Bünzen
Kein Überschiessrecht mehr: Ende Jahr fällt der letzte Schuss

Schützengesellschaft wehrt sich mit einer Petition gegen die Kündigung des Überschiessrechts über ein Feld. Es ist nicht das erste Mal, dass der Verein der Schützengesellschaft behindert wurde.

Eddy Schambron
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Schiessstand Bünzen: Das Überschiessrecht ist auf Ende Jahr gekündigt.

Schiessstand Bünzen: Das Überschiessrecht ist auf Ende Jahr gekündigt.

Eddy Schambron

Die Schützengesellschaft Bünzen fährt schweres Geschütz auf: Mit einer Petition greift sie den Gemeinderat frontal an und sucht bei der Bevölkerung Unterstützung: Mit der Genehmigung einer Kündigung des Überschiessrechts durch den privaten Grundeigentümer nehme der Gemeinderat in Kauf, «dass die SG Bünzen auf ihrem Schiessstand nicht mehr weiter ihre Vereinsaktivität, das Sportschiessen, ausüben und ihren Auftrag zum Durchführen der Bundesprogramme ausführen kann.» Der 165 Jahre alte Verein mit seinen 42 Mitgliedern, davon 30 aktive Schützen, stehe damit «vor dem Aus».

Das beurteilt der Gemeinderat anders: «Wir bemühen uns seit zwei Jahren um eine Lösung, damit dieser Verein eine Zukunft hat», sagt Frau Gemeindeammann Marlise Müller.

Konkret heisst das, dass der Gemeinderat auf der Suche nach auswärtigen Schiessmöglichkeiten ist. «Wir wehren uns gegen den Vorwurf, gegen diesen traditionsreichen und aktiven Verein zu arbeiten.

Das Gegenteil ist der Fall.» Mit im Boot bei der Suche nach Alternativen für den Schiessbetrieb im eigenen Dorf sei von Anfang an auch der Kanton. «Mit der Möglichkeit, auswärts zu schiessen, ist der Verein in keiner Weise gefährdet», betonen sowohl Müller als auch ihr Gemeinderatskollege Peter Huber.

Waltenschwil und Besenbüren seien dafür gute Beispiele: «Sie schiessen auswärts, pflegen aber weiterhin ein aktives Vereinsleben im eigenen Dorf.»

Tatsächlich hat der Landbesitzer, der bisher und seit 1968 der Schützengesellschaft Bünzen das Überschiessrecht über sein Landwirtschaftsland erteilt hat, den entsprechenden Vertrag auf Ende Jahr gekündigt.

Er will das Land wieder frei von Einschränkungen bewirtschaften können. «Es ist das Recht eines privaten Grundeigentümers, einen solchen Vertrag aufzulösen», sagt Müller. Das könne die Gemeinde nicht verhindern.

Ein Enteignungsverfahren, wie von den Schützen gefordert, komme schon aus Verhältnismässigkeitsgründen nicht infrage. «Die Schützengesellschaft mit ihren 42 Mitgliedern ist zwar ein bedeutender Verein im Dorf, aber ihre Interessen würden ein Enteignungsverfahren nicht rechtfertigen.»

Grundbucheintrag verpasst

«Es ist unverständlich, dass der Gemeinderat diese Kündigung akzeptiert», sagt Ruedi Seiler, Präsident der Schützengesellschaft Bünzen. Die Gemeinde sei gesetzlich verpflichtet, einem aktiven Schützenverein den Schiessbetrieb sowie die Durchführung des Obligatorischen und des Feldschiessens zu ermöglichen. Es sei in früheren Jahren verpasst worden, das Überschiessrecht ins Grundbuch einzutragen, obwohl es so vorgesehen gewesen sei.

«Wir versuchten seit Jahren, den Gemeinderat zu bewegen, dies nachzuholen.» Für Seiler ist klar, dass der Verein seine Interessen wahrnehmen und auf dem Rechtsweg gegen die Kündigung vorgehen wird.

«Der Gemeinderat ist sich offensichtlich nicht bewusst, was er da gemacht hat.» Auswärts schiessen sieht er als Alternative, wenn die Wegdistanz und die Schiessanlage akzeptierbar sind: «Ich verstehe jede Gemeinde, die es ablehnt, uns aufzunehmen. Wer will schon mehr Schiesslärm?»

Ende September sei eine Sitzung anberaumt, dabei gehe es um das Schiessen in Büttikon. «In Büttikon stehen vier Polytronicscheiben zur Verfügung, die dringend saniert werden müssen. Platz hat es für maximal sechs. Bei uns in Bünzen sind jeden Mittwoch acht Scheiben voll ausgebucht – wie also soll das gehen in Büttikon?»

So oder so: Der Haussegen zwischen Gemeinderat und der Schützengesellschaft sowie Teilen der Bevölkerung von Bünzen scheint seit geraumer Zeit schief zu hängen. «Die Schützengesellschaft ist auffällig oft auf unserer Traktandenliste», meint dazu Gemeinderat Peter Huber trocken.

Abgemachte Schiesszeiten während des Feldschiessens würden vom Verein nicht eingehalten. Die Bevölkerung werde durch ein extrem ausgebautes Feldschiessen übermässig in ihrem Ruhebedürfnis gestört und der persönliche Umgang der Vereinsspitze mit der Behörde sei nicht eben zimperlich.

«Bei aller Wertschätzung eines aktiven und engagierten Vereins hat der Gemeinderat auch die Interessen jenes Teils der Bevölkerung wahrzunehmen, die mit dessen Aktivitäten nichts zu tun haben oder sich an den Immissionen sogar stören.»

«Knüppel zwischen die Beine»

Die Schützengesellschaft Bünzen schiesse heute nicht mehr als früher, unterstreicht Seiler. Und bei der vorgeworfenen Überschreitung der Schiesszeiten handle es sich um zwei Fälle am Feldschiessen, einmal um eine Viertel-, einmal um eine halbe Stunde, weil Schützen knapp vor Schluss eingetroffen seien und nicht abgewiesen werden konnten.

Der Gemeinderat betone zwar immer, wie wichtig aktive Vereine seien. «Aber dann wirft er uns wieder Knüppel zwischen die Beine.» So habe die Schützengesellschaft seit 2003 von Frühling bis Herbst einen Zeltanbau am Schützenhaus als Materialdepot aufgestellt. «Plötzlich wurde dafür ein Baugesuch verlangt, weil das Zelt länger als zwei Monate steht.

Der Gemeinderat wusste genau, dass dieses Baugesuch in Aarau abgelehnt wird, wir haben dafür eine Rechnung von über 400 Franken erhalten. Bei solchen Geschichten fühlt man sich als Verein nicht mehr ernst genommen.»

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