Wahlen 2019

Kaum Überraschungen am Wahlsonntag im Freiamt: Glarner souverän, Jauslin musste zittern

Falls Jean-Pierre Gallati nicht in den Regierungsrat gewählt wird, stellt das Freiamt in der nächsten Legislatur drei Nationalräte.

72 Freiämterinnen und Freiämter sind angetreten, um einen Sitz im Nationalrat zu ergattern. Jean-Pierre Gallati (SVP) schaffte neu den Sprung in den Rat, die beiden bisherigen Freiämter Nationalräte, Andreas Glarner (SVP) und Matthias Jauslin (FDP), wurden wie erwartet wiedergewählt.

Der Sitz von Matthias Jauslin stand auf der Kippe

Während Glarner mit 64'053 Stimmen und dem drittbesten Ergebnis seiner Kantonalpartei ein gutes Resultat verzeichnen konnte, wurde es bei Jauslin unerwartet knapp. Mit 29'835 Stimmen konnte er die Drittplatzierte auf der FDP-Liste, die nicht gewählte Maja Riniker, mit nur rund 800 Stimmen auf Distanz halten.

Wie stark der Sitz von Jauslin wackelte, zeigt ein Blick auf ein Zwischenergebnis vom Sonntag. Nach 9 von 11 ausgezählten Bezirken lag Jauslin hinter Riniker. Erst sein Heimbezirk Bremgarten, brachte ihn auf die Erfolgsspur.

Jauslin selber spricht nicht von einer knappen Wiederwahl. «Ich bin mit fast 30'000 Stimmen gewählt und mit meinem Resultat zufrieden», sagt der Wohler, der den Sitzverlust seiner Partei bedauert. «Wir konnten bei der derzeitigen Klimadebatte nicht punkten. Zudem hat die Listenverbindung mit SVP, EDU und Team 65+ nicht den erhofften Erfolg gebracht. Ein Verzicht auf diese rechts ausgerichtete Listenverbindung wäre wohl die ehrlichere Variante gewesen. »

Andreas Glarner: «Man hasst oder liebt mich»

Während Jauslin bangte, konnte sich Andreas Glarner am Sonntag zurücklehnen. Seine Wiederwahl war nie in Gefahr. Die vielen Stimmen führt Nationalrat aus Oberwil-Lieli auf seine «klare Politik» zurück. «Mich kann man entweder hassen oder lieben, dazwischen gibt es nichts», sagt Glarner.

Dass die SVP ihren siebten Sitz verloren hat, ärgert Glarner nicht. «Das war schon im vornherein klar. Wir hatten in der SVP Aargau einen Aderlass.» Damit meint er etwa den Rückzug von Ueli Giezendanner aus Bundesbern.

Jean-Pierre Gallati möchte lieber in den Regierungsrat

Dafür hat Glarner in der nächsten Legislatur eventuell einen Freiämter Parteikollegen im Nationalrat. Jean-Pierre Gallati wurde mit 55'454 Stimmen als sechster und somit letzter SVPler in den Nationalrat gewählt. Nur 93 Stimmen vor Stefanie Heimgartner aus Baden, die aber noch hoffen kann. Falls Gallati im zweiten Wahlgang in den Regierungsrat gewählt wird, kommt sie zum Handkuss und das Freiamt wäre den dritten Nationalratssitz wieder los.

Die Wahl in den Nationalrat hat Gallati am Sonntag nicht gefeiert. Er ist derzeit voll auf die Regierungsratswahlen fokussiert. «An die Nationalratswahlen habe ich seit Mitte Juli nicht mehr gedacht.» Doch wäre der sichere Sitz im Nationalrat ein Trostpflaster, falls es nicht zum Regierungsrat reicht? Gallati will davon nichts wissen. «Es ist ganz einfach», führt er aus. «Werde ich Regierungsrat, dann habe ich gewonnen, sonst verloren.»

Nicole Müller-Boder ringt nach Erklärungen für das Scheitern

Für Glarner, Gallati und Jauslin hat es gereicht, für alle anderen 69 Kandidaten setzte es eine Enttäuschung ab. Vor allem für jene, die sich ernsthaft Chancen ausgerechnet hatten. Wie SVP-Frau Nicole Müller-Boder. «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich sei nicht enttäuscht», sagt die Buttwilerin am Tag danach. «Ich bin davon ausgegangen, dass es knapp wird. Davon bin ich nun aber weit entfernt.»

46'763 Stimmen erhielt die Grossrätin. Das bedeutet auf der Liste der SVP lediglich Platz 15 von 16. «Seit gestern zerbreche ich mir den Kopf, an was es gelegen hat», sagt die etwas ratlos klingende Nationalratskandidatin. Ihre Vermutung: Es fehlt am Wahlkampf-Budget. «Ich habe immer gehört, dass man 100'000 Franken investieren muss, wenn man in den Nationalrat will. Diese Mittel habe ich nicht. 9000 Franken mussten reichen.»

Zudem habe sie mit dem kleinen Muri einen nicht so wahlstarken Bezirk hinter sich. Die SVP-Politikerin weiss noch nicht, ob sie es in vier Jahren nochmals versucht. «Im Moment kann ich es mir nicht vorstellen. Der Frust sitzt tief.»

Ebenfalls nicht gewählt wurde der Wohler Gemeindeammann Arsène Perroud, der für die SP antrat. Er holte 21'044 Stimmen. «Das Resultat passt so für mich», sagt Perroud. «Ich konnte meinen Beitrag für das gute Abschneiden der SP leisten.»

Verwandtes Thema:

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

Meistgesehen

Artboard 1