Freiämter Ortsnamen
Kein Abt in Abtwil, kein Torf in Sarmenstorf

Viele Geschichten ranken sich um die Freiämter Ortsnamen – aber wo kommen sie wirklich her? Die AZ geht dieser Frage in einer Serie auf den Grund.

Andrea Weibel
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Selbst in den Fachbüchern ist man sich nicht immer einig, woher die Freiämter Ortsnamen tatsächlich stammen.

Selbst in den Fachbüchern ist man sich nicht immer einig, woher die Freiämter Ortsnamen tatsächlich stammen.

Andrea Weibel

Alte Dottiker kennen noch die schauerliche Geschichte vom toten Mann, der auf seinem Pferd ins Dorf getragen worden sei. Daher stamme auch der Ortsname Dottikon, vom Toten, der hineingekommen sei, der Volksmund spricht von «Tot-in-chon». Eine spannende Geschichte. Dass sie an den Haaren herbeigezogen wurde, ist vermutlich gut für den Reiter, der vielleicht eben doch nicht tot war. Für die Leser ist das jedoch schade.

Ebenso hat man den Schulkindern früher – oder noch heute? – in Sarmenstorf erzählt, der Ortsname leite sich vom vielen Torf ab, der unten im Moos abgebaut worden sei. Einige «Keltenfreunde» scheinen zudem den Ortsnamen Muri mit einer keltischen Gottheit oder Wohlen sogar mit der sagenhaften keltischen Insel Avalon in Verbindung bringen zu wollen. All diese spannenden Geschichten sind aber eben nur das: Geschichten. Nichts an ihnen ist wahr. Doch wo genau die Freiämter Namen wirklich herstammen, wissen vermutlich die allerwenigsten Bewohner zwischen Lindenberg und Mutschellen entlang des Bünz- und Reusstals.

Falsche Elefanten und Geld

Genau aus diesem Grund hat die Aargauer Zeitung wissenschaftliche Werke durchforstet. In Wohlen ist es den Leuten beispielsweise nicht einfach wohl, sodass sie ihr Lebensgefühl im Ortsnamen verewigt haben. Nein, Wohlen hat denselben Hintergrund wie «welsch», also anders, anderssprachig. Der Abtstab im Wappen Abtwils ist dort ebenso fehl am Platz wie die Gelte und das Geldstück im Wappen von Geltwil oder der Elefant, den sich die Hilfiker auf die Fahne gemalt haben. All das sind teilweise Übersetzungsfehler oder schlichtes Unwissen über die eigentliche Herkunft der jeweiligen Ortsnamen.

Serie Freiämter Ortsnamen

In einer fünfteiligen Serie stellt die AZ Freiamt ab kommendem Dienstag alle Freiämter Ortsnamen und deren Herkunft vor.

Gesucht: Geschichten

Neben den wissenschaftlichen Belegen existieren auch viele Legenden und Geschichten um die Herkunft der Namen. Die AZ Freiamt bittet darum alle, die sich noch an solche Geschichten erinnern, diese entweder per Mail an freiamt@aargauerzeitung.ch oder telefonisch an 058 200 53 38 zu melden.

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Wer sich einmal in die Namenskunde der 42 Freiämter Dörfer und Städtchen samt ihren Weilern vertieft, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Oft muss man schmunzeln über die Herleitungen, die teilweise so einfach sind wie bei Fischbach, dem ersten Teil von Fischbach-Göslikon. Denn – wer hätte es gedacht – der Name stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet tatsächlich «Fischbach».

Stammesführer und ihre Dörfer

Die allermeisten Freiämter Ortsnamen stammen aus der Siedlungszeit der Alemannen, die ab dem späten 3. Jahrhundert von Norden her in die Schweiz vorgedrungen sind und vor allem ab dem 6. und 7. Jahrhundert hier siedelten. Sie brachten nicht nur die Anfänge der deutschen Sprache in den Deutschschweizer Raum, sondern benannten auch viele der Orte. Die allermeisten Freiämter Dörfer sind ganz einfach aus dem Namen eines Stammesführers, beispielsweise Uffo, Poto, Totto, Egino, Haggilo oder Gozilo abgeleitet. Doch welchen Freiämter Dörfern haben diese Stammesführer ihre Namen geliehen? In einer fünfteiligen Serie, die am kommenden Dienstag beginnt, wird die AZ Freiamt diese und viele weitere Rätsel auflösen.

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