Wohlen

Kanti fördert Kultur-Atmosphäre

Markus Häni (links) und Stephan Diethelm im Kulturpalast der Kanti Wohlen. ian

Markus Häni (links) und Stephan Diethelm im Kulturpalast der Kanti Wohlen. ian

Am 3. Juni feiert das Kantiforum Wohlen seinen 30. Geburtstag – mit der Uraufführung von «Atmosphären III»

Als das Kantiforum am 27. Mai 1988 aus der Taufe gehoben wurde, hatten die Vereinsgründer zwei Hauptanliegen: Sie wollten einerseits das kulturelle Leben in der Region fördern und unterstützen, andererseits den ehemaligen Schülern einen Ort und gute Anlässe bieten, um sich wiederzusehen. Da es keine eigene Ehemaligenvereinigung der Wohler Kantonsschüler gibt, treffen sich viele Ehemalige seither an den 22 Veranstaltungen, die das Kantiforum jedes Jahr durchführt.

«Wir haben an dieser Schule ganz klar einen kulturellen Anspruch an unsere Schüler», erklärt Lateinlehrer Markus Häni, der zusammen mit einer Ehemaligen, Fabienne Meyer, seit 2017 das Co-Präsidium des Kantiforums inne- hat. «Deshalb wollen wir immer Programme zusammenstellen, die zwar anspruchsvolle Kleinkunst bieten, die aber auch bezahlbar sind und einen Schulbezug haben.» Das heisst, dass jede Darbietung des Kantiforums entweder einen thematischen Bezug zu aktuellen Schulstoffen hat oder dass die Schüler selber in oder an den Aufführungen beteiligt sind.

Zufälliges Geschenk zum 10.

Das gilt vor allem für die sehr beliebten Chorkonzerte und die Serenaden. Aus Anlass einer eben solchen, hat der Schlagzeuglehrer Stephan Diethelm vor 20 Jahren ein Stück komponiert, das alle Instrumentalisten und Sänger der Kantonsschule zu einem einzigen, grossen Klangkörper vereinigte. «Atmosphären I» hiess das Stück, das 1998, zufällig am 10. Geburtstag des Kantiforums, uraufgeführt wurde. Die Reaktionen des Publikums waren so positiv, dass Diethelm zehn Jahre später, zum 20. Kantiforum-Geburtstag, nachdoppelte mit «Atmosphären II». Wieder war die Kanti proppenvoll und das Publikum begeistert.

So lange wie eine Lektion

Dieses Jahr kann der unermüdliche Kulturverein, der, dank treuen Sponsoren und ebensolchen Mitgliedern, mit sehr bescheidenem Budget und umso mehr Freiwilligenarbeit einen wertvollen Beitrag an das Kulturleben in der Region leistet, seinen 30. Geburtstag feiern. Was lag da näher, als Stephan Diethelm noch ein drittes Mal um einen Beitrag zu bitten? «Die ersten Teile hatte ich kurz nach den Herbstferien fertig», erzählt der Komponist. «Bis Weihnachten hatten die meisten Ensembles ihre Stücke. Die Intermezzi habe ich vor drei Tagen beendet.» Womit schon einiges über «Atmosphären III» gesagt ist. Das ganze Werk besteht aus neun Teilen à je fünf Minuten Spieldauer. «Fünf Minuten sind die Zeitspanne, während derer sich ein Mensch konzentrieren kann», erklärt Diethelm, «darum soll auch das Publikum immer fünf Minuten dranbleiben können.»

Der erste Teil ist ein Solo, der zweite ein Duett, der dritte ein Trio und so weiter bis zum Nonett am Schluss. «Alle Teile zusammen ergeben 45 Minuten Musik. Das ist genau die Dauer einer Schullektion», erläutert Diethelm weiter. Und weil es auch in der Schule immer wieder Pausen gibt, hat der Atmosphärenschaffer zwischen alle Teile je ein einminütiges Intermezzo komponiert, das mit Stimme (Stefan Vock), Klängen (Simon Huber/Stephan Diethelm) und Karate (Léane Suter/Lukas Brändle) ganz unerwartete akustische und visuelle Reize bietet. Dabei werden Katas, einzelne Karatetechniken in einem streng definierten Ablauf, zur Musik gleichsam getanzt. «Das wird im Laufe des Stücks und zusammen mit den immer grösser werdenden Ensembles eine fast orgiastische Steigerung», sagt Diethelm und hebt dabei die Hände zum Himmel.

Musik unserer Zeit

Nach dem Stil seiner Musik befragt, hebt der Profirhythmiker die Augenbrauen: «Ich bin kein Purist. Es ist weder moderne Klassik noch Jazz oder sonst eine bekannte Stilrichtung. Es ist einfach Musik unserer Zeit.» Diese Musik beginnt mit einem Posaunensolo (Xaver Sonderegger) auf das ein Klavierduo, ein Trio mit Blockflöten und Klavier, ein Streichquartett, ein Blechbläserquintett, ein Vokalsextett, ein Jazz-Septett, ein Orchester-Oktett und schliesslich ein Nonett mit Chor und Orchester folgen. Weil die letzten beiden «Atmosphären» so viele Zuhörer angelockt haben, wird Atmosphären III an der Jubiläumsfeier des Kantiforums, am 3. Juni, zweimal aufgeführt, um 17 und um 20 Uhr, im Rondell der Kanti Wohlen. Dazwischen spendiert der Verein seinen Mitgliedern und Gönnern ein Geburtstagsessen in der Aula.

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