Gemeinderatswahlen
Kandidaten-Mangel in Bünzen: Niemand will Ammann werden

Um das Amt von Ammann Marlise Müller reisst sich niemand, und auch Gemeinderatskandidaten sind rar – für die fünf Sitze bewerben sich nur drei Personen.

Eddy Schambron
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Gemeindeammann Marlise Müller wird es vermissen, oben am Gemeinderatstisch von Bünzen zu sitzen. Eddy Schambron

Gemeindeammann Marlise Müller wird es vermissen, oben am Gemeinderatstisch von Bünzen zu sitzen. Eddy Schambron

Eddy Schambron

In Bünzen steht keine Kandidatin oder kein Kandidat für das Amt des Gemeindeammanns zur Verfügung. Ausserdem bewerben sich nur drei Personen für die fünf Sitze im Gemeinderat. Dabei hat die jetzige Amtsinhaberin, Marlise Müller, frühzeitig wie sonst niemand bekannt gegeben, nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten. Müller hat drei Amtsperioden hinter sich; sie wurde schon nach zehn Monaten im Amt als Gemeinderätin zur Frau Gemeindeammann.

Frau Müller, weshalb haben Sie so früh bekannt gegeben, dass Sie nicht mehr zur Wiederwahl antreten?

Marlise Müller: Ich fand es wichtig, dass meine Kollegen und die Bevölkerung das frühzeitig wussten. Drei Amtsperioden sind genug, ich bin keine Sesselkleberin. Abgesehen davon schadet es nicht, wenn wieder einmal frischer Wind reinkommt.

Könnte ein Grund für die frühe Ankündigung auch der gewesen sein, viel Zeit für die Suche nach einer Nachfolgerin/einem Nachfolger einzuräumen?

Ja, sicher. Aber die bisherigen Gemeinderatsmitglieder beurteilen den Zeitaufwand, den dieses Amt mit sich bringt, für sich persönlich als zu hoch. Es ist auch schwieriger geworden, die nötige Zeit zu finden. Anders als früher sind Arbeitgeber heute nicht mehr so grosszügig, Zeit für ein solches Amt einzuräumen. Mit dieser Tatsache ist man ja beispielsweise auch beim Militär konfrontiert.

Ist das Amt des Gemeindeammanns denn wirklich so zeitintensiv?

Ja, schon. Aber es ist nicht nur die Zeit, die einen belastet. Man braucht ein dickes Fell. Man steht stark in der Öffentlichkeit. Kritik kommt schnell. Der Ton ist rauer geworden. Ob man das will, muss man sich schon gut überlegen. Man kann es eben nicht allen recht machen.

Haben Sie das dicke Fell überhaupt? Oder haben Sie es sich erst wachsen lassen müssen?

Ich habe es (lacht). Ganz am Anfang hatte ich noch schlaflose Nächte. Man kommt in das Amt und ist vollkommen neu. Man kann es nicht lernen. Ganz am Anfang ist man darum auch unsicher. Vielleicht entwickelt man als Frau zudem den Anspruch, es besonders gut zu machen. Aber ich konnte immer von einer sehr guten Verwaltung profitieren.

Lohnt es sich denn, Gemeindeammann zu werden?

Es ist das schönste Amt. Man hat zwar nicht mehr viel Spielraum, aber man ist im Dorf verankert, kennt die Leute, hat auch viele gute Erfahrungen und Begegnungen. Ich möchte die Zeit als Gemeindeammann nicht missen.

Haben Sie damit gerechnet, dass niemand Ihre Nachfolge antreten will?

Ein bisschen befürchtet, das schon. Aber ich bin trotz allem etwas erstaunt. Da wurde man kritisiert, da wurde behauptet, ich hätte Haare auf den Zähnen. Jetzt wäre doch die Gelegenheit, anstatt zu kritisieren, selber einzusteigen. Klar war für mich immer, dass ich meine Nachfolge nicht selber suche.

Um das Amt als Gemeinderat bewerben sich die drei bisherigen Peter Huber, Patrick Rüttimann und Marcel Egg. Wie geht es weiter?

Nach den Wahlen gibt es eine Nachfrist, während der man zehn weitere Stimmen suchen kann. Dann sind vielleicht zwei zusätzliche Personen mit zehn Stimmen drin im Gemeinderat, ausser es kommt ein dritter, dann gibt es eine Kampfwahl. Und dann müssen sie halt schauen, wer den Ammann macht.

Kann man sagen: Wer Ihre Nachfolge übernimmt, macht das zu einem guten Zeitpunkt?

Ja. Wir haben im Gemeinderat ein sehr gutes Verhältnis untereinander. Auch mit der Verwaltung klappt alles perfekt. Wir haben im Moment nicht gerade riesengrosse Geschäfte anstehend oder heftige Kontroversen, die die Arbeit schwierig machen würden.

Werden Sie es vermissen, künftig nicht mehr hier oben am Gemeinderatstisch zu sitzen?

Ja, keine Frage. Ich bin nicht amtsmüde. Ich machte dieses Amt gerne, ich habe viel darin investiert. Es gab während all den Jahren viele interessante Einblicke und schöne Begegnungen. Ich muss aber auch meinen Kollegen danken, wir haben es gut gehabt miteinander.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden

Gut. Je näher die Gemeinde, desto stärker die Zusammenarbeit. Auch der Austausch unter Amtskollegen, zum Beispiel in der Gemeindeammänner-Vereinigung, ist regelmässig und sehr gut.

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