Sarmenstorf

Jungförster lernen das ABC der Holzernte

Die Halbklasse der angehenden Förster steht neben dem Vollernter, der gleichzeitig fällen, sägen und entasten kann.

Die Halbklasse der angehenden Förster steht neben dem Vollernter, der gleichzeitig fällen, sägen und entasten kann.

20 angehende Förster lernten, wie die vollmechanisierte Holzernte funktioniert. Die Försterschulklassen kommen dafür nicht von ungefähr nach Sarmenstorf.

Im Zigi, im Sarmenstorfer Wald, sind Stimmen zu hören. Es sind keine Einheimischen, das hört man gleich. Es sind Ostschweizer Dialekte – Thurgauer, Bündner, St. Galler. Was wollen sie im Mittelland? Ganz einfach, es sind Absolventen der Försterschule Maienfeld, einem Lehrgang an der ibW, der höheren Fachschule Südostschweiz. Einmal alle zwei Jahre kommt ein Försterlehrgang aus Maienfeld nach Sarmenstorf, um hier den Umgang mit der vollmechanischen Ernte im Flachland zu erlernen.

Nur eine Frau dabei

Die 20 Försterschüler, davon eine einzige Frau, stecken mitten in der Ausbildung zum eidgenössisch diplomierten Förster. Diese Ausbildung dauert 21 Monate und beinhaltet zusätzlich drei Praktika. Die angehenden Förster, die gestern und die letzten beiden Wochen in den Wäldern am Lindenberg holzten, starteten im Januar dieses Jahres und werden im September 2015 mit einer Diplomprüfung abschliessen.

Vier Tage insgesamt verbrachten die Försterlehrlinge in Sarmenstorf und lernten, wie man eine vollmechanische Holzernte richtig plant und ausführt. Diese Art der Waldpflege hat einen strikten Ablauf: Zuerst gilt es, das betreffende Waldstück zu analysieren. Hier muss ein besonderes Augenmerk auf Gesundheit und Dichte der Bäume gelegt werden. Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass alle 30 bis 40 Meter eine sogenannte Rückegasse angelegt werden kann. Diese dienen als Wege für den Vollernter, der gleichzeitig die Bäume fällen, zuschneiden und entasten kann.

Die Försterlehrlinge lernen, welche Bäume in der Zukunft das beste und teuerste Holz liefern. Alle zehn Meter müssen sie, bevor die grosse Maschine ihre Arbeit verrichtet, einen Zukunftsbaum auswählen und weiss markieren. Bäume, die diesem Zukunftsbaum Konkurrenz machen, das heisst ihm zu viel Licht wegnehmen, werden Rot markiert. Das bedeutet, sie dürfen gefällt werden. Nachdem der Vollernter seine Arbeit gemacht hat, wird das Holz von den Forstwärtern weiter zurechtgeschnitten und schön geordnet im Wald für den Forwarder zum Abtransport bereitgelegt

Warum gerade in Sarmenstorf?

Warum kommen die Försterschulklassen nach Sarmenstorf, wo es doch in Maienfeld auch genügend Wald gibt? Einerseits ist das Unternehmen Wiss Forst AG in Dietwil schuld daran, welches schon seit den 80er-Jahren Maschinen zur vollmechanischen Ernte einsetzt und damit in den umliegenden Wäldern tätig ist.

Andererseits müssen die Jungförster, die meist aus bergigen Gegenden kommen auch lernen, wie die Holzernte im Mittelland funktioniert. Denn es gibt auch Kursteilnehmer, die aus den «flachen» Kantonen Schaffhausen und Thurgau kommen. «Das hier ist eine Win-win-Situation. Dem Forstbetrieb Lindenberg wird Arbeit abgenommen und unsere Lehrgänger können etwas lernen» sagt Hanspeter Weber, Fachlehrer der Försterschule Maienfeld.

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