Dottikon

Kampf der kleinen Autos – kein gewöhnliches Hobby-Rennen

Bei den Rennen auf der schön gestalteten Strecke in der ehemaligen Schuhfabrik ist höchste Konzentration gefragt.

Bei den Rennen auf der schön gestalteten Strecke in der ehemaligen Schuhfabrik ist höchste Konzentration gefragt.

Der Slotracing-Club führte am Samstag in Dottikon ein Rennen der Süddeutschen Slotracing-Meisterschaft durch.

Das Gebäude der ehemaligen Bally-Schuhfabrik in Dottikon dient schon lange nicht mehr dem ursprünglichen Zweck. Es steht teilweise leer. Aber eben nur teilweise. Im Erdgeschoss ist eine Tür offen. Durch einen stillen Gang gelangt man zu einer unscheinbaren Tür, die mit «SBS Slotracing-Club Dottikon» angeschrieben ist – Bingo.

Hinter der Tür ist es alles andere als leer. Eine Gruppe von rund 30 Leuten ist um eine Miniatur-Rennstrecke, die mit einem Mini-Matterhorn, Mini-Zuschauern und einem gesamten Mini-Dorf geschmückt ist, versammelt. Man kommt sich vor wie im Swissminiatur-Park. Der Lärmpegel ist trotz engen Platzverhältnissen – um die Rennstrecke herum gibt es an den meisten Orten knapp ein Meter Raum – erstaunlich tief. Die Zuschauer sowie die Rennfahrer sind fixiert auf die kleinen Autos, die in fünf Spuren gegeneinander fahren. Ihre Blicke wenden sich kaum von den Fahrzeugen ab, machen jede Kurve mit.

«Viele bauen ihre Autos selber» – Kurt Rölli, Präsident des SBS Dottikon.

«Viele bauen ihre Autos selber» – Kurt Rölli, Präsident des SBS Dottikon.

Kein gewöhnliches Hobby-Rennen

Die Konzentration ist heute auf jeden Fall angebracht. Gefahren wird nicht ein gewöhnliches Hobby-Rennen, es geht um einen offizielles Wettkampf der Süddeutschen Slotrace-Meisterschaft. Wieso aber findet ein Teil der Süddeutschen Meisterschaft gerade in Dottikon statt? Kurt Rölli, Präsident des SBS, erklärt: «Die Süddeutsche Meisterschaft besteht aus fünf Rennen. Wir vom SBS Dottikon machen dabei auch mit. Weil wir mit fünf Fahrern aus dem Verein ziemlich gut vertreten sind, dürfen wir eines der Rennen bei uns durchführen.»

Das sei vor allem deshalb erfreulich, weil ein solcher Anlass immer Rennfahrer aus der Region anziehe. «Heute machen alle acht Mitglieder des SBS Dottikon mit», freut sich Rölli. Insgesamt sind 20 Rennfahrer da. In Röllis Augen eine hohe Zahl. Verglichen mit anderen Sportarten ist das natürlich nicht gerade viel. Das sei früher anders gewesen, erinnert sich der Vereinspräsident: «Slotracing ist in den 60er- und 70er-Jahren aufgekommen. Damals gab es Hunderte solche Rennstrecken in der ganzen Schweiz. Heute sind wir eher eine Randgruppe.» Rölli ist bemüht, sein Hobby auch für Leute zugänglich zu machen, die keine eigene Rennstrecke und keine Miniaturautos besitzen: «Wir haben immer wieder sogenannte LuLa-Abende, das steht für Lust und Laune. An diesen Abenden kann jeder kommen, der will, Autos können gemietet werden.»

Ein Güfeli als Handbremse

Die Rennwagen sind, genau wie die Rennstrecke, mit viel Liebe zum Detail gebaut. «Natürlich kann man solche Autos bereits fertig kaufen. Viele bauen sie aber selber», erzählt Rölli. Auch er. Insgesamt habe er bereits rund zwanzig solcher Autos gebaut. Der Bau jedes einzelnen dauert eigenen Angaben zufolge rund drei Monate. Ein Aufwand, den man erst bei genauerer Betrachtung der rund 30 cm grossen Modellautos erkennt. Neben dem Auto samt Carrosserie sind auch ein Fahrer samt Gurt sowie ein Feuerlöscher, die Schaltung und sogar eine Handbremse im Auto vorhanden.

«Die Handbremse zum Beispiel war einmal ein Güfeli», erklärt Rölli mit einem Strahlen in den Augen. Die Freude an ihrem heute aussergewöhnlichen Hobby ist nicht nur ihm, sondern allen anwesenden Rennfahrern ins Gesicht geschrieben. Dem alten Backsteingebäude wurde mit dem Verein, der mittlerweile seit 20 Jahren in Dottikon zu finden ist, auf alle Fälle wieder etwas Leben eingehaucht.

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