Eggenwil

Keine Post mehr im Dorf: Nach 40 Jahren beendet eine «Ur-Pöstlerin» eine Ära – «Es hat Spass gemacht»

Doris Wernli betreute 12 Jahre die Postfiliale Eggenwil in der Gemeindeverwaltung. Nun wird diese per 31.12.2020 aufgelöst.

Doris Wernli betreute 12 Jahre die Postfiliale Eggenwil in der Gemeindeverwaltung. Nun wird diese per 31.12.2020 aufgelöst.

In Eggenwil schliesst heute die Postfiliale im Gemeindehaus, die Doris Wernli betreute. Die 57-Jährige arbeitete sehr lange für den «gelben Riesen». In Zukunft wird sie der Gemeindeverwaltung als Angestellte erhalten bleiben.

«Heute Morgen wurde es mir beim Lesen Ihres E-Mails erst richtig bewusst, dass nun bald fertig ist», sagt Doris Wernli am Mittwoch beim Besuch des AZ-Redaktors auf der Eggenwiler Gemeindeverwaltung. Am Donnerstag, dem Silvestertag, wird die 57-Jährige um die Mittagszeit herum zum letzten Mal die Monatsabschlusszahlen an die Schweizer Post übermitteln. Mit ihrem letzten Mausklick endet die Geschichte der Postfiliale Eggenwil, die seit 2008 in die Gemeindeverwaltung integriert war. Ab nächsten Montag wird den rund 1100 Einwohnern Eggenwils von der Post als Alternative ein Hausservice auf Bestellung angeboten.

«Es war eine sehr schöne Zeit und machte Spass», erzählt Wernli im Rückblick. Sie ist eine Ur-Pöstlerin. 1981 machte sie die Ausbildung bei der Post und fing sechs Jahre später auf dem damaligen Postbüro Eggenwil an. «Es war eine richtige Ära. Meine Schwester führte zusammen mit ihrem Mann die Post hier, bevor sie in den Neunzigerjahren nach Niederrohrdorf wechselten», berichtet Doris Wernli. Ab Anfang der 2000er-Jahre übernahm dann sie die Leitung der Postfiliale Eggenwil, die damals an der Kochsmattstrasse lag.

Auf der Gemeinde muss sie keine Uniform mehr tragen

«Als die Post 2008 schloss, habe ich von mir aus gekündigt und die Gemeinde hat mich übernommen», sagt Wernli. Die Postarbeit blieb, nur musste sie keine Uniform mehr tragen. Im Laufe der Zeit hat sie dann auch dank ihrem postalischen Know-how weitere Eggenwiler Verwaltungsangestellte im Umgang mit den Postgeschäften ausgebildet. Bis vor drei Jahren war die Postfiliale auch am Samstagvormittag offen oder wie jetzt während der Festtage, an denen andere Gemeindeverwaltungen geschlossen sind. «Die Post gab gewisse Öffnungszeiten vor, die wir nicht ändern konnten», sagt Wernli.

Die meisten Anliegen der Kunden hätten problemlos behandelt werden können, nur selten habe man jemanden beispielsweise mit einem Auszahlungsschein an eine normale Poststelle wie jene in Bremgarten verweisen müssen. «Das Selbstbedienungsmodul hat sich gut bewährt», meint Wernli.

Wernli bleibt auf der Gemeinde – im Teilpensum

Trotzdem spürte auch die Verwaltung den Rückgang der verarbeiteten Briefe und Pakete. Zwischen 2009 und 2019 nahm das Volumen um 55 Prozent von 12'415 Sendungen auf noch 5641 ab. Dies und eine zukünftig tiefere Postentschädigung veranlasste die Gemeinde, den Vertrag mit der Post zu kündigen. Am Montag wird die Post das Selbstbedienungsmodul im Inneren und die Tafeln vor dem Gemeindehaus abbauen. Erhalten bleibt der Briefkasten und die Postfachanlage. Angepasst werden auch die Strassenwegweiser mit der Aufschrift «Gemeindehaus/Post».

Obwohl über die Veränderung mehrfach informiert worden ist, «könnte es schon vorkommen, dass am Anfang noch Kunden versehentlich zur Gmeind kommen, um ihre Postgeschäfte zu erledigen», vermutet Doris Wernli. Für sie persönlich geht es auf der Gemeindeverwaltung weiter. Sie wird wie anhin in einem 40-Prozent-Pensum fürs Schulsekretariat tätig sein, als Asylbetreuerin (10 Prozent) sowie für den Schalterdienst auf der Verwaltung.

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