Vor einem Jahr waren die Betreuungsangebote an der Schule Wohlen massiv gefährdet. Der Gemeinnützige Frauenverein kündigte an, den Mittagstisch «Schmatz» nur noch bis Ende 2011 zu führen, der Gemeinnützige Ortsverein überlegte sich, aus der Aufgabenhilfe auszusteigen. «Es gab Ermüdungserscheinungen bei der Trägerschaft», blickte Franz Wille (CVP) zurück, der damals mit seiner Fraktion einen Vorstoss für ein Tagesstrukturen-Konzept eingereicht hatte.

Heute kann Wille feiern: Mit 30 Ja- gegen 5 Nein-Stimmen genehmigte der Einwohnerrat gestern Abend den Antrag des Gemeinderats, der neu eine privatrechtliche Trägerschaft durch den Gemeinnützigen Ortsverein (GOV) vorsieht.

Rückweisungsantrag chancenlos

Opposition gegen das Konzept, das der Gemeinde bescheidene Mehrkosten von jährlich 17 000 Franken verursacht, gab es einzig von der SVP. «Wir verlangen die Rückweisung des Antrags, weil die Leistungsvereinbarung zwischen Gemeinde und GOV nicht vorliegt», sagte Ortsparteipräsident Roland Vogt. Gemeinderat Paul Huwiler betonte, die Zeit reiche nicht für eine neue Vorlage. «Wenn Sie heute nicht Ja sagen, gibt es nach den Sommerferien keinen Mittagstisch», rief Huwiler den Ratsmitgliedern zu.

Arsène Perroud (SP) ergänzte, das vorliegende Konzept bilde die Basis für die Leistungsvereinbarung, während Armin Geissmann (FDP) argumentierte, die Vereinbarung mit dem GOV könne im Notfall nach zwei Jahren wieder gekündigt werden. Franz Wille meinte schlicht: «Es liegt nicht in der Kompetenz des Einwohnerrats, über den Inhalt einer Leistungsvereinbarung zu entscheiden.» Dies überzeugte die grosse Mehrheit, der SVP-Rückweisungsantrag scheiterte mit 9 zu 25 Stimmen. Noch klarer fiel die Schlussabstimmung aus, in der sich sogar einige Volksparteimitglieder für den Antrag aussprachen. Fraktionspräsident Edi Brunner hatte zuvor eingeräumt, dass auch in Wohlen «Mütter immer häufiger nicht mehr zu Hause sind und für die Kinder schauen können».

Diskussion um Elternbeiträge
Auch die FDP stimmte zu, obwohl Thomas Geissmann mahnte, Wohlen subventioniere immer mehr Angebote. Er schlug vor, den Elternbeitrag höher als bei 12 Franken anzusetzen und sozial schwachen Familien Rabatt zu gewähren. Urs Stäger (SVP) warnte vor einkommensabhängigen Tarifen. «Um dies umzusetzen, ist in der Administration eine weitere Stelle nötig.»

Anders sahen dies Arsène Perroud (SP) und Thomas Burkart (Grüne). Sie kritisierten, die Tarife seien nicht sozialverträglich. «Erreichen wir die Kinder, die einen Mittagstisch wirklich brauchen?», fragte Burkart. Perroud brachte einen Antrag durch, der verlangt, bei der Evaluation nach zwei Jahren sei das Konzept auf seine Sozialverträglichkeit zu prüfen.

Erleichtert war am Ende Gemeinderat Paul Huwiler: «Ich freue mich sehr, dass der Mittagstisch nun nahtlos weitergeführt werden kann.»