Abtwil / Oberrüti
Keiner zu dumm, ein Schildbürger zu sein

Der Kinderchor führte das Musical «D’Schildbürger» von Herbert Marberger und Markus Hottiger auf.

Cornelia Bisch
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Die Schildbürger beraten auf dem Dorfplatz, was denn zu unternehmen sei gegen die Kirche, die ihnen in der Sonne steht. Cornelia Bisch

Die Schildbürger beraten auf dem Dorfplatz, was denn zu unternehmen sei gegen die Kirche, die ihnen in der Sonne steht. Cornelia Bisch

Klugheit, Weisheit und Umsicht sind Tugenden, nach denen manch guter Bürger hierzulande fleissig strebt. Was aber, wenn sich der Segen als Fluch erweist und sich der brave Mann vor lauter Ratsuchenden kaum retten kann? Dann ergeht es ihm wie den tapferen Mannen aus Schilda, deren Rat von China bis Hinterindien und von Honolulu bis Hongkong gefragt und begehrt ist.

Viel Witz und Schalk steckt in Herbert Marbergers Texten, viel Lebensweisheit in Markus Hottigers schlichten, frischen Liedern. Die drei Aufführungen des Kinderchors Abtwil/Oberrüti fanden am letzten Wochenende im Mehrzwecksaal Abtwil statt.

Dummheit ist die Lösung

So reisen die Schildbürger in der ganzen Weltgeschichte herum, beraten Könige, Kaiser, Ölscheiche, Päpste und anderlei Hoheiten, während ihre Frauen zu Hause versauern. Das lassen sich die Schildbürgerinnen nicht länger bieten. Sie zitieren ihre Männer kurzerhand zurück in die Heimat. Nur ist das Problem damit nicht gelöst. Plötzlich hat einer die rettende Idee: «Mer müend eifach saublöd tue!» Denn wer wird schon den Rat eines Narren einholen wollen? Von nun an überbieten sich die Schildbürger gegenseitig mit unsinnigen Reden und Taten. Sie bauen ein Rathaus ohne Fenster, verschieben eigenhändig ihre Kirche, versenken deren Glocke im See und wandern schliesslich aus Angst vor dem «Maushund» in alle Welt hinaus.

Claudia Kreienbühl : «Es war eine schöne Zeit»

Nachdem sie den Kinderchor Abtwil 25 Jahre lang geleitet und vor drei Jahren zusätzlich die Abteilung in Oberrüti gegründet hat, tritt Claudia Kreienbühl von ihrem Amt zurück. Ihr grossartiges und weitgehend freiwilliges Engagement für die Dorfjugend wurde nach der letzten Vorstellung am Sonntagabend von ihrer langjährigen Mitstreiterin Renate Arnold, den Kindern und Eltern sowie der Gemeinde Abtwil herzlich verdankt. «Es war eine schöne Zeit. Die Arbeit mit den Kindern hat mir Spass gemacht», fasst die Dirigentin und Heilpädagogin zusammen. Angefangen hatte alles mit einer Gemeinschaftsproduktion der Kinderchöre Abtwil und Boswil. «Damals standen 70 Kinder auf der Bühne», so Kreienbühl. Auch an das Stück «Die Zauberorgel» vor zehn Jahren erinnert sie sich lebhaft. «Meine beiden Kinder Samuel und Rahel haben darin die Hauptrollen gespielt.» Inzwischen erwachsen, arbeiteten beide auch bei der diesjährigen Produktion mit. Kreienbühls Nachfolge ist geregelt. Wehmut verspürt sie nicht: «Es ist gut so, wie es ist. Wir haben es jedes Mal gut gehabt zusammen. Was will man mehr?» Ende Mai wird sie zu einer viermonatigen Wanderung auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela aufbrechen. Ende September steht der nächste Termin fest, den sie unbedingt einhalten will: «Der traditionelle Ausflug mit meinem ehemaligen Kinderchor!» (CB)

Gelassen wie die Profis

Mit Ruhe, grossem Eifer und viel Freude begeisterten die 37 Kinder ihr Publikum. Ton- und textsicher trugen sie Lieder und Dialoge gut verständlich vor und liessen sich weder von spontanem Applaus noch vom Gelächter aus dem Publikum ablenken. Ihr selbst gebasteltes Pappedorf bestand aus einer Kirche, einer Wirtschaft und mehreren Häuserfassaden. «Vieles davon stammt von früheren Aufführungen», verriet Chorleiterin Claudia Kreienbühl, die sämtliche Requisiten und Kulissen der vergangenen Produktionen lagert. Manches jedoch, wie das auf Rädern rollende Ruderboot, wurde vom Kulissen-Team unter der Leitung von Josef Kreienbühl oder von den Kindern selbst hergestellt. Besonders originell war das Flugzeug, welches die Schildbürger in die Welt hinaus und zurück brachte. Es bestand aus einem tragbaren Bug- und einem Heckteil sowie einer Reihe runder blauer Bullaugen-Rahmen, die – als beweglicher Rumpf – von den Reisenden selbst mitgeführt wurden.

Ein Kostüm durfte sich jedes Kind seiner Figur entsprechend selbst zusammenstellen. Mit Rat und Tat stand Regisseurin Renate Arnold zur Seite, die auch während der Aufführungen hinter der Bühne für den pannenfreien Ablauf sorgte. Am Klavier begleitet wurden die Kinder von Samuel Kreienbühl, als Erzählerin und Lichttechnikerin amtete seine Schwester Rahel.