Pädagogik
Keine Angst vor Gruppendynamik: Ein neues Buch erzählt über den pädagogischen Alltag

Die Bremgarterin Heidi Ehrensperger schrieb mit Peter Stierli ein Buch über den pädagogischen Alltag.

Nathalie Wolgensinger
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Gruppendynamiken sind komplexe Mechanismen. Nun gibt es ein neues Buch darüber. (Symbolbild)

Gruppendynamiken sind komplexe Mechanismen. Nun gibt es ein neues Buch darüber. (Symbolbild)

KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Wie es sich anfühlt, Mitglied einer Gruppe zu sein, in der es einfach nicht passt, das kennt wohl jeder. Man fühlt sich unwohl, meldet sich nur ungern zu Wort und ist froh, wenn die Sitzung oder das Treffen schnell vorbei ist. «Wenn es in einer Gruppe nicht funktioniert, dann hängt das oft mit der Leitung zusammen, weil er oder sie nicht merkt, was schiefläuft», kommentiert Heidi Ehrensperger. Und schon ist man mittendrin im Thema, das längst nicht nur Pädagogen interessieren sollte. Gruppendynamik entsteht überall dort, wo sich drei Personen und mehr zusammenfinden. Also auch im Geschäft, im Verein oder der Familie.

Heidi Ehrensperger wollte mehr wissen

«Während meiner Ausbildung zur diplomierten Erwachsenenbildnerin behandelten wir das Thema während einer Woche. Ich wollte mehr wissen und besuchte nach meiner Ausbildung eine Weiterbildung zum Thema», erzählt die ausgebildete Primarlehrerin. Doch das reichte ihr nicht. Heidi Ehrensperger wollte immer noch mehr wissen. Es folgte die Ausbildung zur Trainerin für Gruppendynamik. Diese Ausbildung kann absolvieren, wer von drei unabhängigen Leiterinnen und Leitern nach drei entsprechenden Seminaren dafür empfohlen wird.

Heidi Ehrensperger ist Trainerin für Gruppendynamik.

Heidi Ehrensperger ist Trainerin für Gruppendynamik.

zVg

Dass sie nun vom renommierten Carl-Auer-Verlag angefragt wurde, ein Buch über das Thema zu verfassen, überraschte die Bildungsexpertin. «Ich wollte eigentlich gleich absagen», erzählt sie lachend. Doch dann kam ihr Peter Stierli in den Sinn. Im Organisationsberater, Coach und Schulleiter fand sie einen Partner, der sie ideal bei der Arbeit ergänzte. «Der Verlag gab uns freie Hand», erzählt Ehrensperger über die Arbeit am gemeinsamen Buch. «Keine Panik vor Dynamik» erschien in der Reihe «Systemische Pädagogik» des Verlages.

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema

«Gruppendynamik ist wie das Wetter, sie ist immer da. Wer erkennt, wie vielschichtig die Situation betrachtet werden kann, ist im Vorteil», erzählt sie. Dass sich die Lehrer-Ausbildung nur am Rande mit dem Thema beschäftigt, bedauert sie. Mit dem Buch ermöglicht das Duo dem Leser eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema. Angereichert ist jedes Kapitel mit Beispielen aus der Schulpraxis. Die Lektüre regt zur Selbstreflexion an und reicht damit über die Grenzen der Schule hinaus.

Ganz wichtig: Die Dinge richtig einschätzen

Ein zentraler Grundsatz der Gruppendynamik ist, die Dinge abzuwägen und sich Zeit für Entscheidungen zu nehmen. Wie wichtig dieser Faktor ist, erkannte die 64-Jährige bereits als junge Lehrerin. «Ich war damals der Meinung, ich wäre gut, wenn ich alles löse und auf alles sofort reagiere», erzählt sie. In einem Weiterbildungskurs habe ein Lehrerkollege aus dem Kanton Bern erzählt, dass er sich in solchen Situationen erst mal hinsetze und nachdenke. «Er erzählte das im Berner Dialekt, sehr überlegt und entsprechend langsam», erinnert sie sich lachend.

Sich Zeit lassen, einen Schritt zurücktreten, die Situation von aussen betrachten, das sind Rezepte, die in Krisensituationen helfen. «Das Allerwichtigste, was Gruppendynamik will, ist Integration», fasst sie zusammen. Das bedeute, dass man gemeinsam schaue, wie Unterschiedliches zusammen gedeihen und die Arbeit bereichern könne. «Auch wenn nichts mehr geht, muss man handlungsfähig bleiben», so ein weiterer Grundsatz. Und wichtig sei, dass man die Dinge, die wie beim Eisberg unter dem Wasserspiegel schlummern, richtig einschätze und anspreche.

Die Arbeit sei vielfältig und faszinierend, blickt sie auf ihre lange Berufserfahrung zurück. Und obwohl Profi, ist auch sie nicht davor gefeit, bei der Arbeit in der Gruppe auf dem falschen Fuss erwischt zu werden.