche Frage stelle, dann sei bereits ein Problem vorhanden, so Gallin.

Angebot und Nutzung

Wie Gallin ausführte, setzte sich Schulbildung grundsätzlich aus zwei Dingen zusammen, nämlich Angebot und Nutzung. Der eine Teil, das Angebot, sei meistens in guter Qualität vorhanden.

«Das Angebot ist das, was das Lehrpersonal mitbringt.» Die Nutzung beschreibt, was die Schüler tatsächlich mit dem Stoff machen würden. Leider hätten die schriftlichen und mündlichen Äusserungen der Schüler kaum einen Einfluss auf den Fortgang des Unterrichts, meinte Gallin.

Anders beim dialogischen Lernen: Um das Verständnis der Mathematik zu fördern, wird darauf geachtet, dass die Kinder selber zu einem Lösungsansatz kommen. In der Theorie sieht das so aus: Die Schülerinnen und Schüler erhalten Problemstellungen, die eigene Denkwege zulassen.

Sie protokollieren ihre Überlegungen, Versuche und Ergebnisse in einem Forschungsjournal. Die Lehrperson organisiert dann den Austausch unter den Kindern und gibt gezielte Rückmeldungen. Ausserdem stellt sie die interessanten und weiterführenden Resultate für alle Kinder zusammen.

Was die Kinder herausfinden, wird also Teil des Unterrichts. Die Schüler lösen nicht nur Aufgaben, sie entwickeln auch welche, die ihre Kameradinnen und Kameraden lösen können.

Einblick ins Schulzimmer

Die Schule Rottenschwil hat am Dienstag seine Schulzimmer geöffnet, um interessierten Fachpersonen einen Einblick ins dialogische Lernen zu ermöglichen. Der Andrang war gross: Über 50 Personen lauschten dem Referat von Peter Gallin und nahmen danach einen Augenschein in den Klassenzimmern.

Das dialogische Lernen findet als Teil des EU-Projekt «Fibonacci» statt, an dem sich die Schule beteiligt. Das Projekt fördert das offene, forschende Lernen im Mathematikunterricht (siehe Kasten). Rottenschwil wurde gestern offiziell zur Fibonacci-Schule ernannt.

Peter Gallin, zusammen mit Urs Ruf der Begründer des dialogischen Lernens, hat in diesem Schuljahr intensiv am offenen Mattthematikunterricht mitgewirkt.