Tägerig

Kaum ist die Baulücke geschlossen, sind die Steuerzahler weg

Erwin Meier neben dem Mahnmal in der bald geschlossenen Baulücke zwischen seinen beiden Firmengebäuden. Toni Widmer

Erwin Meier neben dem Mahnmal in der bald geschlossenen Baulücke zwischen seinen beiden Firmengebäuden. Toni Widmer

Sturheit des früheren Gemeinderates kostet Erwin Meier 100000 Franken, aber die Gemeinde noch viel mehr

Erwin Meier, Inhaber und Geschäftsleiter der EGT Chemie AG in Tägerig, hält mit seiner Meinung selten zurück. Das hat er in seiner Zeit als Grossrat und Präsident der SVP-Bezirkspartei Bremgarten oft unter Beweis gestellt.

Auch an der Gemeindeversammlung in Tägerig sorgte er ab und zu für rote Köpfe, wenn er pointiert, manchmal vielleicht aber etwas zu scharfzüngig eine andere Meinung vertrat als die Behörde. An der Gmeind in Tägerig sieht man Erwin Meier heute nicht mehr. Er ist vor drei Jahren in die Nachbargemeinde gezogen. Die Niederwiler freuts, der Unternehmer ist ein guter Steuerzahler.

Keine Ausnahmebewilligung

Mit seinem Umzug hat Erwin Meier den persönlichen Schlusspunkt hinter eine lange Geschichte gesetzt, die ihn bis heute ärgert. Jetzt schliesst er das Kapitel auch als Unternehmer ab. Mit einem Neubau, den er schon vor sieben Jahren hat realisieren wollen, mit dem er jedoch an der Sturheit des damaligen Gemeinderates gescheitert ist.

Der Reihe nach: Meier plante 2008, die zwei bestehenden Gebäude seines Unternehmens mit einem neuen Zwischentrakt zu verbinden. Damit hätte allerdings die Fassadenlänge der EGT-Liegenschaft die in der Tägliger Bauordnung damals noch festgelegte Gesamtlänge von 40 Metern überschritten.

Es zeichnete sich bereits ab, dass diese Begrenzung mit der neuen Tägliger Bauordnung in Kürze aufgehoben würde. Deren Revision war spruchreif, das Planwerk lag schon zur letzten Begutachtung beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt in Aarau.

Also wurde Erwin Meier beim Gemeinderat vorstellig, um mit ihm über eine Ausnahmebewilligung zu reden: «Ich wusste schon länger, dass die Gebäudelängenbeschränkung fallen würde. Denn sie ist ja auch nicht Bestandteil des übergeordneten aargauischen Baugesetzes. Deshalb habe mit meinem Projekt etwas zugewartet und erst geplant, als die entsprechende Revision auch in Tägerig aufgegleist war.»

Der Gemeinderat hatte für Meiers Anliegen jedoch kein Gehör und hielt an der geltenden Bauordnung fest. Gegenüber der az äusserte sich der damalige Gemeindeammann Willi Gloor im Februar 2009 unmissverständlich: «Das ist wie im Verkehr.

Wenn da eine 60er-Tafel steht, darf man nicht schneller als 60 km/h fahren, auch wenn die Polizei bereits angekündigt hat, dass diese Geschwindigkeitsbeschränkung demnächst aufgehoben wird.»

Juristisch korrekt, aber . . .

Erwin Meier sagt im Rückblick: «Der Gemeinderat hat juristisch korrekt entschieden. Aber mich hat dieser Mangel an Flexibilität 100 000 Franken gekostet und meine Firma einen Arbeitsplatz, den wir nicht schaffen konnten.»

Die Längenbeschränkung ist tatsächlich gefallen, wenige Monate nachdem der im reduzierten Umfang gebaute Zwischentrakt bezogen war. Und Meier baut sechs Jahre später doch noch so, wie er es ursprünglich geplant hatte.

«Meine teure Ehrenrunde hätte nicht sein müssen», sagt der Ex-Tägliger Unternehmer, der jetzt ein Niederwiler Unternehmer ist, mit der EGT Chemie AG aber immer noch in Tägerig Steuern zahlt. «Der heutige Gemeinderat», sinniert Erwin Meier, «hätte damals wohl flexibler reagiert und so auch den privaten Steuerzahler halten können.»

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