Lärm
Kinder können ganz schön nerven

Ein Merenschwander Wirt richtet einen Raum extra für Familien und Kinder ein. So sollen andere Gäste nicht mehr belästigt werden. Toni Widmer, Leiter Redaktion Freiamt der «Schweiz am Wochenende», begrüsst diesen Schritt. Der Kommentar.

Toni Widmer
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Kindergeschrei hält der Autor nicht mehr allzu lange aus. (Symbolbild)

Kindergeschrei hält der Autor nicht mehr allzu lange aus. (Symbolbild)

Thinkstock

Ich habe nichts gegen Kinder. Im Gegenteil: erst vor wenigen Tagen bin ich zum dritten Mal Grossvater eines Mädchens geworden und freue mich stets riesig darauf, wenn meine beiden grösseren Mädels wieder einmal ein Wochenende bei uns zu Gast sind. Aber Kinder können ganz schön nerven. Auf dem Campingplatz zum Beispiel, wenn sie stundenlang rund um unseren Wohnwagen Räuber und Polizist spielen, mit imitiertem Sirenengeheul und lauten Spielzeugpistolen versteht sich. Nicht selten wurden diese Kinder von ihren Eltern zuvor bewusst vom eigenen Platz weggeschickt. Verständlich, denn auch sie möchten sich ja in den Ferien erholen und ab und zu etwas Ruhe haben.

Ich bin mit den Jahren lärmempfindlich geworden. Kindergeschrei und vor allem Kinderlachen finde ich an sich herrlich. Doch ich halte es nicht mehr allzu lange aus und ergreife nach einiger Zeit die Flucht. Oder: Ich buche Ferien auf einem Campingplatz, der sich auf ruhesuchende Paare spezialisiert hat und weder mit grosszügigem Kinderspielplatz noch mit Kinderplanschbecken Werbung macht. Das, finde ich, ist mein gutes Recht und hat überhaupt nichts mit Kinderfeindlichkeit zu tun.

Vor ein paar Wochen hat ein Wirt auf Rügen erklärt, er wolle sein Restaurant künftig ab 17 Uhr kinderfrei halten. Nur Jugendliche im Alter ab 14 Jahren haben – in Begleitung ihrer Eltern – ab dieser Zeit Zutritt. Einen ersten Schritt hatte der Wirt bereits früher gemacht: In seinem Hotel lässt er schon länger nur noch Familien übernachten, deren Kinder 16 Jahre oder älter sind.

Das sorgte für Schlagzeilen. Auch in der Schweiz. Tagelang wurde in verschiedenen Medien und vor allem auch auf den Social-Media-Kanälen über den angeblichen Kinderhasser berichtet. Er hat böse Mails, Briefe und sogar Morddrohungen bekommen und in einigen Foren wurden richtige Shitstorms inszeniert. Der Wirt ist bisher keinen Schritt zurückgekrebst. Er habe seinen Entscheid nicht wegen der Kinder getroffen. Das Problem, sagte der Wirt in mehreren Interviews, seien die Eltern. Sie gäben die Verantwortung für die Kinder an das Restaurantpersonal ab, damit sie ungestört essen könnten.

Kinderfreie Zonen im Restaurant hat nicht besagter Wirt erfunden. Es gibt sie seit 2015 auch in einer Beiz in Luzern. Auch dort wurde der Betreiber des Lokals als Kinderhasser verunglimpft. Dabei sind Familien mit Kindern bei ihm nach wie vor willkommen, sie dürfen einfach nicht überall sitzen. Ein Teil seines Restaurants ist für Gäste reserviert, die sich an Kindern stören, die unbeaufsichtigt und lärmend zwischen den Tischen hin und her rennen.

Der Merenschwander Wirt Martin Lang hat den Kompromiss gefunden. Bei ihm gibt es keinen kinderfreien Teil im Restaurant, bei ihm gibt es einen Bereich, der speziell kinderfreundlich gestaltet ist. Wie Kinderhotels und/oder Kindercampingplätze ein gangbarer Weg.

toni.widmer@schweizamwochenende.ch

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