Wohlen

Kantischüler haben nur einen Franken Monatslohn, dafür viel Erfahrung

Die Mitglieder des Miniunternehmens Grab-!t an der European Trade Fair im lettischen Riga. zvg

Die Mitglieder des Miniunternehmens Grab-!t an der European Trade Fair im lettischen Riga. zvg

Acht Schüler der Kanti Wohlen wurden als bestes Miniunternehmen der Nordwestschweiz ausgezeichnet und durften sich in Riga einem internationalen Publikum präsentieren. Sie stellen das Gesellschaftsspiel Grab-!t her.

«Wir bringen Sie wieder mit Ihren Mitmenschen zusammen», verspricht das Team von Grab-!t auf seiner Website. Das Produkt ist aber kein Beziehungsratgeber, sondern ein Gesellschaftsspiel, in dem es um Reaktion und Geschwindigkeit geht.

«In Zeiten, wo viele Leute am PC oder mit dem iPhone spielen, wollten wir sie zurück an einen Tisch bringen», sagt Silas Müller. Er ist einer von acht Mitgliedern des Miniunternehmens, das Grab-!t entwickelt und vermarktet.

Grab-!t

Grab-!t

Das Team der Kanti Wohlen wurde als bestes Miniunternehmen der Nordwestschweiz ausgezeichnet und durfte sich deshalb an der European Trade Fair einem internationalen Publikum präsentieren. Vier Schweizer Teilnehmer durften an die Messe nach Riga.

In der Schweiz hergestellt

Das Spiel ist simpel aufgebaut und richtet sich an zwei bis acht Spieler (siehe Kasten). Die Entwicklung brauchte aber ihre Zeit. «Wir haben Ideen aus unterschiedlichen Spielen zusammengesucht», sagt Manuela Burkard, die für den Einkauf des Rohmaterials und die Produktion zuständig ist.

Als die Grundidee stand, mussten die Kantischüler eine geeignete Produktion aufziehen – nicht ganz einfach, denn das Spiel sollte vollständig in der Schweiz hergestellt werden.

Es besteht aus einem Bündel Karten, einem hölzernen Ausrufezeichen und einem Stoffsäckli als Verpackung. Die Stoffsäckli werden von einer Mutter gegen Bezahlung genäht.

Eine Firma in Villmergen, die eigentlich auf Metallbau spezialisiert ist, formt aus Holzstangen die Ausrufezeichen, diese werden von den Schülern bemalt.

«Die meisten Firmen wollten für die Herstellung der Ausrufezeichen um die 50 Franken pro Stück – dann hätten wir das Spiel aber unmöglich zu einem annehmbaren Preis verkaufen können», erläutert Burkard.

Einen Franken Monatslohn

Die Arbeit der Kantischüler findet im Rahmen des Projektunterrichts statt. Die verschiedenen Miniunternehmen werden nicht nur von den Lehrern, sondern auch von Young Enterprise Switzerland (YES) bewertet, die auch die Gewinner aus den Regionen kürt.

«Was für ein echtes Unternehmen der Staat ist, ist für uns YES», erklärt Müller.

Die Schüler müssen auch einen Teil des Gewinns als eine Art AHV abliefern, und sie müssen sich Löhne ausbezahlen. Diese sind bescheiden: «Wir haben einen Franken Monatslohn», sagt Burkard.

Es gehe nicht darum, mit einem Produkt reich zu werden. «Wir können viel Erfahrung sammeln und einiges in Sachen Unternehmensführung und Marketing lernen.» Auch die Kontakte, die sie an den Messen knüpfen konnten, seien wertvoll, so Burkard.

Das Projekt wird im Sommer abgeschlossen. Dann wird den Investoren ihre Dividende ausbezahlt. Ob das Spiel danach noch weiter produziert wird, steht noch nicht fest.

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