Wohlen
Karate-Schläge ohne Kissen sind gar nicht so schmerzhaft

Am Budo-Tag in Wohlen trainierten Kampfsportler verschiedener Disziplinen zusammen – mittendrin ein az-Reporter, der mit dem ehemaligen Kickbox-Weltmeister traniert. Kommt das gut?

Dominic Kobelt
Drucken
Teilen
Ein az-Reporter trainiert am Wohler Budo-Tag mit einem ex-Kickbox-Weltmeister
13 Bilder
Nach den Trainings fanden Demonstrationen statt.
Nach den Trainings fanden Demonstrationen statt.
Nach den Trainings fanden Demonstrationen statt.

Ein az-Reporter trainiert am Wohler Budo-Tag mit einem ex-Kickbox-Weltmeister

Dominic Kobelt

Die erste Schwierigkeit am Budo-Tag wartet bereits in der Umkleidekabine. Der Tiefschutz ist montiert, der Kimono auch, aber wie bindet man den Gurt richtig? Man möchte ja nach dem Training den Knopf wieder lösen können; besonders wenn es nicht die eigene Ausrüstung ist, sondern die eines Schwarzgurtträgers.

Nach einer Schweigeminute für die Wohler Kampfsportlegende Andi Hug, der vor genau 13 Jahren verstarb, beginnt das erste Training.

Es ist ein seltsames Gefühl, mit dem weissen Gewand, inmitten von Profis. Die meisten haben jahrelange Kampfsporterfahrung; Schweizermeister, Junioren-Europameister und Nationalmannschafts-Mitglieder aus verschiedenen Disziplinen sind hier anzutreffen. Judokas, Karatekas und Kickboxer, auch ein paar Schwertkämpfer sind dabei. Es ist der siebte Budo-Tag – jedes Jahr werden es mehr Teilnehmer. «Die Harmonie zwischen den Clubs, das Miteinander und der gegenseitige Respekt machen diesen Anlass aus», sagt Burch. Es ist schweizweit der einzige Anlass dieser Art.

Austausch zwischen den Disziplinen

Erste Lektion: Ju-Jitsu, wir arbeiten mit verschiedenen Übungen am Gleichgewicht. Ich darf zuerst mit dem ehemaligen Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano trainieren. Jeder Partner grüsst sein Gegenüber, manche geben die Hand, andere verbeugen sich. «Das Zeremonielle ist mehr als eine Geste, es gehört zur Kultur», sagt OK-Präsident René Burch. Er assistiert Stefan Züllig, der das Training leitet. Nächste Übung: Mit den Knien ineinander einhängen und dann zusammen über die Matten hüpfen. Ich fühle mich in den Schulsport zurückversetzt – dort hatte ich einmal Tanzstunden.

Beide Trainings gehen je anderthalb Stunden. Gut, dass ich mich zwischendurch von der Matte schleichen und ein paar Fotos machen darf. «Der Kampf gegen sich selbst ist der härteste», sagt Burch, der seit 42 Jahren Kampfsport trainiert.

Es folgen Übungen zur Wurftechnik und zur Abwehr. Dann zehn Minuten Pause, die ich am Wasserhahn verbringe. Es folgt die Karate-Lektion: Schläge links und rechts auf die Brust und in den Bauch, aber nicht mit voller Kraft, mehr wie eine etwas grobe Massage. Einmal trainiere ich mit einem jungen Mann, der normalerweise Haidong Gumdo macht, eine koreanische Schwertkampfkunst: «Ich bin mir den Körperkontakt nicht so gewohnt», meint er. Im Gegensatz zu meinem nächsten Kampfpartner: ein junger Kickboxer, rote Haare, rote Fingerknöchel. Wir schlagen auf Kissen ein, die der Partner an den eigenen Körper drückt. Die Wucht lässt mich zurückweichen. Beim Vorbeilaufen sagt Raphael Gauch, der das Training leitet: «Nachher dasselbe ohne Kissen.» Ich grinse, weil ich es für einen Witz halte. Das ist es nicht – allerdings sind die Schläge nicht schmerzhaft. Man gewöhnt sich daran.

Keine Nachwuchssorgen

Nach dem Training bringen die Trainer das Publikum mit Vorführungen zum Staunen. Das ist gute Werbung, Nachwuchssorgen hat allerdings keiner der vier beteiligten Clubs: sie haben zusammen über 600 Mitglieder.

Burch sieht das Kampfsporttraining auch als eine Gegenbewegung zum Trend «in kurzer Zeit mit wenig Aufwand möglichst viel herausholen». «Es ist eine Lebensschule. Man muss lange dranbleiben und hart arbeiten, um etwas zu erreichen.» Nicht ein Podestplatz oder Titel sei das wichtigste Ziel, sondern sich selbst zu verbessern.

Aktuelle Nachrichten