Klugheit, Weisheit und Umsicht sind Tugenden, nach denen manch guter Bürger hierzulande fleissig strebt. Was aber, wenn sich der Segen als Fluch erweist und sich der brave Mann vor lauter Ratsuchenden kaum retten kann? Dann ergeht es ihm wie den tapferen Mannen aus Schilda, deren Rat von China bis Hinterindien und von Honolulu bis Hongkong gefragt und begehrt ist.

Viel Witz und Schalk steckt in Herbert Marbergers Texten, viel Lebensweisheit in Markus Hottigers schlichten, frischen Liedern. Die drei Aufführungen des Kinderchors Abtwil/Oberrüti fanden am letzten Wochenende im Mehrzwecksaal Abtwil statt.

Dummheit ist die Lösung

So reisen die Schildbürger in der ganzen Weltgeschichte herum, beraten Könige, Kaiser, Ölscheiche, Päpste und anderlei Hoheiten, während ihre Frauen zu Hause versauern. Das lassen sich die Schildbürgerinnen nicht länger bieten. Sie zitieren ihre Männer kurzerhand zurück in die Heimat. Nur ist das Problem damit nicht gelöst. Plötzlich hat einer die rettende Idee: «Mer müend eifach saublöd tue!» Denn wer wird schon den Rat eines Narren einholen wollen? Von nun an überbieten sich die Schildbürger gegenseitig mit unsinnigen Reden und Taten. Sie bauen ein Rathaus ohne Fenster, verschieben eigenhändig ihre Kirche, versenken deren Glocke im See und wandern schliesslich aus Angst vor dem «Maushund» in alle Welt hinaus.

Gelassen wie die Profis

Mit Ruhe, grossem Eifer und viel Freude begeisterten die 37 Kinder ihr Publikum. Ton- und textsicher trugen sie Lieder und Dialoge gut verständlich vor und liessen sich weder von spontanem Applaus noch vom Gelächter aus dem Publikum ablenken. Ihr selbst gebasteltes Pappedorf bestand aus einer Kirche, einer Wirtschaft und mehreren Häuserfassaden. «Vieles davon stammt von früheren Aufführungen», verriet Chorleiterin Claudia Kreienbühl, die sämtliche Requisiten und Kulissen der vergangenen Produktionen lagert. Manches jedoch, wie das auf Rädern rollende Ruderboot, wurde vom Kulissen-Team unter der Leitung von Josef Kreienbühl oder von den Kindern selbst hergestellt. Besonders originell war das Flugzeug, welches die Schildbürger in die Welt hinaus und zurück brachte. Es bestand aus einem tragbaren Bug- und einem Heckteil sowie einer Reihe runder blauer Bullaugen-Rahmen, die – als beweglicher Rumpf – von den Reisenden selbst mitgeführt wurden.

Ein Kostüm durfte sich jedes Kind seiner Figur entsprechend selbst zusammenstellen. Mit Rat und Tat stand Regisseurin Renate Arnold zur Seite, die auch während der Aufführungen hinter der Bühne für den pannenfreien Ablauf sorgte. Am Klavier begleitet wurden die Kinder von Samuel Kreienbühl, als Erzählerin und Lichttechnikerin amtete seine Schwester Rahel.