Wohlen
Kanti Theater: Zum 50. Geburtstag gibts Shakespeare

Die Theatergruppe der Kanti bringt eine moderne Fassung des «Sommernachtstraums» in die Aula. Es entstand eine spezielle Version des Klassikers, die zum Nachdenken anregt.

Andrea Weibel
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Zum 50. Geburtstag der Kanti Wohlen führt die Theatergruppe unter der Regie des ehemaligen Schülers Andreas Bürgisser (vorne) Shakespeares «Sommernachtstraum» in moderner Form auf.

Zum 50. Geburtstag der Kanti Wohlen führt die Theatergruppe unter der Regie des ehemaligen Schülers Andreas Bürgisser (vorne) Shakespeares «Sommernachtstraum» in moderner Form auf.

Andrea Weibel

Nur jene dürfen und müssen sich verlieben, die laut Computer perfekt zueinander passen. So einfach geht das in der Kanti Wohlen. Zumindest auf der Bühne der Theatergruppe, die in moderner Form zeigt, was Shakespeare schon vor knapp 500 Jahren wusste: «Man kann in der Liebe zwar agieren, sich heutzutage per Computer den besten Partner berechnen lassen und mit Experten-Tricks nachhelfen, aber am Ende ist man ihr dennoch komplett ausgeliefert», fasst Andreas Bürgisser, Regisseur und ehemaliger Schüler der Kanti Wohlen, die Essenz des Theaters zusammen – vielleicht doch in etwas anderen Worten, als sie Shakespeare gewählt hätte.

Zum 50. Geburtstag der Kantonsschule sollte nicht irgendein Stück gespielt werden. Ausserdem ist es die zehnte grössere Theaterproduktion der Kanti Wohlen. Da sollte etwas Spezielles auf die Bühne. Ein Werk von Weltformat, auf das Leben in der Kanti heruntergebrochen, also auf die «Sturm-und-Drang-Zeit», wie es Bundesrätin Doris Leuthard anlässlich des Auftakts des Kanti-Jubiläumsjahres vor wenigen Tagen nannte. Und welches Stück passt da besser als der «Sommernachtstraum», die grosse Komödie von William Shakespeare rund um die Liebe?

Von Theseus zum Bachelor

In Absprache mit den beiden Produktionsleitern, den Deutschlehrpersonen Patricia Farahmand und Franco Loher, entschied sich Regisseur Bürgisser, der selber vor Jahren im Kantitheater mitgespielt hat, für die moderne Stück-Version des Schauspielhauses Zürich. «Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern habe ich dann in langen Diskussionen die Sätze und Szenen herausgefiltert, die ihnen darin am wichtigsten sind. Alles andere habe ich rausgestrichen.»

So entstand eine an William Shakespeare angelehnte Komödie, die zum Nachdenken anregt – die vor allem aber auch auf die moderne Art der Liebe und des Sich-Verliebens anspielt. Es treffen sich Bachelor, Internet-Datings und König Theseus, der seinen Untertanen je nach «Matches» befiehlt, sich zu verlieben. Und das alles im Versmass, versteht sich.

«Eine so grosse Theaterproduktion gab es an der Kanti noch nie», freut sich Franco Loher, der ab der zweiten grösseren Produktion (1990) in der Theaterleitung mitarbeitete. «53 Schülerinnen und Schüler von der zweiten bis zur vierten Klasse, dazu fünf Personen, die für Regie, Bühne, Musik und Produktion verantwortlich sind, das gab es noch nie.» Doch fürs grosse Jubiläum durfte auch das Theaterbudget etwas höher ausfallen.

Ein weiterer Rekord ist zu verzeichnen: Noch nie hatte eine Kanti-Theateraufführung so viele Mitwirkende, die als Schauspieler auf der Bühne stehen wollten. «Über 30 der 53 meldeten sich dafür an. Da brauchte es natürlich ein Stück, bei dem das überhaupt möglich ist», erklärt Loher. Auch hier konnten sie auf den Ideenreichtum des Regisseurs zurückgreifen: «Er hat die Rollen jeweils mehrfach besetzt. So stehen für eine Rolle manchmal drei bis vier Schauspielerinnen gleichzeitig auf der Bühne. Dadurch kann die Psyche der Figuren verdeutlicht werden. Es ist sehr spannend», freut sich Farahmand.

7 von 53 sind Männer

Seit einem halben Jahr proben die Kantischülerinnen – nur 7 der 53 Theaterbegeisterten sind Männer – gemeinsam für das Projekt. Die letzten zwei Wochen bekamen sie zudem unterrichtsfrei, damit sie sich komplett dem Theater widmen konnten. «Es ist sehr spannend, über seinen eigenen Schatten zu springen, sich in eine neue Figur hineinzuversetzen und sich auch einmal vor allen zur Schau zu stellen», findet Nicolas Hofmann (19), der den Bachelor «Schnauz» spielt. Seine Kollegin Ursina Ochs (19), die die Titania mimt, sagt zwar, dass man während der Proben eben viel warten müsse, aber «es ist mega speziell und macht Freude», fasst sie zusammen.

Ehemalige am Ruder

Ein Anliegen der Schule war es, zum Jubiläum auch ehemalige Absolventen der Kanti mit ins Theater einzubinden. So war es ein schöner Zufall, als Loher an einer Weiterbildung vor zwei Jahren zufällig mit dem Theaterpädagogen, freischaffenden Regisseur und Schauspieler Andreas Bürgisser ins Gespräch kam, als die ersten Ideen fürs Stück gerade zusammenliefen.
«Es war ein Glücksfall, dass wir uns getroffen haben und er auch noch Zeit und Lust hatte, mit uns zu arbeiten.» Und auch die Musik stammt von einer Ehemaligen: Die junge Jazzsängerin Daniela Larkin Botti, die für sämtliche Stücke verantwortlich ist und heute Gesang an der Alten Kanti Aarau unterrichtet, schloss die Kanti Wohlen 2004 ab, im selben Jahr wie Bürgisser.

Ein grosses Stück, eigens für die Kanti im grossen Stil bearbeitet – ein würdiges Geburtstagsgeschenk für die Kanti, die schon ein halbes Jahrhundert lang besteht.

Drei Vorstellungen am 18./19./20. März, jeweils 20 Uhr, Aula Kanti Wohlen