Viel Tinte wurde im Aargauer Klosterstreit vor und nach den Klosteraufhebungen gebraucht. Besonders in polemische Karikaturen investierten in erster Linie die Klostergegner viel. Darauf legt die Historikerin Annina Sandmeier-Walt (Winterthur) den Fokus in ihrer neuesten Publikation «Der Aargauer Klosterstreit 1841 in bildlichen Darstellungen».

Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt «Geschichte Kloster Muri» und arbeitet an einer Dissertation über die Rezeption der aargauischen Klosteraufhebungen.

Klostergegner taten sich hervor

175 Jahre nach der Aufhebung der Aargauer Klöster, auch von Muri, interessiere die breite Öffentlichkeit, mit welchen Mitteln die extremen Pole gegeneinander gefochten hätten, sagt Annina Sandmeier-Walt.

Dabei hätten sich die liberal-radikalen klosterfeindlichen Kräfte hervorgetan. Seltener seien die Stellungnahmen der Konservativen gewesen. Karikaturen waren das geeignete Mittel, um den eigenen Standpunkt zu verdeutlichen. Die wohl bekannteste und am meisten abgedruckte Karikatur zum Aargauer Klosterstreit stammt aus der Hand von Heinrich von Arx und wurde am 25. März 1841 in der satirischen Zeitschrift «Gukkasten» veröffentlicht.

Sie zeigt den erbitterten Kampf zwischen einem korpulenten Mönch, auf einem Stier reitend, und einem Mann in Ritterrüstung auf einem Pferd. Bei diesem Ritter handelte es sich, so die Autorin, um Augustin Keller, der zur Klosteraufhebung viel beigetragen hatte.

Mindestens zwei Karikaturen zum Klosterleben Muri veröffentlichte der Schweizerische Bilderkalender von Martin Disteli 1842, ein Jahr nach der Klosteraufhebung. Wohl um die Dekadenz und das Fehlverhalten des Klosters Muri lange vor 1841 zu zeigen, behauptete der Kalender in der Legende zu einer Karikatur, dass sich der Murianer Abt Ambrosius Bloch 1835 mit einer grossen Geldsumme davongemacht habe und damit ins Kloster Engelberg geflüchtet sei.

Der damals bereits 67-jährige Abt wurde dem gängigen Klischee entsprechend feist gezeichnet, um ihn herum Bedienstete, die ihn den Berg hinauf bugsieren, ihm Wein reichen und das Geld auf Rückengestellen transportieren. Polemisch dargestellt, aber grundsätzlich wahr. Der Abt hatte, nachdem das Kloster Muri 1835 unter staatliche Verwaltung gestellt worden waren, den Auftrag erhalten, mit Schuldtiteln im Wert von 350'000 Franken den Kanton Aargau zu verlassen.

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Geläufig waren damals Karikaturen, die Mönche und Nonnen als Menschen darstellten, die dem Müssiggang und frivolen Abenteuern nachgingen und von einfältiger Heiterkeit waren. Die Jesuiten nahm die satirische Presse besonders aufs Korn.

Sie seien verschlagen und zu allem fähig, auch zu rücksichtslosem Mord aus dem Hinterhalt, wie eine Karikatur zeigt, die in der Publikation abgebildet ist. Viele Jahre später, 1909, liess Arnold Keller, erster Generalstabschef der Schweizer Armee und Sohn des Klosterstürmers Augustin Keller eine Glasscheibe anfertigen.

Diese sollte der Ehrenrettung seines Vaters dienen. Der Staatsarchivar Nold Halder liess die Scheibe, die er als kurios und originell bezeichnete, noch 1960 in der Ausleihe der Kantonsbibliothek Aarau aufhängen – als einseitiges Erinnerungsstück an den Klosterstreit.

Annina Sandmeier-Walt Der Aargauer Klosterstreit 1841 in bildlichen Darstellungen (Murensia, Band 3, Chronos Verlag Zürich). Preis: 12 Franken.