Wohlen

Kandidat Degischer: «Wir müssen lernen, besser zu wirtschaften»

Oliver Degischer beim Fototermin: «Ich bin selber Gruppenführer und Maschinist in der Feuerwehr.» aw

Oliver Degischer beim Fototermin: «Ich bin selber Gruppenführer und Maschinist in der Feuerwehr.» aw

Oliver Degischer (42, parteilos) will höhere Steuern mit Einsparungen und «bewusstem Verzichten» verhindern. Wie das gehen soll, erklärt er im Interview.

Oliver Degischer hat sich für den Fototermin das Wohler Feuerwehrmagazin ausgesucht. «Die Feuerwehr ist eine Organisation, in der über 100 Menschen freiwillig zusammenkommen, um ein dringendes Problem zu lösen. Unabhängig von politischer Couleur, Alter oder Herkunft. Das finde ich schön», sagt Degischer.

Herr Degischer, auf ihren Wahlplakaten steht: «Es geht auch ohne Steuererhöhung.» Sind sie sicher?

Oliver Degischer: Ja, wir müssen lernen, mit dem vorhandenen Ertrag noch besser zu wirtschaften. Jeder Haushalt oder jede Firma weiss, dass es der einfachste Weg wäre, eine Lohnerhöhung zu beantragen oder die Verkaufspreise zu erhöhen, wenn die Einkünfte nicht reichen. Damit ist das Grundproblem, die Kostenstruktur, aber nicht gelöst.

Wie wollen Sie verhindern, dass Wohlen die Steuern erhöhen muss?

Ich bin überzeugt, dass durch konsequentes und intelligentes Sparen und teilweise bewusstes Verzichten eine Steuererhöhung vermieden werden kann. Um dies abzuwenden, müssen die wiederkehrenden Kosten gesenkt werden. Der Nettoaufwand in Woh-
len steigt ungebremst, hier wurde in den letzten Jahren gesündigt.

Ein immer grösserer Teil der Ausgaben im Budget ist aber gebunden und kann von der Gemeinde gar nicht beeinflusst werden.

Natürlich sind viele Kosten vom Kanton an die Gemeinden überwälzt worden, doch kann die Schuld für die hohen laufenden Kosten nicht
abgestritten werden. Mit verschiedenen Begründungen sollen laufend neue Stellen geschaffen werden: Schulsozialarbeit, Aufstockung der Regionalpolizei, Gärtner im Islerpark sind Beispiele dafür. Zudem müssen in Wohlen überdimensionierte Investitionsobjekte unterhalten werden.

Die knappen Finanzen sind das dominierende Thema in Wohlen. Sie haben gesagt, man müsse auch unkonventionelle Ideen prüfen, um kosteneffizienter zu werden. Können Sie ein Beispiel geben?

Ein gutes Beispiel, dass es auch günstiger geht, ist die Friedhofshalle. Im ursprünglichen Projekt war ein Raum für Legalinspektionen vorgesehen. Nun werden die wenigen Legalinspektionen bei der Firma Koch durchgeführt und Wohlen zahlt die Nutzung. Es brauchte aber ein Referendum und einen Volksentscheid, damit diese kosteneffiziente Lösung erst gesucht und gefunden wurde.

Das ist Vergangenheit – wo sehen Sie heute Sparmöglichkeiten?

Ein konkreter Punkt, den ich als Gemeinderat genau prüfen würde, sind die Büroräume für die Polizei. Der Gemeinderat hat 30000 Franken für die Standortevaluation gesprochen. Warum wird kein Arbeitsplatzteilungsmodell angewendet, wie es heute in der Industrie und Dienstleistung üblich ist? Gerade bei der Polizei, die Schicht arbeitet und sich mehrheitlich im Ausseneinsatz befindet, würde sich ein solches Modell ausgezeichnet eignen. Dadurch könnte auch der zukünftige Polizeibestand in den bestehen Räumlichkeiten problemlos untergebracht werden und es würden nur geringe einmalige Kosten für die Umrüstung der Arbeitsplätze entstehen.

Sie waren FDP-Mitglied, sind aber aus der Partei ausgetreten. FDP-Einwohnerrat Thomas Geissmann hat Sie als «Judas» bezeichnet, weil Sie – inzwischen parteilos – einen FDP-Sitz im Einwohnerrat besetzen. Wie ist Ihr Verhältnis zu den Freisinnigen und zu Kandidat Koni Gfeller?

Ich habe kein Problem mit der FDP und ihren Mitgliedern. Ich versuche stets sachlich und neutral zu bleiben und handeln. Der Ausrutscher von Thomas Geissmann ist passiert, dies war aber eine einmalige Sache und er hat sich dafür entschuldig.

Wo würden Sie sich heute im politischen Spektrum einordnen?

Aufgrund des Parteiprogramms bin ich der FDP Wohlen beigetreten und liess mich in den Einwohnerrat wählen. Im Gegensatz zur FDP-Fraktion, halte ich mich auch jetzt zu 100 Prozent an die Wahlversprechen.

Das heisst, die FDP-Fraktion hält sich nicht ans Parteiprogramm?

Laut dem Parteiprogramm soll die Privatisierung gewisser Tätigkeiten des Bauamtes und weiterer Abteilungen geprüft werden. Ich habe aber noch keinen Ansatz zur Privatisierung im Einwohnerrat von der FDP gehört. Im Gegenteil, die Fraktion hilft mit, noch mehr Services und Dienstleistungen auf die Gemeinde zu laden, weil es halt so bequem ist und die Allgemeinheit zahlt. Dass so der FDP-Grundsatz «keine Steuer- und Gebührenerhöhung», nie eingehalten werden kann, ist die logische Folge.

Sie treten als parteiloser Kandidat an, werden aber von der SVP unterstützt und haben im Einwohner-
rat zuletzt auch durchwegs mit der SVP gestimmt – wann treten Sie eigentlich der Volkspartei bei?

Meine Entscheide im Einwohnerrat kann man durchaus mit dem Parteiprogramm der FDP Wohlen begründen. Es ist paradox: Die SVP-Fraktion hält sich offenbar besser an die Wahlversprechen der Freisinnigen als die FDP-Fraktion und deren Präsident selbst. Wenn ich als Unabhän-
giger in den Gemeinderat gewählt werde, möchte ich meine Arbeit kon- sequent und gemäss meiner eigenen liberalen Meinung umsetzen.

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