Muri
Keine Schuld am Fischsterben: Bauer brachte die Gülle nicht fahrlässig aus

Das Bezirksgericht korrigiert einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft.

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Auf Feldern rund um das Schloss Horben wurde Gülle ausgebracht; es ist nicht bewiesen, dass diese zu den toten Fischen im Sembach geführt hat.ES

Auf Feldern rund um das Schloss Horben wurde Gülle ausgebracht; es ist nicht bewiesen, dass diese zu den toten Fischen im Sembach geführt hat.ES

Eddy Schambron

Das war eine kurze Verhandlung vor Bezirksgericht Muri: Gerichtspräsident Michael Plattner sprach einen Bauern von der Verursachung einer Gewässerverschmutzung durch Güllen frei. Der Bauer hatte gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Einsprache erhoben. Das Gericht kam zum Schluss, dass der Bauer nicht fahrlässig Gülle ausgebracht hat und dass die Staatsanwaltschaft nicht den Beweis erbringen kann, dass durch das Verhalten des Beschuldigten Fische im Beinwiler Sembach umgekommen sind.

Am Freitag, 17. Juni, brachte ein Bauer auf Felder rund um das Schloss Horben mit dem Traktor rund 30 Kubikmeter Rindergülle auf insgesamt zwei Hektaren aus. In der Nacht auf Samstag regnete es stark. «Da das Feld auf dem Horben eine erhebliche Neigung gegen Beinwil aufweist, floss die ausgebrachte Rindergülle in den talwärts fliessenden Sembach und verursachte dort eine Gewässerverschmutzung», hielt die Staatsanwaltschaft fest. «Durch das Einfliessen der Gülle in das Gewässer verendeten mehrere Fische aufgrund des Sauerstoffmangels qualvoll und konnten nur noch tot aus dem Bach geborgen werden.» Die Staatsanwaltschaft kam zum Schluss: «Hätte sich der Beschuldigte pflichtgemäss verhalten und hätte sich vor dem Ausbringen der Gülle über das bevorstehende Wetter beziehungsweise den Regen informiert, so hätte ein Einfliessen der Gülle in den Bach vermieden werden können.»

Kein Regen vorausgesagt

Genau das tat das Bezirksgericht im Nachhinein. «Wir haben sämtliche relevanten Wetterprognosen für den entsprechenden Tag nachgeprüft», führte Plattner aus. «Alle sagten für die nächsten 24 Stunden keinen Niederschlag voraus.» Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gehe deshalb «ins Leere». Der angeschuldigte Bauer habe den Strafbefehl zu Recht infrage gestellt. «Man kann Ihnen nicht den Vorwurf machen, pflichtwidrig oder unvorsichtig gehandelt zu haben.» Der Bauer selber ergänzte, dass die ausgebrachte Menge im Vergleich zur Fläche gering gewesen sei. «Sonst hätte man an diesem Tag auch alle Kühe von der Weide nehmen müssen.» Davon abgesehen weise der Sembach ein sehr grosses Einzugsgebiet habe. «Die Gülle im Wasser hat auch von anderswo stammen können.»

Der Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 150 Franken, bedingt auf zwei Jahre, eine Busse von 2000 Franken sowie die Strafbefehlsgebühr von 1200 Franken und die Polizeikosten von 39 Franken sind damit aufgehoben. Die Kosten des Verfahrens übernimmt der Kanton. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft das Urteil ans Obergericht weiterziehen wird», sagte Plattner.