Nationalratswahl

Kandidaten blieben brav — Zündstoff brachte nur der Kabarettist

Markus Dietschi, Nicole Müller-Boder, Daniel Käppeli, Moderator Thomas Kron, Silvan Hilfiker und Jürg Caflisch (von links) am überparteilichen Nationalrats-Podiumsgespräch.

Markus Dietschi, Nicole Müller-Boder, Daniel Käppeli, Moderator Thomas Kron, Silvan Hilfiker und Jürg Caflisch (von links) am überparteilichen Nationalrats-Podiumsgespräch.

Fünf Themen, fünf Meinungen am überparteilichen Podiumsgespräch in Muri zu den Nationalratswahlen. Wer sich aber eine Auseinandersetzung wünschte, wurde enttäuscht.

Er nehme einmal an, dass alle, die einem jetzt am Strassenrand ab Plakat zulächeln, es gut mit uns meinen. «Aber nicht bei allen, die die Zähne zeigen, ist es ein Lächeln.» Und: «Es ist im Leben doch wie beim Monopoly: Wenn du am Anfang Glück hast, hast du gewonnen».

Das waren vielleicht die bissigsten Aussagen am überparteilichen Podium zu den Nationalratswahlen in Muri, geäussert nicht von einem Politiker, sondern vom Kabarettisten Philipp Galizia. Das von den Murianer Bezirksparteien organisierte und von Thomas Kron moderierte Gespräch ergab nicht mehr als grundsätzlich bekannte politische Positionen und schon gar keine politische Auseinandersetzung.

Die Standpunkte der fünf Nationalratskandidaten

Jürg Caflisch, SP, Baden, machte deutlich, dass für das Erreichen der gesteckten Klimaziele eine Wende in der Mobilität kommen muss. Das Angebot an öffentlichem Verkehr, in Stadt und Agglomerationen vorhanden, müsse so ausgebaut werden, dass der private Autobesitz auch auf dem Land mehr oder weniger überflüssig werde. Er zeigt sich eher skeptisch, ob die Elektromobilität für Einzelfahrzeuge längerfristig die richtige Lösung ist. «Aber bei grösseren Verkehrsträgern oder bei allenfalls autonom fahrenden Kleintaxis macht das Sinn».

Markus Dietschi, Grüne, Widen, redet nicht von Klimaerwärmung, sondern von Klimakollaps. «Das ist nicht politisch, das ist eine wissenschaftliche Aussage, bei der sich 97 Prozent aller Wissenschafter auf dieser Welt einig sind.» Bedeutend sei der ökologische Fussabdruck: Während die Weltbevölkerung ihr Jahresbudget an Ressourcen im August aufgebraucht hat, hätten wir Schweizer es bereits im April verbraucht. Er zeigte sich überzeugt, dass wir in der Lage sind, unsere benötigte Energie selber zu produzieren, mit Photovoltaik «und auch Windrädern auf dem Lindenberg».

Silvan Hilfiker, FDP, Oberlunkhofen, stellte fest, dass die Gesellschaft immer mehr auseinanderdriftet und sich spaltet. «Es braucht eine verbindende Politik.» Dazu seien generationengerechte Reformen nötig, etwa die Angleichung des Rentenalters von Mann und Frau, eine Entpolitisierung des Rentenalters und gleich lange Spiesse für die aktuelle und die neue Generation. Dazu beitragen könne eine Stärkung des dualen Bildungssystems. Schliesslich forderte er flexible Arbeitsmodelle. «Das Arbeitsgesetz stammt von 1964 und muss den neuen Verhältnissen angepasst werden.»

Daniel Käppeli, CVP, Merenschwand, betonte die notwendige Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Stromspeicherung, selbstfahrende Autos, Automatisierung bei Produktionsabläufen, Finanzwelt oder Medizin – die Digitalisierung greift in alle Bereiche ein. «Die Arbeitswelt verändert sich laufend, die Anforderungen steigen. In der Schweiz sind wir heute schon weit.» Entsprechend wichtig sei die Förderung und Pflege eines guten Bildungssystems, wenn es gilt, bei den Entwicklungen Schritt halten zu können.

Nicole Müller-Boder, SVP, Buttwil, ist Sicherheit ein grosses Anliegen. «Alle 13 Minuten geschieht ein Einbruch, die Delikte haben insgesamt 6 Prozent, die Gewalttaten sogar 19 Prozent zugenommen, allein 1100 Vorfälle pro Jahr sind im Asylbereich anzusiedeln.» Die häusliche Gewalt habe enorm zugenommen, acht Mal pro Tag würden Polizisten tätlich angegriffen. Es gelte, den Riegel zu schieben, etwa durch den Ausbau der Polizeikorps, durch höhere Strafen, durch konsequentes Ausschaffen von ausländischen Delinquenten.

Auch in der folgenden Diskussion und mit den Fragen aus dem Publikum kam keine Spannung auf. Dafür lockte der von den Bezirksparteien SVP, SP, FDP, CVP und Grüne gesponserte Apéro.

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