Der Unfall ereignete sich bereits am 6. Oktober. Bekannt wird der Vorfall aber erst jetzt.

Kurz nach Rennbeginn in der Kategorie Master passierte es. Bei einem rennüblichen Überholmanöver im Knick der Geraden, ausgerechnet einer schnellen Rennpassage, touchierten sich zwei Karts - mit verheerenden Folgen für den Piloten M.S. aus Gansingen (Name der Redaktion bekannt).

«Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände», beschreibt Patrick Oberer, Rennleiter des Wohler Rotaxmax-Rennens, den Unfallhergang. Nach der Kollision drehte es den Fricktaler. Er kam von der Strecke ab. Das Fahrzeug überschlug sich im neben der Piste aufgehäuften Sand, durchschlug einen Zaun und wurde erst von einem Metallpfosten gestoppt. «Das war der härteste Unfall, den ich in 25 Jahren Kartsport und 13 Jahren als Rennleiter erlebt habe», sagt Oberer. In der Regel sehe es meist schlimmer aus, als es eigentlich sei.

Trotz seiner reichen Erfahrung rechnete auch er vorerst mit gravierenderen Folgen: «Ich dachte, ich sehe jetzt meinen ersten Toten auf der Rennstrecke», so der 31-Jährige, denn er befürchtete eine schwere Verletzung an Kopf oder Wirbelsäule. «Seinen Helm hatte es in der Mitte gespalten.»

Nicht per se gefährlicher

«Der Kartrennsport ist nicht grundsätzlich gefährlicher als anderer Sportarten», betont Oberer. In 25 Jahren habe er noch nie einen derart schweren Unfall erlebt. «Es war eine Rennsituation und eine Kollision, wie sie gelegentlich mal vorkommt.» Auch er habe als Aktiver schon Überschläge erlebt, der Fahrer sei aber mit einem hervorragenden Helm und dem Neck Brace (Nacken-Schutzkragen) grundsätzlich gut geschützt. «Ich will das auf keinen Fall verharmlosen oder herunterspielen», ergänzt der 31-Jährige umgehend, er sei sehr froh, dass M.S. noch glimpflich davon gekommen sei.

Allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz könne ein Unfall nie vollkommen ausgeschlossen werden. «Ein gewisses Restrisiko bleibt bestehen.» Schwerwiegende Unfälle ereigneten sich aber vor allem mit Mietkarts, ergänzt Oberer, denn Laien überschätzten sich häufig oder agierten zudem vermehrt fahrlässig. «Solch kleine Sachen, wie beispielsweise offene Haare, bringen ein grösseres Risiko als der Rennsport selbst.»

Keinen Schuldigen

Oberer war mit der Betreuerin des Verunglückten als Erster an der Unfallstelle. Er kümmerte sich um den unter Schock stehenden zweiten involvierten Fahrer. «Er machte sich grosse Vorwürfe», berichtet Patrick Oberer. «Ich vergewisserte ihm, dass ihn keine Schuld treffe.» Zu viele Faktoren seien für die schweren Folgen des Unfalls verantwortlich, erklärt der Auto-Verkaufsberater.

Ein Aspekt sei mitunter auch die Kartbahn in Wohlen selbst. «Diese ist heute nicht mehr auf dem neusten Stand der Sicherheitsvorkehrungen», erklärt Oberer, dem die Sandhaufen, welche an gewissen Stellen als Streckenbegrenzung dienen, missfallen. Doch dies alleine könne nicht als Grund gelten, ergänzt er, denn der Fahrer sei auch in einem äusserst dummen Winkel darin aufgetroffen, «Würde die Kartbahn Wohlen unseren hohen Sicherheitsansprüchen nicht genügen, wären wir nicht mehr hier», sagt Patrick Oberer bestimmt.