Prozess

«Kaufsüchtige» betrog Arbeitslosen-Versicherung um 41000 Franken

Junge modebegeisterte Kundinnen kaufen immer mehr auch im Internet. jackson/reu

Einen guten Teil des erschwindelten Geldes brauchte die Frau für Kleiderkäufe. (Symbolbild)

Junge modebegeisterte Kundinnen kaufen immer mehr auch im Internet. jackson/reu

Eine 36-jährige Aargauerin meldete sich als arbeitslos, obwohl sie ein festes Einkommen hatte. Und kassierte fast 41'000 Franken. Nun soll ein Gutachter ihre Schuldfähigkeit abklären. Ihr droht eine einjährige bedingte Haftstrafe.

Eine 36-jährige Frau erleichterte die Arbeitslosenversicherung im Kanton Aargau um 40 600 Franken, obwohl sie in dieser Zeit einen festen Verdienst hatte. Die Staatsanwaltschaft qualifiziert die Tat der vorbestraften, aber geständigen Beschuldigten als gewerbsmässigen Betrug und beantragt für sie eine einjährige bedingte Freiheitsstrafe, bei einer Probezeit von vier Jahren, und eine Busse von 2000 Franken.

Aus der Sicht der Verteidigerin würde eine bedingte Geldstrafe genügen. Ihre Mandantin sei kaufsüchtig und leide unter einer Persönlichkeitsstörung. Der Tatbestand des Betrugs liege zwar vor, nur habe ihre Mandantin nicht gewerbsmässig gehandelt. Dafür sei der widerrechtlich erzielte Anteil am Einkommen zu gering, sagte die Verteidigerin.

Tragödie warf sie aus der Bahn

Sie sei schon lange kaufsüchtig und habe deshalb immer mehr Geld gebraucht, als sie verdient habe, sagte die Beschuldigte. Aus Geldnot habe sie das Formular für die Arbeitslosenversicherung falsch ausgefüllt. Den zusätzlichen Verdienst habe sie vor allem für Kleider, Kosmetikartikel und Küchengeräte verbraucht.

Die Kaufsucht begründete sie damit, dass sie wegen der Trennung der Eltern und dem Freitod ihres Vaters aus der Bahn geworfen worden sei. Die Mutter sei in finanzielle Schwierigkeiten geraten, in der Folge auch sie selbst. Inzwischen habe sie wegen ihrer Kaufsucht eine Therapie angefangen.

Eine Rückfallgefahr besteht nach der Ansicht der Verteidigerin nicht. Die Beschuldigte ist daran, die Schulden bei der Arbeitslosenversicherung zurückzuzahlen. Dafür hat sie eine 80-Prozent-Stelle und einen Nebenjob angenommen. «Sie bereut ihre Tat aufrichtig», bemerkte die Verteidigerin. Das Verschulden wiege leicht.

Schuldfähigkeit wird abgeklärt

Gerichtspräsident Peter Thurnherr sistierte das Urteil. Vorerst müsse ein Gutachter abklären, in welchem Ausmass die Frau zur Tatzeit schuldfähig gewesen sei, erklärte er. Denn das Krankheitsbild bestehe offenbar noch.

Die Beschuldigte habe gut verdient, sei alleinstehend und müsse niemanden unterstützen – und trotzdem habe sie die Arbeitslosenversicherung geschädigt. Es gebe viele Familien, die mit einem kleineren Einkommen auskommen müssten, als sie erziele.

Das Strafverfahren werde für sie nicht zum «Spaziergang». Denn die Frau habe die Arbeitslosenversicherung noch innerhalb der Probezeit erleichtert, die ihr bei einer früheren Verurteilung auferlegt worden sei, sagte Thurnherr.

Im Wiederholungsfall müsste sie mit der Ausschaffung in ihr Heimatland rechnen. Das Urteil wird, nachdem das Fachgutachten vorliegt und die Parteien dazu Stellung genommen haben, schriftlich zugestellt.

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