Wohlen
Kanti Wohlen verbietet Flugreisen nicht – Schulleitung will den Schülern die Wahl lassen

Andere Kantonsschulen haben generelle Flugverbote für Reisen der Schule ausgesprochen – Wohlen setzt auf Eigenverantwortung der Schüler.

Andrea Weibel
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Im Januar wurden in der Kanti Wohlen Klimawandel-Sitzstreiks veranstaltet – jetzt können die Schülerinnen und Schüler zeigen, ob sie aufs Fliegen verzichten wollen.

Im Januar wurden in der Kanti Wohlen Klimawandel-Sitzstreiks veranstaltet – jetzt können die Schülerinnen und Schüler zeigen, ob sie aufs Fliegen verzichten wollen.

Johanna Lippuner

Der Klimawandel ist ein grosses und wichtiges Thema, nicht nur, aber besonders bei jungen Leuten. Viele weigern sich mittlerweile, Reisen mit dem Flugzeug anzutreten, um die Umwelt nicht noch mehr zu belasten. Gerade in Kantonsschulen verlangen Schüler, dass Flugreisen verboten werden. Ein Verbot wurde beispielsweise in der Alten Kanti Aarau – mit Ausnahmen – eingesetzt.

In der Kanti Wohlen jedoch nicht. «Wir haben das ausführlich diskutiert», sagt Rektor Matthias Angst. «Grundsätzlich unterstützen wir es, wenn Schülerinnen und Schüler nicht das Flugzeug nehmen wollen. Jedoch wollen wir nicht mit Verboten agieren, sondern sie mitentscheiden lassen.» In der Kanti Wohlen wird das so gehandhabt, dass für Bildungs- und Schwerpunktfachreisen, Klassenaustausch und so weiter die Lehrpersonen verschiedene Vorschläge machen und die Schüler dann aussuchen können, welches Angebot sie nutzen möchten.

Flugreisen haben auch ohne Verbot abgenommen

«Wir haben festgestellt, dass die Nachfrage nach Flugreisen abgenommen hat», sagt Angst. «Allerdings geht eine unserer Bildungsreisen nach Edinburgh, dorthin fliegen die Teilnehmer eben trotzdem.» Die allermeisten Bildungsreisen gehen aber in Städte wie Prag, Budapest oder Wien, wo man gut mit dem Zug hinkommt.

Auch beim Klassenaustausch, bei dem in diesem Jahr Klassen aus Belgien, Dänemark und Polen die Wohler Klassen besuchen und einladen, können die Klassen wählen, wie sie anreisen wollen.

Die Kanti Wohlen ist eine Unesco-assoziierte Schule, und in den Zielen der Unesco ist unter anderem die Nachhaltigkeit bezüglich Ökologie, Ökonomie, Menschenrechte und auch Klima verankert. «So zeichnet unser Unesco-Team verschiedene Projektwochen und Bildungsreisen aus, zum Beispiel Naturschutzwochen oder oder Reisen zu Unesco-Welterbestätten, die natürlich nicht per Flugzeug durchgeführt werden. Auch das kann für die Schüler einen Anreiz schaffen, bei der Reise auf das Flugzeug zu verzichten.» Angst betont: «Ich bin überzeugt, dass ein generelles Flugverbot falsch wäre, denn Veränderung muss von innen her kommen.»

«Schon lange vor Greta ein Thema»

bbz Freiamt

Auch in der Berufsschule bbz Freiamt in Wohlen gibt es kein Flugverbot. «Das fänden wir nicht richtig», so Rektor Philippe Elsener. Im bbz gibt es aber weniger Reisen als in der Kanti. «Sprachreisen vermitteln wir zwar, sie werden aber von einem externen Büro durchgeführt. Aus logistischen Gründen fliegen sie meist sowohl nach England als auch nach Südfrankreich.» Dies sei auch sicherer als per Car. «Aber», ist Elsener wichtig, «bereits vor etwa 15 Jahren haben wir die Schüler ermuntert, Diplomreisen nicht ins Ausland, sondern in der Schweiz zu unternehmen. Das war bei uns also lange vor Greta ein Thema.» Mittlerweile gibt es diese Diplomreisen nicht mehr. (aw)

Chorreise im Februar nach Norwegen – per Zug

Bei einer Reise hat aber doch die Schulleitung zusammen mit den Lehrpersonen beschlossen, dass sie per Zug durchgeführt wird: beim Choraustausch nach Norwegen. «Es ist ein anspruchsvolles Ziel, denn per Flugzeug könnte man sehr viel Zeit sparen und hätte viel weniger logistischen Aufwand, um die rund 50 bis 70 Chormitglieder mitten im Februar in den kalten Norden zu bringen», ist Rektor Angst klar. «Allerdings finden die Choraustausche seit Jahren per Bahn oder Car statt, denn allein schon die intensive Reise selbst ist ein wichtiger Teil der Erfahrung und schweisst den Chor nochmals enger zusammen.» Es geht nach Tynset, etwa 300 Kilometer nördlich von Oslo. «Ein richtig nordisches Erlebnis», freut sich der Rektor für den Chor.