Kaum eröffneten die Musikerinnen und Musiker das Konzert, erzitterte schon der Kirchenboden. Die Wucht des Opernstückes «Norma» traf nicht nur die imposante St. Vitus Kirche, sondern auch das Publikum. Der aus 32 Musikanten bestehende Klangkörper kombiniert mit der speziellen Akustik der hohen Kirche ergab ein besonderes Hörerlebnis. Der Musikverein setzte sich die Messlatte bereits mit dem ersten Lied hoch.

Den Höhepunkt erreichte die Musiktruppe schliesslich mit dem Lied «Serenata Sentimentale». Ausschlaggebend dafür war mitunter die Beteiligung von Jonas Gross. Trotz seines zarten Alters von 16 Jahren überzeugte er mit seiner Panflöte auf der ganzen Linie. Seine musikalische Karriere geriet ins Rollen, als er den Prix Walo für Nachwuchskünstler gewann. Dass Jonas Gross sich diesen redlich verdient hat, bewies er in Merenschwand. Mit seiner Panflöte ergänzte er das Spiel des Musikvereins. Die südamerikanischen Klänge der Panflöte verliehen dem Lied genau jene sehnsüchtige Note, die der Komponist Enrico Toselli seinerzeit beabsichtigt hatte.

Dirigenten-Rochade

Beim Konzert überraschte insbesondere die Stückwahl. Obschon es am ersten Advent stattfand, war in der Liederübersicht kein einziges Weihnachtslied zu finden. Nur in der letzten Zugabe spielten die Musiker eine kurze Version von «Stille Nacht». «Es ist eben kein Adventskonzert», erklärte Präsidentin Carole Fischer. Deshalb habe der Musikverein auf klassische Lieder gesetzt, die allesamt aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen. «Die Leute werden in den nächsten Wochen noch zu Genüge Weihnachtslieder hören», fügte sie mit einem Schmunzeln an.

Weniger Anlass zur Freude gab die Demission des Dirigenten Albert Burkard. Sieben Jahre lang hat er den Taktstock für den Musikverein Merenschwand geschwungen und gibt sein Amt nun ab. Ganz zurückziehen will er sich aber nicht: Er wechselt lediglich die Seite und bleibt den Musikern als Bläser erhalten. Wer in seine Fussstapfen treten wird, ist derzeit noch offen. «Wir sind auf der Suche nach einem Nachfolger», so die Präsidentin.

Nimmersattes Publikum

Am Ende des Konzertes liess Fischer das Jahr Revue passieren. Mit dem Musiktag und dem Fest im Juni hatte der Verein zwei aussergewöhnlich grosse Anlässe. «Es war ein sehr bewegtes und intensives Jahr für unseren Verein», sagte sie.

Auf dieselbe Weise beendete der Musikverein den Abend: Das letzte Stück «Il barbiere di Siviglia» war kaum mehr zu überbieten. Nicht erstaunlich also, dass die Zuschauer eine Zugabe forderten. Den Rahmen sprengte das Publikum aber, als sie selbst nach dem dritten musikalischen Nachtisch noch nicht satt war. Erst nach der vierten Zugabe war Schluss.