Freiamt
Kälte lässt die Freiämter Energieversorger kalt

Für das Wochenende ist der Höhepunkt der Kältewelle in der Schweiz mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich angesagt. «Wir hatten lange keine solche Kälteperiode mehr», sagt Domenic Philipp, der Geschäftsleiter der IBW Energie AG.

Fabian Hägler
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«Im Notfall müssten wir Grossverbrauchern in der Industrie das Erdgas abstellen.

«Im Notfall müssten wir Grossverbrauchern in der Industrie das Erdgas abstellen.

Entsprechend hat sich das Unternehmen, das derzeit Kunden in Wohlen, Villmergen, Waltenschwil, Büttikon, Boswil, Dintikon und Dottikon mit Erdgas versorgt, auf diese Situa-tion vorbereitet. «Bereits Anfang
Woche haben wir unsere Kunden im Industriebereich informiert, dass sie bei möglichen Engpässen in der Gasversorgung zumindest teilweise auf andere Energieträger umsteigen müssten», erklärt Philipp.

Dottikon ES reduziert Gasbezug

Betroffen ist insbesondere die Dottikon ES, der grösste Gasabnehmer der IBW Energie AG. «Der Gasbezug dieser Firma ist grundsätzlich gegen oben offen, seit gestern hat das Unternehmen den Bezug aber auf
eine vertraglich vereinbarte Menge zurückgefahren», erläutert Philipp. Die Verantwortlichen bei Dottikon ES hätten ihm mitgeteilt, dass sie im Notfall auf Erdöl umsteigen könnten.

Hintergrund dieser Massnahme ist der steigende Gasverbrauch der Haushalte wegen der herrschenden Kälte. «Im Notfall müssten wir Grossverbrauchern in der Industrie das Erdgas abstellen, damit genügend Leistung für die privaten Heizungen zur Verfügung steht», sagt Philipp.

Grundsätzlich rechnet er jedoch nicht mit Lieferengpässen. «Wir sind täglich mit unserem Vorlieferanten, der Gasverbund Mittelland AG, in Kontakt», erklärt der Geschäftsleiter. Und nach dem letzten Jahr, als der Verbrauch eher niedrig gewesen sei, seien die Erdgasspeicher in Europa derzeit gut gefüllt. «Auch wenn es drei Monate lang richtig kalt wäre, hätte dies wohl kaum Auswirkungen auf die Gasversorgung der Schweiz», meint Domenic Philipp. Es sei zwar möglich, dass die Energieversorger dann Gas für eine gewisse Zeit teurer einkaufen müssten, aber aufgrund langfristiger Verträge könne dies wieder ausgeglichen werden.

Elektroheizungen belasten das Netz

Ewald Businger, Geschäftsführer der EFA Energie Freiamt AG in Muri, sieht kaum Probleme aufgrund der Kälte. «Den grössten Teil unseres Stroms beziehen Industriekunden», erklärt er, «und weil die Nachfrage in diesem Bereich derzeit deutlich niedriger ist als letztes Jahr, wird ein allfälliger Mehrverbrauch der privaten Haushalte kompensiert.»

Schwierigkeiten könnte es gemäss Businger nur dann geben, wenn zahlreiche Bewohner einer Überbauung oder eines Quartiers zur gleichen Zeit elektrische Geräte in Betrieb nehmen. Konkret: «Wenn alle gleichzeitig die Elektroheizung einschalten, kann es Netzprobleme geben.» Möglicherweise könnte in einem solchen Fall in Muri ein lokal begrenzter Stromausfall auftreten, «wenn die Sicherungen rausfliegen».

Businger betont aber, dass er nicht mit solchen Problemen rechne. «Bei einem einigermassen gut isolierten Haus dauert es mehrere Tage, bis es ausgekühlt ist.» Deshalb sei es eher unwahrscheinlich, dass viele Kunden «zusätzlich zur normalen Heizung ihre Elektro-Öfeli einsetzen», sagt der EFA-Geschäftsführer. Und er ergänzt: «Die Gefahr von Stromausfällen ist im Sommer, bei Stürmen und Gewittern, viel grösser als jetzt.»