Insgesamt dreimal hat eine Mehrheit im Wohler Einwohnerrat gehofft, den Steuerfuss auf 115 Prozent erhöhen zu können. Zweimal lehnten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Urne das Vorhaben ab, am Montag kam nun auch noch das Nein des Aargauer Regierungsrats. Dieser beliess den Steuerfuss für das laufende Jahr bei 110 Prozent.

SVP freut sich

Während der Entscheid den Gemeinderat enttäuscht, frohlockt die SVP Wohlen-Anglikon. Sie setzte sich konsequent dafür ein, dass die Steuern nicht erhöht werden. Wozu auch, findet Ortsparteipräsident Roland Büchi. «Die Ausgaben für dieses Jahr können mit dem jetzigen Steuerfuss gedeckt werden. Darum gab es keinen Grund für die Steuererhöhung. Es freut, aber überrascht uns nicht, dass der Regierungsrat dies auch so sieht.» Büchi ist sich sicher, dass der Gemeinderat und die anderen Fraktionen auf 2020 erneut versuchen werden, die Steuern zu erhöhen. «Ist das wieder ungerechtfertigt, wehren wir uns erneut dagegen.» Er betont aber, dass die SVP Wohlen-Anglikon sich nicht prinzipiell gegen höhere Steuern einsetzt. «Wir sehen ja auch, was auf uns zukommt», sagt Büchi. Doch die Steuern erhöhen, bevor die Ausgaben tatsächlich anstehen, sei unsinnig. Zudem: «Es besteht immer noch Sparpotenzial.»

FDP gibt Zwängerei die Schuld

Auch die FDP fordert, dass nun die Gemeinde ihre Aus- und Aufgaben einer kritischen Prüfung unterzieht. Im Gegensatz zur SVP hätten die Liberalen eine Steuererhöhung jedoch durchaus begrüsst. Wenn mit einem Steuerfuss von 113 Prozent auch eine moderatere, als etwa CVP und SP bis zuletzt forderten. Genau dieser Zwängerei hätten Volk und Regierungsrat eine Abfuhr erteilt, schreibt die FDP. «Dass nun die Schuldenlast im Jahr 2019 einen weiteren Höhepunkt erreichen wird und nur durch einen weiteren, härteren Sparkurs einigermassen ins Lot gebracht werden kann, ist letztendlich der links-grünen Mehrheit im Einwohnerrat zu verdanken.» Denn es sei nicht von der Hand zu weisen, dass die moderatere Erhöhung eine Chance beim Stimmvolk gehabt hätte. «Manchmal wäre wohl der Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vorzuziehen.»

SP hält an Steuerpolitik fest

Die SP sei enttäuscht von der mangelnden Weitsicht des Regierungsrats, schreibt die Partei in einer Stellungnahme. Dieser liesse offenbar die Gemeinde erst in den Schlamassel reiten, ehe er sich der Problemlösung widme. «Die SP Wohlen ist klar der Meinung, dass der Regierungsrat heute seine Verantwortung hätte wahrnehmen müssen, um das offenbar bekannte Problem anzugehen.» Ein weiteres Herauszögern der längst notwendigen Mehreinnahmen werde unweigerlich dazu führen, dass der Schuldenzuwachs rasanter erfolge, bis der Schuldenberg einen unverantwortlichen Zenit erreiche. «Spätestens dann wird man in Wohlen nicht um eine Erhöhung des Steuerfusses herumkommen. Möglicherweise wird dieser dann wesentlich höher ausfallen als 115 Prozent.» Darum werde sich die Partei auch für das Budget 2020 für eine nachhaltige Steuerpolitik einsetzen.

CVP enttäuscht von Regierung

Auch aus Sicht der CVP ist der Entscheid des Kantons ein Fehler. «Der Regierungsrat hat aus dem guten Ergebnis vom letzten Jahr die falschen Schlüsse für den Wohler Steuerfuss gezogen. Für das laufende Jahr reichen vermutlich die 110 Prozent, das mag stimmen, aber für die kommenden 10 Jahre garantiert nicht», schreibt Stefanie Dietrich, CVP-Fraktionspräsidentin. Der Regierungsrat denke zu kurzfristig. «Braucht es wirklich zuerst rote Zahlen für eine Erhöhung des Steuerfusses? Wesentlich ist, wie der Finanzplan für die Zukunft aussieht, und dieser zeigt deutlich, was uns in Wohlen noch bevorsteht.» Damit spricht sie etwa anstehende Investitionen in den Schulraum an.