Zum 50-Jahr-Jubiläum hat sich die Kantonsschule Wohlen einen lange gehegten Traum erfüllt: Sie ist jetzt stolze Besitzerin eines B-Flügels. Zur Erklärung: Unter den Flügeln gibt es Abstufungen von A (günstigstes Modell) bis D (exquisitestes Konzertmodell). Bisher verfügte die Kanti über zwei A-Flügel, doch der Konzertflügel in der Aula kam langsam an seine Grenzen.

Dafür leuchten die Augen der Klavierlehrpersonen, wenn sie vom neuen Instrument in der Aula sprechen – obwohl vermutlich jeder von ihnen ein mindestens ebensogutes Instrument zu Hause stehen hat. «Der Unterschied zum A-Flügel ist die Vielfalt der Farben, Nuancen und die reichere Klangkultur», sagt Klavierlehrer Alex Shinn. «Man hat viel mehr Möglichkeiten, wo man mit dem A-Flügel doch eher eingeschränkt gewesen ist. Und der neue Flügel hat einen fulminanten Bass», schwärmt er, und Klavierlehrerin Bernadette Soder stimmt ihm zu.

«Rolls-Royce unter den Flügeln»

Beim neuen Flügel handelt es sich um einen Steinway, einen «Rolls-Royce unter den Flügeln», wie sich Rektor Franz Widmer ausdrückt. Doch wie kann sich die Kanti einen solchen Flügel, der neu rund 130 000 Franken kostet, überhaupt leisten? «Wir hatten sehr viel Glück», erklärt Widmer. «Wir haben kürzlich das gesamte Calatrava-Haus mit LED-Leuchten bestückt, dafür haben wir einen Sonderkredit des Kantons erhalten. Weil nicht sicher war, ob dieser Kredit auch reichen würde, falls Unvorhergesehenes dazukäme, waren wir verpflichtet, eine gewisse Summe beiseitezulegen.»

Klavierlehrpersonen Bernadette Soder und Alex Shinn spielen Ravels «Rapsodie espagnole» auf dem neuen B-Flügel der Kanti Wohlen.

Klavierlehrpersonen Bernadette Soder und Alex Shinn spielen Ravels «Rapsodie espagnole» auf dem neuen B-Flügel der Kanti Wohlen.

Doch der Sonderkredit reichte. «Da überlegten wir uns, wie wir diese Summe, die wir nicht gerade für etwas sehr Dringendes brauchten, am besten einsetzen könnten.» Gleichzeitig entdeckten die Klavierlehrpersonen ein Inserat für einen 1½-jährigen Vorführ-B-Flügel, der wenig gespielt worden war, dennoch aber nur noch 90 000 Franken kostete. «Wir fanden, auf unser Jubiläumsjahr hin wäre das eine ideale Gelegenheit», so Widmer.

Also fuhren mehrere Klavierlehrer nach St. Gallen, um sich das Instrument anzuhören, «denn Flügel ist nicht gleich Flügel, wie ich gelernt habe», hält der Rektor fest. Mehrere Tage lang war ein Fachmann anschliessend an der Kanti, um das Instrument zu stimmen und genau auf die Aula abzustimmen. Auch erhielt der Flügel ein eigenes, rollbares Podest, da man ihn nicht wie den A-Flügel herumtragen sollte. Und es wurde ein Nutzungsplan ausgearbeitet, denn der neue Flügel soll kein Probeinstrument sein, was ihn schnell abnützen würde, sondern lediglich als Konzertflügel benutzt werden dürfen.

«Wir hatten riesiges Glück, ein so gutes Angebot für ein so gutes Instrument zu erhalten», ist Alex Shinn zufrieden. So kam die Kanti Wohlen also zum wohl wertvollsten Instrument in einem öffentlichen Raum in ganz Wohlen. Nicht im ganzen Freiamt, denn «mindestens das Künstlerhaus Boswil besitzt zwei D-Flügel», weiss Widmer. «Welche Schätze hingegen in privaten Häusern stehen, vermögen wir nicht abzuschätzen.»