Villmergen
Keine Fasnacht? Jahrgänger werden kreativ und lassen sich von Corona nicht unterkriegen

Fasnacht im Freiamt: Praktisch alle Veranstaltungen sind abgesagt – in Villmergen beschreitet man nun neue Wege.

Nathalie Wolgensinger
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Vor einem Jahr herrschte ein buntes Durcheinander: Dieses Jahr wird der Villmerger Dorfplatz während der Fasnacht leer sein.

Vor einem Jahr herrschte ein buntes Durcheinander: Dieses Jahr wird der Villmerger Dorfplatz während der Fasnacht leer sein.

Archiv/rib

Ein grosses Fragezeichen in Rot prangt auf der Website der Fasnachtsgesellschaft Neuenburg aus Muri. Das Fragezeichen stand bis vor wenigen Tagen noch stellvertretend für sämtliche Fasnachtsveranstaltungen im Freiamt. Spätestens seit letzter Woche ist aber für alle klar: Die Fasnacht kann heuer nicht stattfinden.

«Dank Corona feiern wir das ganze Jahr Maskenball»

Nägel mit Köpfen hat die Murianer Gängeli Guggenmusik bereits vor Wochen gemacht und ihren Gängeliball abgesagt. Das gleiche Schicksal ereilt auch den beliebten Schüürball in Unterlunkhofen der Guggenmusik Sumpferstilzli.

Auf der Website der Bremgarter Spittelturmclique begrüsst den Besucher ein grünes Coronavirus, darüber prangt ein roter Balken mit der Aufschrift «abgesagt».

Die Sarmenstorfer Fasnächtler tragen es mit Fassung und schreiben auf ihrer Website: «Dank Corona feiern wir das ganze Jahr über Maskenball.» Doch auch sie müssen sich den Tatsachen beugen. Solange verweisen sie auf Fotos und Videos aus den letzten Jahren des fasnächtlichen Treibens im Seetaler Dorf.

Auch in Wohlen beugt man sich dem Diktat der Coronapandemie: Sämtliche Veranstaltungen sind abgesagt. «Wir bündeln unsere Kräfte, nutzen die Zeit und planen ein fulminantes Comeback», richten die Kammerherren aus. Und wen wundert’s? Auch der Dottiker Fasnachtsumzug ist abgesagt. Er findet im Jahr 2023 statt.

Mindestens das Dorf wollen sie fasnächtlich schmücken

Eine Ausnahme bilden da die Villmerger Fasnächtler. Zwar können sie nicht an ihren Plänen festhalten, aber sie versuchen dennoch, fasnächtliche Stimmung ins Dorf zu bringen. «Wir tauschen uns regelmässig aus und passen unsere Planung den Gegebenheiten an», erzählt Reto Koepfli von der Fasnachtsgesellschaft Heid-Heid. Ein wenig fasnächtliche Stimmung wolle man ins Dorf am Rietenberg bringen.

Und sei es nur, indem man die Strassen fasnächtlich schmücke oder mit einer kleinen Gruppe Guggenmusiker durch die Strasse ziehe.

Die Jahrgänger stehen in den Startlöchern

Einzigartig ist im Dorf am Rietenberg die Tradition des «Güügen». Es ist jenen vorbehalten, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiern. Die Jahrgänger feiern gemeinsam fünf Tage und Nächte lang. Doch sie feiern nicht nur, sie richten auch einen Ball aus, verteilen Nussgipfel, kleiden den Güügibueb fasnächtlich ein und unterhalten die Bevölkerung. «Wir wären bereit», sagt Esther Huber, die Präsidentin des Jahrgangs 1971, der heuer mit «Güügen» dran wäre. Bereits im Herbst haben sie ihre «Güügi» geschnitzt. Mit kräftigen Hörnern wollen sie am Schmutzigen Donnerstag das schlafende Dorf aufwecken und mit den Stauden das Feuer oberhalb der Kirche entzünden.

Das alles soll nicht stattfinden? «Wir werden ein fulminantes Jahr erleben», gibt sich Esther Huber trotz allem optimistisch. «Wir können das Feuer auch im Sommer machen, dann ist es eben ein Mittsommer-Feuer», sagt sie. Fest steht, dass die Jahrgänger früher oder später für Unterhaltung in Villmergen sorgen werden. «Wir haben unseren Fasnachtswagen so gebaut, dass man ihn auch im Sommer nutzen kann», fügt sie an.

Knebelübergabe findet daheim am Bildschirm statt

An kreativen Ideen mangelt es den 50-Jährigen wahrlich nicht. Dass sie die Fasnacht um ein Jahr verschieben und mit den Frauen und Männern des Jahrgangs 1972 feiern, sei ausgeschlossen. «Wir haben eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen und das eingehend diskutiert. Eine Mehrheit der Mitglieder ist der Meinung, dass man das nicht um ein Jahr verschieben kann», kommentiert sie.

Die Knebelübergabe, bei der die Insignien der Macht an den nächsten Jahrgang übergeben werden, findet am 15. Januar virtuell statt. Kein rauschender Ball, sondern ein Treffen vor dem heimischen Computer ist für diese traditionelle Übergabe geplant. Präsidentin Esther Huber hat nicht ganz unrecht, wenn sie sagt, «wir holen nun einfach das Möglichste raus.»