Allgemeine Heiterkeit zum Beginn des Vortrages von Carlo Degelo, dem Leiter der Sektion Verkehrsplanung im Departement Bau, Verkehr und Umwelt: Die Mitglieder der Regionalgruppe Freiamt der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) hatten an ihrem traditionellen Herbstanlass vorerst die Wiederkehr Recycling AG in Waltenschwil besichtigt.

Was Degelo angesichts der dort verschrotteten Autos zur Feststellung verleitete: «So könnten wir die Verkehrsprobleme im Aargau zwar auf bequeme Weise lösen, aber selbstverständlich ist das nicht die Richtung, die wir anstreben.»

Mobilität nicht per se negativ

«Mobilität», hielt der Verkehrsplaner in seinen Ausführungen fest, «ist nicht per se schlecht. Mobilität ist ein Wirtschaftsmotor und ein wichtiger Faktor der Individualität jedes Einzelnen.» Doch, fuhr Degelo weiter, der stetig steigende Verkehr habe auch negative Seiten. Verstopfte Strassen, Lärmimmissionen, Unfälle – mit einer guten Verkehrsplanung versuche man, diese Auswirkungen in den Griff zu kriegen. «Die Krux ist, dass wir heute für 2040 planen müssen. Da sind wir auf möglichst umfassende Grundlagen und Entwicklungsprognosen angewiesen», sagte er und zeigte in der Folge anschaulich auf, wie die Verkehrsplanung im Aargau funktioniert und welche Ziele damit angestrebt werden.

Es gibt Grundsätze: Der Aargau will die Siedlungsentwicklung nach innen lenken und damit der weiteren Zersiedelung entgegenwirken. Er will mit geeigneten Massnahmen eine nachhaltige Mobilität fördern und die verschiedenen Verkehrsträger besser miteinander vernetzen. Und er will die Siedlungsentwicklung so steuern, dass sich die Menschen vor allem in jenen Regionen niederlassen, die mit verschiedenen Verkehrsträgern bereits jetzt gut erschlossen sind.

Die Ansprüche sind verschieden

Es sei nicht einfach, die verschiedenen Erwartungen unter einen Hut zu bringen, die an die Verkehrsplanung gestellt würden: «Wenn Sie mit dem Velo unterwegs sind, stören Sie sich an den Autos, fahren Sie Auto, nerven Sie die Radfahrer und als Fussgänger regen Sie sich allenfalls über beides auf», illustrierte Degelo den täglichen Konflikt. Das Ziel sei es, die Verkehrsströme so zu lenken, dass alle mit allen Verkehrsmitteln möglichst rasch, möglichst sicher und möglichst zuverlässig alle ihre Ziele erreichen könnten.

«Das Problem ist», zeigte der Verkehrsplaner weiter auf, «dass wir der Entwicklung dauernd hinterherrennen. Da entsteht irgendwo eine neue Überbauung mit 100 Wohnungen. Wenn sie bezogen ist, gibt es auf der Erschliessungsstrasse Stau und wir müssen dieses Problem lösen.» Solche und ähnliche Friktionen liessen sich nur mit einer guten Strategie vermeiden und damit, dass Bund, Kanton und Gemeinden diesbezüglich zusammenarbeiten und schon in der Planungsphase von Projekten möglichst am gleichen Strick ziehen würden.

Diese Zusammenarbeit sei insbesondere wichtig, weil die Verkehrsprobleme meist regionale Ursachen hätten: «Die Mär vom Durchgangsverkehr, der an allem schuld ist, stimmt nicht. Unser Verkehr ist weitgehend hausgemacht», hielt Degelo fest. Gespannt waren die Mitglieder der von Bruno Eugster präsidierten AIHK-Regionalgruppe natürlich insbesondere auf seine Ausführungen zu den Verkehrsproblemen, respektive zur laufenden Verkehrsplanung im Freiamt.

An vielen Fronten aktiv

Hier, erklärte der Leiter der Aargauer Verkehrsplanung, sei seine Sektion an verschiedenen Fronten tätig. Oberste Maxime sei eine möglichst rasche Anbindung der Bünztalachse an den A1-Zubringer in Lenzburg, dessen Kapazität aktuell ausgebaut wird. Bereits 2010 ist zu den möglichen Massnahmen im Bünztal eine Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) gemacht worden. Braucht es eine Westumfahrung von Dottikon und/oder eine Südumfahrung in Wohlen (beide sind im Kantonalen Richtplan aufgeführt)? Ist der Vierspurausbau der Bünztalachse von Wohlen bis Lenzburg nötig? Wie kann die Leistungsfähigkeit der Knoten (Bullenberg, Anglikon, Badi Villmergen, Langelen Dintikon/Dottikon) gesteigert werden? Das seien die Fragen, welche sich dabei stellten.

Konkrete Antworten darauf gibt es erst, nachdem der Ausbau in Lenzburg Ende 2021 abgeschlossen ist und eine Wirkungskontrolle gezeigt hat, ob sich der Verkehr nach dem Ausbau wie erhofft wieder stärker auf die Bünztalachse konzentriert.

Die Hände werden bis dahin aber nicht in den Schoss gelegt. Aktuell befasst sich die Abteilung Tiefbau mit einem Projekt für die Sanierung des Knotens Langelen. Angestrebt wird eine niveaufreie Lösung für die Nord/Süd-Hauptachse. Eine Über- oder Unterführung soll ihre Kapazität erhöhen und damit die Querverbindungen durch die Gemeinden entlasten.