Wohlen
Kaum ein Fleck am «Touch the Air» ist frei von Werbung

Während des Wochenendes feiern in Wohlen wieder Tausende Menschen zur Musik von internationalen Chartstürmern. Doch das Festival ist auch attraktiv für Sponsoren. Firmen finanzieren rund einen Viertel des «Touch the Air» und sorgen für viel Kommerz.

Patrick Züst
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Die verschiedenen Sponsoren dominieren das Bild des Touch the Airs
8 Bilder
Sponsoren dominieren das «Touch the Air»
Festivalbesucher freuen sich ueber die lockere Atmosphaere
In der Menschenmenge vor der Hauptbühne gibt es am Abend meist kein Durchkommen mehr
Irie Révoltés begeistert das Publikum am Freitagabend mit politischem Hip Hop
Auch die Electro-Acts auf der Nebenstage finden viel Andrang
Die meisten Festivalgäste übernachten auf dem anliegenden Zeltplatz
In den frühen Morgenstunden feiert We Love Machines auf der Electric-Stage eine grandiose Party

Die verschiedenen Sponsoren dominieren das Bild des Touch the Airs

Patrick Züst

Mindestens genauso präsent wie die Hip-Hop- und Elektro-Künstler sind am Festival die diversen Sponsoren. Das «Touch the Air» ist kommerziell. Wie an den meisten grossen Open Airs ist auch in Wohlen die Werbung von Partner-Marken allgegenwärtig.

Man feiert im Bacardi-Dome, trinkt etwas im Cardinal-Bierzelt oder entspannt sich in der Coca-Cola-Lounge. Das Engagement der Hauptsponsoren geht dabei weit über übliche Verkaufsstände hinaus. Die Firmen tragen oftmals aktiv zum Festival-Erlebnis bei. Mit ausgelassenen Partys, Werbegeschenken und Wettbewerben werden die Besucher auf die Produkte aufmerksam gemacht – ob sie wollen oder nicht. Rund ein Viertel des Festivals wird dieses Jahr über Sponsoring finanziert.

«Man freut sich einfach, wenn einem am Morgen ein gesponserter Milkshake in die Hand gedrückt wird und nervt sich deshalb auch nicht wirklich, wenn irgendwo ein paar Werbefahnen hängen», sagt OK-Mitglied Mike Schälchli. Mit seiner Firma «Sponsoring House» ist er neben dem «Touch the Air» unter anderem auch für die Vermarktung des Open Airs Gampel und des Greenfield Festivals zuständig. Sponsoren für solche Events zu finden, sei in den vergangenen Jahren zwar schwieriger geworden, Interesse bestünde aber nach wie vor: «Während der Sommermonate sind Open Airs für Firmen praktisch die einzige Möglichkeit, um über einen längeren Zeitraum mit potenziellen Kunden zu arbeiten. Das sind manchmal 72 Stunden am Stück, und wie man sich vorstellen kann, ist das für ein Unternehmen sehr lukrativ», sagt Schälchli.

Am «Touch the Air» gehört unter anderem die Tabakmarke «Winston» zu den Hauptsponsoren. Jeden Abend locken hochkarätige DJs Hunderte Festival-Besucher in das firmeneigene Partyzelt. Dass Werbung von Tabakfirmen an Open Airs nach wie vor toleriert wird, führte vor einiger Zeit in den Medien zu heftigen Diskussionen. Zu negativ sei der Einfluss auf jugendliche Festivalbesucher. Trotz kritischen Stimmen möchte das Wohler OK aber auch in Zukunft nicht auf das Tabak-Sponsoring verzichten: «Es gibt für jeden Kanton ganz klare Regeln, was die Promotion von Tabakwaren an Open Airs betrifft. Daran hält man fest und so lange das so ist, stellt das Ganze auch kein Problem dar. Am ‹Touch the Air› ist das Winston-Zelt zum Beispiel erst ab 18 Jahren zugänglich», sagt Schälchli.

Für die verschiedenen Firmen stehen an den Open Airs meist Studenten im Einsatz. Natalie Bärtschi beispielsweise arbeitet für die Glace-Firma Frisco und ist zum zweiten Mal am «Touch the Air» im Einsatz. Dass man am Festival den verschiedenen Marken schon fast nicht mehr entfliehen kann, stört sie nicht: «Bei einem Open Air gehört Marketing halt einfach dazu. Es bringt ja eigentlich für alle Beteiligten nur Vorteile – und mir einen abwechslungsreichen und gut bezahlten Nebenjob», sagt die Medizinstudentin lachend.

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