Alte Dottiker kennen noch die schauerliche Geschichte vom toten Mann, der auf seinem Pferd ins Dorf getragen worden sei. Daher stamme auch der Ortsname Dottikon, vom Toten, der hineingekommen sei, der Volksmund spricht von «Tot-in-chon». Eine spannende Geschichte. Dass sie an den Haaren herbeigezogen wurde, ist vermutlich gut für den Reiter, der vielleicht eben doch nicht tot war. Für die Leser ist das jedoch schade.

Ebenso hat man den Schulkindern früher – oder noch heute? – in Sarmenstorf erzählt, der Ortsname leite sich vom vielen Torf ab, der unten im Moos abgebaut worden sei. Einige «Keltenfreunde» scheinen zudem den Ortsnamen Muri mit einer keltischen Gottheit oder Wohlen sogar mit der sagenhaften keltischen Insel Avalon in Verbindung bringen zu wollen. All diese spannenden Geschichten sind aber eben nur das: Geschichten. Nichts an ihnen ist wahr. Doch wo genau die Freiämter Namen wirklich herstammen, wissen vermutlich die allerwenigsten Bewohner zwischen Lindenberg und Mutschellen entlang des Bünz- und Reusstals.

Falsche Elefanten und Geld

Genau aus diesem Grund hat die Aargauer Zeitung wissenschaftliche Werke durchforstet. In Wohlen ist es den Leuten beispielsweise nicht einfach wohl, sodass sie ihr Lebensgefühl im Ortsnamen verewigt haben. Nein, Wohlen hat denselben Hintergrund wie «welsch», also anders, anderssprachig. Der Abtstab im Wappen Abtwils ist dort ebenso fehl am Platz wie die Gelte und das Geldstück im Wappen von Geltwil oder der Elefant, den sich die Hilfiker auf die Fahne gemalt haben. All das sind teilweise Übersetzungsfehler oder schlichtes Unwissen über die eigentliche Herkunft der jeweiligen Ortsnamen.

Wer sich einmal in die Namenskunde der 42 Freiämter Dörfer und Städtchen samt ihren Weilern vertieft, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Oft muss man schmunzeln über die Herleitungen, die teilweise so einfach sind wie bei Fischbach, dem ersten Teil von Fischbach-Göslikon. Denn – wer hätte es gedacht – der Name stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet tatsächlich «Fischbach».

Stammesführer und ihre Dörfer

Die allermeisten Freiämter Ortsnamen stammen aus der Siedlungszeit der Alemannen, die ab dem späten 3. Jahrhundert von Norden her in die Schweiz vorgedrungen sind und vor allem ab dem 6. und 7. Jahrhundert hier siedelten. Sie brachten nicht nur die Anfänge der deutschen Sprache in den Deutschschweizer Raum, sondern benannten auch viele der Orte. Die allermeisten Freiämter Dörfer sind ganz einfach aus dem Namen eines Stammesführers, beispielsweise Uffo, Poto, Totto, Egino, Haggilo oder Gozilo abgeleitet. Doch welchen Freiämter Dörfern haben diese Stammesführer ihre Namen geliehen? In einer fünfteiligen Serie, die am kommenden Dienstag beginnt, wird die AZ Freiamt diese und viele weitere Rätsel auflösen.