Freiamt
Junge Freiämter kochen Suppe für Menschen auf der Flucht

Sieben junge Freiämter fahren mit einer mobilen Suppenküche dahin, wo Hilfe nötig ist.

Tabea Baumgartner
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Christian Rüegg (links) und Remo Scherrer werden in den kommenden Wochen gemeinsam mit fünf anderen Freiämtern Suppe für Menschen auf der Flucht kochen.

Christian Rüegg (links) und Remo Scherrer werden in den kommenden Wochen gemeinsam mit fünf anderen Freiämtern Suppe für Menschen auf der Flucht kochen.

Tabea Baumgartner

Dampfende Suppentöpfe, heisser Tee, selbst gebackenes Brot. Hinter der Theke stehen junge Freiämter. Ihre Gesichter verraten nicht, was ihnen bevorsteht. Einige Gäste, die lebhaft diskutieren und Suppe löffeln. Das war die Szene am Bahnhof Berikon-Widen vom vergangenen Wochenende.

In wenigen Tagen werden es Tausende Menschen sein, die an der mobilen Suppenküche «Soup-Port» vorbeikommen: Menschen, die seit Wochen auf der Flucht sind. Menschen, die Gewalt und Elend erlebt haben. «Nach all den Medienberichten wussten wir, dass wir handeln müssen», sagt Remo Scherrer, der in Oberwil aufgewachsen ist. Lea Stirnimann hat in den letzten Monaten zwei Nothilfe-Einsätze im Osten geleistet, einen in Kroatien und einen in Griechenland. «Vielerorts fehlt es gänzlich an Verpflegung», berichtet Stirnimann – sie leitet seit einem Jahr die Unvermeidbar in Baden. «Vielerorts sind die Menschen auf der Flucht auf sich selbst gestellt.» Das Elend klopfe an die Türe, sagt Matthias Fehlmann. «Warum sollen wir unsere Bedürfnisse nicht einmal zurückstecken und uns für andere einsetzen?»

Projekt «Soup-Port»

Die mobile Suppenküche «Soup-Port» des Vereins Soliba ermöglicht es, an den Brennpunkten des Elends Suppe vor Ort zu kochen. Soliba wurde von neun Freiämtern im November dieses Jahres gegründet. Der Konvoi mit Kleinlastwagen, Van und Wohnwagen zur Unterbringung der Freiwilligen funktioniert eigenständig und wird drei Monate unterwegs sein. Um das Projekt «Soup-Port» zu betreiben, ist der Verein auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Spendenkonto: Verein Soliba, Steinhügelstrasse 29, 8965 Berikon. IBAN: CH15 0839 0034 0179 1000 6, Vermerk Soup-Port. (TAB)

Anfang November taten sich neun junge Freiämter zusammen und gründeten den Verein «Soliba». «Statt Erholungsferien geben wir nun Vollgas», sagt der Vereinspräsident Christian Rüegg: «Wir wollen uns nicht darüber beklagen, was alles nicht gut läuft, sondern selber aktiv werden.» Die Idee der mobilen Suppenküche «Soup-Port» knüpft an die aktuellen Bedürfnisse an und soll da Hilfe leisten, wo die Not am grössten ist. Ausgerüstet mit Lastwagen, Wohnwagen, Kochmaterial und Nahrungsmitteln ist der Konvoi am Freitag losgefahren. Ziel: Den Menschen entgegen, die auf der Flucht sind. «Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen», sagt Christian Rüegg. Matthias Fehlmann aus Berikon fügt an: «Wir werden auf Leid und Mangel treffen.» Doch gerade deswegen: «Wir appellieren an die Menschlichkeit», sagt Fehlmann. «Wir leben gut. Wer soll helfen, wenn wir es nicht tun?» Für Leandra Huber war die zunehmende fremdenfeindliche Propaganda ein Grund dafür, aktiv zu werden. «Irgendwann ist es Zeit, aufzustehen und Nein zu sagen», sagt Huber.

Hilfe vor Ort ist dem Verein ein wichtiges Anliegen. «Das ist ein Projekt, bei dem die Unterstützung auch ankommt», berichtet Adrian Weideli, der sich von der «Soup-Port»-Idee anstecken liess. «Wir tragen die Verantwortung dafür, dass wir die Spenden pflichtbewusst einsetzen.» Aus ihrem Umfeld erhalten die jungen Freiämter viel Unterstützung. «Freunde und Bekannte bringen uns ein grosses Vertrauen entgegen», freut sich Remo Scherrer.

Die aktuelle Situation in den Ländern des Ostens ändert sich fast täglich. Wo die Not am grössten ist, lässt sich über Menschen vor Ort via Facebook in Erfahrung bringen. So entschieden die Freiwilligen erst kurz vor der Abreise, welches ihre Zieldestination ist. Eine Rückkehr des Konvois ist erst in drei Monaten vorgesehen. Die Einsatzleistenden werden sich abwechseln. Am Freitag ist eine Gruppe von sieben Freiwilligen losgezogen. «Ich bin schon etwas nervös, aber wir haben ein super Team und sind gut vorbereitet», sagt Huber.

Die heisse Teetasse von Lea dampft. Sie lehnt sich an den «Soup-Port»-Van, als hätte sie sich schon eingelebt. Die ernste Diskussion mit Remo und Leandra wird jäh unterbrochen – durch ein herzliches Lachen, das die Engagierten aus dem Freiamt den Menschen auf der Flucht mitbringen werden.

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