Kein politisches Thema führte in letzter Zeit unter Jugendlichen zu mehr Diskussionen als die Initiative der GSoA zur Aufhebung der Wehrpflicht in der Schweiz. Dies nahmen die Kantonsschullehrer Kevin Heutschi und Matthias Schwank als Anlass, um eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema an der Kantonsschule Wohlen zu organisieren.

Die Befürworter der Initiative wurden vertreten durch Tobias Estermann, Sekretär der GSoA und Etienne Pfrander, Bezirkspräsident der Grünen Kulm. Auf der anderen Seite setzten sich Yatin Shah, Präsident der Jungfreisinnigen Aargau und Toni Cipolat, Geschäftsführer der Gruppe Giardino, für die Beibehaltung der Wehrpflicht und damit gegen die Initiative ein. Während einer Stunde diskutierten die Politiker am Dienstagnachmittag in der gefüllten Aula über Sinn und Zweck einer obligatorischen Wehrpflicht.

Viele Diskussionspunkte

«Es war uns ein grosses Anliegen, den Schülern mithilfe einer Podiumsdiskussion die verschiedenen Facetten dieses Themas aufzuzeigen. Weil viele Schüler direkt von dieser Initiative betroffen sind, war von Anfang an auch ein sehr grosses Eigeninteresse vorhanden», stellte Geschichtslehrer Kevin Heutschi fest, der die Diskussion auch moderierte. Die Meinungen der Diskussionsteilnehmer zum Militär hätten nicht weiter auseinandergehen können.

Während die Armee von den Befürwortern der Initiative als veraltet, undemokratisch und sinnlos bezeichnet wurde, ist sie für die Gegner der Initiative eine Notwendigkeit für einen funktionierenden und sicheren Staat. Neben der Debatte über den Einfluss des Militärs auf veraltete Rollenbilder wurde sehr stark auch die Frage thematisiert, ob das Ziel der Initiative einzig und allein die Abschaffung der Milizarmee sei.

Positionen klar bezogen

Trotz der hitzigen Debatte hatte sich ein Grossteil des Publikums ihre persönliche Meinung bereits vor Diskussionsbeginn gebildet. Die Kantonsschüler sprachen sich nämlich fast ausschliesslich für die Initiative aus. Dies äusserte sich auch dadurch, dass armeekritische Aussagen jeweils frenetischem Applaus ernteten.

Als Gegner der Initiative hatte Yatin Shah einen sehr schweren Stand, was ihn jedoch nicht aus dem Konzept brachte: «Ich war selbst an der Kanti und kenne deshalb die dort vorherrschende Mentalität. Natürlich wusste ich, dass das Publikum nicht unbedingt auf meiner Seite sein würde, aber auch das gehört zur Politik.» Die bei den Schülern vorherrschende Meinung konnte man auch aus den zahlreichen Wortmeldungen immer wieder heraushören.

Themenwechsel bemängelt

Vom Publikum bemängelt wurden vor allem die häufigen und für die Diskussion oftmals nicht relevanten Themenwechsel. «Es war eine sehr spannende und interessante Debatte», sagt Schülerin Laura Matter, «jedoch empfand ich sie teilweise als etwas oberflächlich. Ich habe mir ehrlich gesagt mehr Tiefgang und stichfestere Argumente erhofft. Trotzdem finde ich, dass man solche Anlässe häufiger durchführen sollte.»

Dieser Meinung ist auch Organisator Heutschi: «Wir sind sehr zufrieden mit dem Anlass und wollen solche Events in Zukunft wiederholen.»