Sins
Kampf um Talente: Landwirte-Lehrlinge animieren Schüler

Bauern-Lehrlinge brachten interessierten Schülern auf dem Löwenhof den Bauernberuf näher: Die Freude an der Arbeit mit Tieren und Pflanzen, aber auch ein Herz für Traktoren und Maschinen lassen die Negativseiten vergessen, meinen die Lehrlinge.

Sebastian Hagenbuch
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Die sechs Schnupperstifte mit den angehenden Landwirten auf dem Löwenhof in Sins.

Die sechs Schnupperstifte mit den angehenden Landwirten auf dem Löwenhof in Sins.

Sebastian Hagenbuch

Auf dem Löwenhof in Sins fand am Mittwoch erstmals ein Informationsnachmittag für Schülerinnen und Schüler statt, welche mit einer Lehre als Landwirt liebäugeln. Durchgeführt wurde der Halbtag von Lehrlingen selbst. Sie verrieten, weshalb es sich auf jeden Fall lohnt, längere Arbeitszeiten und schmutzige Hände zu riskieren.

Die äusseren Umstände waren perfekt, um Werbung für den Beruf des Landwirts zu machen: Die Sonne beschien die üppig grünen Weiden der Familie Köpfli auf dem Löwenhof in Sins, die Kühe taten sich am frischen Gras gütlich und das gute Wetter färbte auf die Stimmung der Teilnehmer am ersten, von der Landwirtschaftlichen Schule Liebegg organisierten Schnuppertag ab.

Sechs junge Menschen wollten von den angehenden Landwirten Markus Brändle, Markus Gut und Daniel Küng wissen, welche Punkte es zu beachten gilt, wenn man sich für eine Lehre als Landwirt entscheidet. Die meisten hatten einen landwirtschaftlichen Hintergrund, und dennoch gab es viel Neues zu erfahren. Besondere Aufmerksamkeit müsse man der Wahl des Lehrbetriebes schenken.

Zwischenmenschliches ist wichtig

Nebst der Art der Produktion (Tiere, Ackerbau, Spezialkulturen, Direktvermarktung . . .) sei es auch sehr wichtig, dass man sich zwischenmenschlich gut verstehe, verriet Markus Brändle. Schliesslich lebe man als landwirtschaftlicher Lehrling mit der Familie des Lehrmeisters zusammen und stehe während der Arbeitszeit in engem Kontakt.

Auch die technischen Details zur Lehre wurden erwähnt: So ist es eine Besonderheit der Landwirtschaftlichen Lehre, dass vom Lohn Naturalabzüge für Unterkunft und Verpflegung gemacht werden.

Auch könne man sich nicht darauf verlassen, dass die im Lehrvertrag vereinbarten 50 Stunden Arbeitszeit pro Woche tatsächlich immer eingehalten würden. «Wenn man am Heuen oder Säen ist, entstehen Arbeitsspitzen, und da kommt es auch mal zu Überstunden», erklärt Brändle.

Überstunden und Naturalabzüge, dazu schmutzige Hände: Wieso sollte man also Bauer werden? Dies wussten die Interessenten bereits zu beantworten: Die Freude an der Arbeit mit Tieren und Pflanzen, aber auch ein Herz für Traktoren und Maschinen lassen die Negativseiten vergessen. So freute sich der junge Yanik Haas aus Jonen am Ende der Veranstaltung bereits darauf, zu Hause das erste Gras zu mähen.

Landwirte gelten als belastbar

Von der Landwirtschaftlichen Schule Liebegg war auch Initiant Hansruedi Häfliger vor Ort. Er ist überzeugt von der Wichtigkeit des Anlasses. «Die landwirtschaftliche Lehre ist anspruchsvoll und bringt den Absolventen gute Perspektiven», weiss er. Wer Landwirt gelernt hat, gilt als belastbar, und man könne Theorie und Praxis vereinen. Gerade deshalb stelle man sich dem «Kampf um Talente», welche auch in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Branchen dringend gesucht werden.

Nicht zuletzt ist es Häfliger wichtig, dass die Landwirtschaft mit Klischees aufräumen kann, denn die dümmsten Bauern haben definitiv nicht die grössten Kartoffeln. «Der Beruf des Landwirts ist vielseitig und fordernd wie kaum ein anderer», weiss Häfliger.

Dies versuchen Lernende der Liebegg noch an zwei weiteren Infonachmittagen in Hettenschwil (10. April) und Veltheim (16. April) an interessierte Jugendliche zu vermitteln. Häfliger ist zuversichtlich: Für die kommenden Veranstaltungen sind bereits 35 Anmeldungen eingegangen. Bereits jetzt ziehen die drei Junglandwirte Brändle, Gut und Küng ein positives Fazit: «Es war schön, unsere Begeisterung für den Beruf Landwirt an junge Menschen weitergeben zu können.»

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