Alle sind gekommen: Karl und Irma von der Volg, Ruth und Sepp, bei denen früher die Schweine draussen an der Sonne lagen, Erika vom Berg oben, Ruth, die viele Jahre lang die Kapelle geputzt hat, Vreni und Ali, die früher Ben, den wohl grössten Hund des Dorfes, besassen, und noch viele mehr. Sie alle sitzen am grossen Tisch unter den Lampen, die vor Jahren noch den einzigen Dorfladen beleuchtet haben. Hier, an dem Ort, wo man sich schon früher oft traf und ein Schwätzchen hielt, während man bei Irma Hausherr und später bei ihrer Tochter Corinne Koch-Hausherr einkaufte, trifft sich die ältere Generation auch heute wieder. Jeden ersten Freitag im Monat. Es wird zwar nicht mehr eingekauft, dafür Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und eben geplaudert. «Das hat hier im Dorf wirklich gefehlt», sagt die 78-jährige Irma Hausherr, die sehr gerne an den Nachmittagen teilnimmt.

Eltern fehlte ein Treffpunkt

Die Idee dazu kam von Angi Stimpfl-Stadelmann. «Früher hat eine Nachbarin meines Vaters solche Nachmittage veranstaltet, jedoch nicht öffentlich. Er ging gern hin. Als sie vor einem Jahr aufhörte, vermisste er es», erinnert sie sich. Die 46-Jährige fand, dass es bestimmt auch anderen älteren Leuten so gehe. «Also beschloss ich, einen geeigneten Ort zu suchen, wo man Kaffee und Kuchen anbieten könnte.» Die Gemeinde konnte ihr nicht helfen. Was diese aber tun konnte, war, ihr die Adressen aller Uezwiler zu geben, die über 62 Jahre alt sind. «Ich habe über 90 Leute angeschrieben, ich hätte nie gedacht, dass es so viele sind.»

Doch noch bevor sie die Leute anschrieb, kam ihr auf einmal die Lösung für ihr Raumproblem: «Ich fragte Corinne, und sie war sofort einverstanden, die Nachmittage bei ihr im alten Laden zu machen.» Auch sie fand: «Meinen Eltern fehlte so ein Treffpunkt ebenfalls.»

Jetzt auch mit Spaziergruppe

Also luden sie die ältere Generation zum offiziellen Senioren-Kaffeenachmittag ein. «Wir stellen Kaffee zur Verfügung und ich sorge fürs Dessert, mehr braucht es nicht», so Stimpfl. Alles andere hat sich von selbst entwickelt: Die Seniorennachmittage fangen um 14 Uhr an, «um 13.30 Uhr können alle, die möchten, mit uns auf einen kleinen Spaziergang kommen», sagt Irene Strebel (76), die seit Kurzem auch zu dieser Spaziergruppe gehört. «Die Nachmittage sind toll. Danach bin ich jedes Mal happy.» Das findet auch Maria Gollini (69), die erst seit vier Jahren in Uezwil wohnt. «Mich hat an der Gmeind jemand darauf angesprochen. An den Kaffeenachmittagen erfährt man viel übers Dorf und die Leute. Mir gefällt das.» So bringt der Nachmittag Neu-Uezwiler und Alteingesessene zusammen, aber auch frühere Uezwiler kommen zurück, jetzt, wo sie wissen, wo sie ihre alten Freunde finden.

Zu Beginn nahmen fast nur Frauen teil. «Ich war der einzige Mann, das war schade. Da kam ich irgendwann nicht mehr. Aber seither kommen auch andere Männer, da bin ich gerne wieder dabei», erzählt Hans Stadelmann (86). Die Organisatorinnen sind sich einig: «Wir merken, dass sich die älteren Leute in Uezwil über unser Angebot freuen. Das freut uns.» Und wenn, wie an diesem Freitag, sogar drei Mitglieder der Rüsstalörgeler vorbeikommen, um den Leuten eine Freude zu machen, dann wird sogar spontan geschunkelt und fröhlich mitgesungen.

Kaffeenachmittag für Senioren Jeden 1. Freitag im Monat, 14 Uhr, ehemaliger Dorfladen bei der Schule Uezwil