Hägglingen

Kandidatin für die Schulpflege steht der Scientology nahe

Ist die CVP-Kandidatin für die Schulpflege in Hägglingen Mitglied von Scientology?

Ist die CVP-Kandidatin für die Schulpflege in Hägglingen Mitglied von Scientology?

Die CVP-Kandidatin für die Schulpflege sagt nicht, ob sie Scientology-Mitglied ist. Ein Sektenexperte findet dies schwierig.

Zwei Kandidaten kämpfen in Hägglingen, um die Wahl in die Schulpflege. Ein Mann und eine Frau. Kurz vor der Wahl vom Sonntag fragt man sich im Dorf: Kandidiert mit der CVP-Kandidatin ein Mitglied der Scientology für das Amt?

Ihr Glaube wird in zwei Leserbriefen in der Lokalzeitung «Echo vom Maiengrün» aufgenommen. Einerseits von Eugen Trost, der sich über die fehlende Kommunikation der CVP irritiert zeigt. «Es scheint mir schon massgebend, dass die Wählerinnen und Wähler darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass die zur Wahl Vorgeschlagene der Scientology Kirche angehört.»

Der zweite Leserbrief ist von der Kandidatin selber. Sie hat ihn ohne Kenntnis von Trosts Leserbriefs verfasst. Sie schreibt: «Aus einigen Ecken ist mir zu Ohren gekommen, dass ich einer anderen Religion angehöre und dies nicht im Einklang mit dem Amt der Schulpflege harmonieren könne. Gerne möchte ich Ihnen, liebe HägglingerInnen mitteilen, dass Sie keine Bedenken haben müssen.»

«Der Glaube ist für mich Privatsache»

Ob sie tatsächlich der Scientology-Kirche angehört, schreibt sie nicht. Lediglich: «Ich wurde christlich geboren und wurde nach dem Christentum erzogen. Meine Religion ist im Einklang mit den Werten, die das Christentum vertritt.»

Als die AZ sie zum Gespräch trifft, macht sie klar, dass sie kein Interesse hat, ihre Religion öffentlich zu diskutieren. «Der Glaube ist für mich Privatsache», sagt sie und verweist auf die Religionsfreiheit. In Schulpflege spiele der Glaube keine Rolle. «Ich kandidiere ja nicht für eine Stelle als Religionslehrerin, sondern für ein Amt in der Schulpflege.» Wichtig ist ihr: «Ich will niemanden zu meinem Glauben bekehren, den ich nun seit 33 Jahren ausübe.»

Was sie in der Schulpflege erreichen wolle, sei nur, «dass Lehrer wie Kinder mit einem Lächeln das Schulhaus betreten». Und sie wolle «die bereits hervorragende Arbeit der Primarschule am Maiengrün in Hägglingen weiterführen.» Ihre Motivation: Ihre Enkel besuchen die Schule.
Ihre eigenen drei Kinder, die mittlerweile erwachsen sind, gingen hingegen auf eine Privatschule ‑ auf die «Ziel»-Schule in Zürich.

Das Spezielle an dieser Schule: Hier wird nach den Lernmethoden von L. Ron Hubbard unterrichtet, dem Gründer von Scientology. Die Schulverantwortlichen werden nicht müde, in Medienbeiträgen zu betonen, dass die Schule nicht der Scientology-Kirche angehört. Es ist aber Fakt, dass hier die meisten Lehrer Scientology angehören und dass es vor allem Scientologen-Familien sind, die hier ihre Kinder zur Schule schicken, wie Sektenexperte Georg O. Schmid erklärt.

Scientology-Mitgliedschaft sollte offengelegt werden

Schmid, der Leiter der Informationsstelle Relinfo.ch, sagt auf Anfrage der AZ: «Wenn ein Mitglied von Scientology in die Schulpflege will, stellt sich die Frage nach dem Warum. Will es die Schule nach der Lehre von Hubbard umgestalten?» Die Kandidatur eines Scientology- Mitglieds für die Schulpflege findet Georg O. Schmid deshalb nicht unproblematisch.

«Unschön ist es auch, wenn Mitgliedschaften in umstrittenen Gemeinschaften wie Scientology vor den Wahlen verschwiegen werden. Scientology will die Gesellschaft und deren Schulwesen umgestalten. Wenn eine kandidierende Person einer Gemeinschaft mit solch weitgehenden Zielen angehört, ist es wichtig, dass die Wählenden dies erfahren.»

Ohnehin fände er es hilfreich, wenn Personen, die sich für ein Amt aufstellen lassen, ihre Religion und Weltanschauung offenlegten. Bei umstrittenen Organisationen sei dies besonders wichtig. «Nicht umsonst wird Scientology in deutschen Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet.»

Partei stärkt ihrer Kandidatin den Rücken

Der Vorstand der CVP Hägglingen unterstützt ihre Kandidatin weiterhin. Man wisse über ihren Glauben Bescheid, sagt Adrian Engel, der Präsident der Ortspartei. «Die Thematik wird jetzt hochstilisiert», sagt er. «Wenn jemand römisch-katholisch ist, wird dies auch nicht kommuniziert», argumentiert er.

Man habe im Vorfeld über die relevanten Dinge informiert. Etwa, dass sie seit 25 Jahren in der Hächle-Zunft mitmacht und im Dorf gut vernetzt ist. «Wir kennen sie gut. Wir wissen, dass sie nicht missioniert. Und wir wissen, dass sie die Richtige für die Schulpflege ist», sagt Engel.

Zurück zur Schulpflege-Kandidatin. Sie ist erstaunt, dass ihr Glaube zum Thema gemacht wird. Sie spricht von einem Angriff auf ihre Person. Von Menschen, die sie gar nicht kennen würden. Die Hägglingerin bedauert, dass jene, die ein Problem mit ihrer Religion haben, nicht direkt das Gespräch mit ihr gesucht haben. «Ich empfinde die jetzige Diskussion als diskriminierend.»

Verwandte Themen:

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

Meistgesehen

Artboard 1