Betonwerk-Knatsch
Kiffer Pius Lischer ist in Oberrüti der einzige Gemeinderats-Kandidat

Nach drei Jahren ist Flurin Farrer aus dem Gemeinderat in Oberrüti zurückgetreten. Die Suche nach dem Nachfolger gestaltet sich wegen des Betonwerk-Knatschs im Dorf schwierig. Pius Lischer, IV-Bezüger und bekennender Kiffer, ist der einzige Kandidat.

Philipp Mäder
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Pius Lischer mit seinen Cannabis-Pflanzen

Pius Lischer mit seinen Cannabis-Pflanzen

Tele M1

Die Stimmung ist schlecht in Oberrüti. Die Bevölkerung wehrt sich gegen ein neues Betonwerk, für das der Gemeinderat die Baubewilligung bereits erteilt hat. Es gibt Flugblätter, Unterschriftensammlungen, einen Fackelmarsch und eine Aufsichtsbeschwerde beim Kanton.

Zu allem Übel braucht die Gemeinde nun auch noch ein neues Mitglied für den Gemeinderat. Flurin Farrer ist nach nur drei Jahren bereits wieder zurückgetreten. «Alle wissen, dass ich wegen der Geschichte um das Betonwerk zurücktrete», sagt Farrer. «Ich bin froh, wenn ich mein Amt abgeben kann.»

Einen fähigen Nachfolger zu finden, ist wegen dem Knatsch im Dorf schwierig. «Es würde mich verwundern, wenn man einen findet, der in die Bresche springt», sagt Farrer. Tatsächlich blieb eine Findungskommission bisher erfolglos. Die Anmeldefrist für den ersten Wahlgang ist abgelaufen, ohne dass diese einen Kandidaten präsentieren konnte.

Lischer holte fünf Stimmen

Dafür hat sich ein anderer Kandidat selber angemeldet - als Einziger: Pius Lischer, IV-Bezüger, Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens und bekennender Kiffer. «Am 22. März muss ich für vier Tage ins Bezirksgefängnis Zofingen», sagt Lischer gegenüber der AZ. Am 5. Februar muss er zudem vor dem Bezirksgericht Muri erscheinen, weil er einen Strafbefehl wegen Cannabis angefochten hat.

Lischer ist in Oberrüti bekannt wie ein bunter Hund. Und über das Dorf hinaus: Er tritt bei fast allen Wahlen an, die es im Kanton gibt. Zuletzt kandidierte er bei den Aargauer Regierungsratswahlen vom Oktober. Dort machte er im ganzen Kanton zwar erstaunliche 7465 Stimmen. In Oberrüti waren es jedoch gerade mal 5.

Nach seiner Motivation gefragt, sagt Lischer, er habe ja nichts Anderes zu tun. «Ich will mich wieder in die Gesellschaft integrieren, finde aber keine Arbeit.» Trotzdem würde er sich freuen, wenn es einen Gegenkandidaten gäbe: «Dann hätte das Volk eine Auswahl.»

Weil Lischer als Einziger angemeldet ist, wird im Wahlcouvert nur sein Name zu finden sein. Wählbar sind aber alle Stimmberechtigten. Insider gehen davon aus, dass das Dorf alles tun wird, damit Lischer nicht gewählt wird. «Sonst treten wohl die übrigen Gemeinderäte geschlossen zurück», sagt jemand. Damit könnte paradoxerweise gerade Lischers Kandidatur den Ausschlag geben, dass sich das zerstrittene Dorf in letzter Minute doch noch zusammenrauft, um einen Kandidaten zu finden.