Plötzlich geht nichts mehr. Der Bohrkopf hat sich bereits 45 Meter durch die Erde gefressen. Doch dann stösst das Gerät auf einen massiven Findling, stellen der Maschinist des Bohrgeräts und sein Arbeitskollege fest. Doch für das Team der Schenk AG aus dem thurgauischen Heldswil ist das kein Problem. Denn der schlaue Bohrkopf ist beweglich und kann in alle Richtungen gesteuert werden. So ist es möglich, dem Findling auszuweichen.

Ort des Geschehens ist die Unterführung beim Kreisel an der Oberebenestrasse in Bremgarten. In jenem Bereich wurde mittels Horizontal-Bohrtechnik das Terrain für den Einzug der Fernwärmeleitung des Wärmeverbundes Bremgarten West unterstossen, wie es im Fachjargon heisst. Grundsätzlich wird das Rohr jedoch im übrigen Trasseeverlauf durch die Aushebung eines Leitungsgrabens in einer Tiefe von 1,2 bis 1,8 Metern verlegt.

Abzweigungen in den Gassen

Die Heizzentrale befindet sich bei der Elro-Werke AG, wobei sich das für den Zentralenbau benötigte Grundstück und das Gebäude im Besitz der AEW Energie AG, Aarau, befinden. Von dort werden die Fernleitungen ins Industriegebiet Fischbacherstrasse, zur Kaserne und via Industriegebiet Oberebene in die Bremgarter Unterstadt geführt. Beim Hexenturm unterquert die Leitung die Reuss. Diese Unterführung wurde im Hinblick auf die Realisierung des Wärmeverbundes Bremgarten West bereits im Herbst 2017 ausgeführt.

Auf der rechten Flussseite wird dann die Leitung in der Reussgasse hoch zur Marktgasse via Augraben verlegt und durch die Bärengasse und Rechengasse bis zum Spittelturm geführt, wo sie mit dem bereits bestehenden Fernwärmenetz zusammentrifft, das von der Heizzentrale Isenlauf versorgt wird. Zusätzlich wird es Leitungen in Richtung Industrie Fischbacherstrasse sowie zum Waffenplatz geben. Abzweigungen gibt es überall, wo Liegenschaften von Kunden erschlossen werden.

Auf die Frage, wie weit der Leitungsbau inzwischen vorangekommen ist, heisst es seitens der AEW, dass zurzeit die Bohrung in Richtung Hunn Gartenmöbel AG ausgeführt wird. Mitte Februar wird mit dem Leitungsbau bei der Heizzentrale gestartet und ab Mitte April mit dem Bau der Fernwärmeleitung bis zur zweiten Reussunterquerung beim Hexenturm. Die erste Unterquerung in Bremgarten ist übrigens im Jahr 2009 zwischen den Schulhäusern Isenlauf und Obertor als Teil des Wärmeverbunds mit der Zentrale Isenlauf ausgeführt worden.

Leitung, Dämmung, Mantelrohr

Die Hauptverbindungsleitung von der im Bau befindlichen Heizzentrale Bremgarten West bis zum Spittelturm wird 2 Kilometer lang werden. Das Leitungsmaterial besteht aus Metall, mit einer Dämmung aus Polyurethan-Schaum (PU) und einem Mantelrohr aus Polyethylen (PE). Zwischen der Heizzentrale und dem Comolli-Areal hat die Leitung einen Durchmesser von 200 Millimetern, dann wird dieser bis zur zweiten Reussunterquerung auf 150 und ab dort auf 125 Millimeter reduziert.

In den Gassen werden die Leitungsdimensionen dann dem Energiebedarf der jeweiligen Wärmebezüger angepasst. Durch den ganzen Leitungsstrang wird in der Heizzentrale erhitztes Wasser gepumpt. Dessen Temperatur variiert, je nach Aussentemperatur. Beim Hauseintritt der Kunden garantiert die AEW ganzjährig eine Minimaltemperatur von 67 Grad Celsius, damit auch im Sommer das Brauchwarmwasser erwärmt werden kann. Im Winter, bei tiefen Aussentemperaturen, wird das Wasser bis auf 77 Grad aufgeheizt. Beim Austritt aus der Heizzentrale ist die Wassertemperatur nur geringfügig höher.

30 neue Anschlüsse bestellt

Die AEW investiert als Wärmelieferant in den Wärmeverbund Bremgarten West rund 14 Millionen Franken. Davon entfallen 7,3 Millionen auf den Leitungsbau. Wenn die Leitung des Verbundes fertiggestellt ist, beträgt die Gesamtlänge des Fernwärmenetzes in Bremgarten 16 Kilometer. Zurzeit sind rund 220 Wärmekunden an das bestehende Netz angeschlossen. Gemäss aktuellstem Stand sind zudem mehr als 30 zusätzliche Anschlüsse am neuen Fernwärmenetz bestellt, bestätigt die AEW Energie AG.