Ganz bescheiden und unauffällig kommt sie daher, die Gemeindenachricht aus Dietwil: «Am Mittwoch, 10. Oktober, um 16 Uhr, werden bei der Schiessanlage 300-Meter-Stand an verschiedenen Orten bzw. Liegenschaften Lärmmessungen durchgeführt.

Dafür müssen jeweils einzelne Schüsse abgegeben werden. Es wird mit einer Dauer von rund einer Stunde gerechnet. Bei nasser oder windiger Witterung müssen die Messungen auf Donnerstag, 11. Oktober, verschoben werden. Die Messungen werden von der kantonalen Abteilung für Umwelt durchgeführt. Wir bitten Sie um Verständnis für dieses ausserordentliche Schiessen.»

Diskrepanz zwischen Gemeindeauftrag und Vereinswünschen

Hinter der Schiesslärmmessung steht aber etwas mehr als die blosse Rücksichtnahme auf die Nachbarn der Anlage und ihr Ruhebedürfnis: «Wir haben alle Anlagen im oberen Freiamt messen lassen», bestätigt Marco Meier, Gemeinderat von Sins und Präsident der Arbeitsgruppe Schiesswesen und Schützen Oberfreiamt. «Das Ergebnis dieser Messungen dient uns dann als Element für den Entscheid, wo in Zukunft geschossen wird.»

Die Arbeitsgruppe, bestehend aus je einem Vertreter der Schützenvereine von Dietwil, Abtwil-Oberrüti und Sins sowie einem Gemeinderatsvertreter aus Abtwil und einem aus Sins, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die politischen Vorgaben und die Bedürfnisse der Schiesssportvereine gegeneinander abzuwägen und verschiedene Varianten auszuarbeiten.

Es besteht nämlich eine Diskrepanz zwischen dem Auftrag der Gemeinden, ihren Wehrmännern die Erfüllung der Schiesspflicht zu ermöglichen, und den Wünschen der Schützenvereine, ihrem Hobby «zu Hause», in einem gut eingerichteten Schützenhaus und auf möglichst vielen Scheiben frönen zu können. «Je nach Bevölkerungsdichte würden in einer Gemeinde zwei Scheiben reichen fürs Obligatorische. Aber die Vereine möchten mehr, je nach Mitgliederzahl», sagt Meier.

Vereine leiden unter Mitgliederschwund

Da einige Vereine aber unter Mitgliederschwund leiden, stellt sich da und dort die Frage, ob man bestehende Schiessanlagen noch für teures Geld sanieren soll oder ob es nicht klüger wäre, sich vereinsmässig zusammenzutun, um eine gemeinsame Anlage zu betreiben.

Oberrüti und Abtwil haben diesen Schritt schon gewagt. Nun sind die Vereine von Dietwil, Sins und Mühlau ebenfalls gefragt. «Wir möchten den Gemeinden verschiedene Varianten unterbreiten, wie und wo der Schiesssport in Zukunft stattfinden kann», betont Meier. «Eine Sanierung und Lärmschutzbauten kosten schnell eine halbe Million. Diese Kosten müssen grösstenteils von den Gemeinden getragen werden.» Darum sei es so wichtig, dass die Vereine sich zusammenraufen und gemeinsam bestimmen, wie ihre Zukunft aussehen soll.