Bezirksgericht Bremgarten

Junge Frau starb wegen defektem Ofen – nun stand Hausbesitzer vor Gericht

Die Frau starb wegen eines defekten Ofens. (Symbolbild)

Die Frau starb wegen eines defekten Ofens. (Symbolbild)

Vor bald drei Jahren starb eine 25-Jährige an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung in ihrer Wohnung. Das Bezirksgericht Bremgarten musste nun beurteilen, ob der Vermieter Schuld an tragischem Todesfall hat.

Es war eine Dezembernacht im Jahre 2011, als eine junge Frau tragisch ums Leben kam. Kurz vor Mitternacht hatte sie noch mit ihrem Freund telefoniert, der im Militär war. Am nächsten Tag, als dieser wieder mit ihr telefonieren wollte, konnte er sie nicht erreichen.

Bei der Arbeit war sie auch nicht erschienen. Der Freund verständigte die Polizei. Diese fand die 25-Jährige tot in der Wohnung. Die Beamten stellten einen beissenden Rauchgeruch fest, die Autopsie ergab: Kohlenmonoxidvergiftung.

Die Frau hatte in ihrer Wohnung Karton im Ofen verbrannt. Unter welchen Umständen es zu der tödlichen Konzentration von Kohlenmonoxid gekommen war, sollte am Mittwoch das Gericht klären.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte nämlich den Inhaber des bald 100-jährigen Hauses, seinen Pflichten als Vermieter nicht nachgekommen zu sein – er habe vom defekten Kachelofen gewusst und somit den Tod der Frau in Kauf genommen. Damit habe er sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht.

Schieber war geschlossen

Der Sachverhalt war alles andere als klar. Zwar wurden bei einer Überprüfung Haarrisse im Kachelofen festgestellt und in einem Brandschutzrapport festgehalten. Allerdings hat die junge Frau auch einen Fehler begangen: Sie hatte den Schieber im Kamin geschlossen, als das Feuer noch brannte, obwohl das zu einer schlechten Verbrennung und damit zu einer vermehrten Entwicklung von Kohlenmonoxid führen kann. Laut Staatsanwaltschaft war Rauch durch die Haarrisse ausgetreten, was die Verteidigung allerdings für nicht plausibel hielt.

Der Beschuldigte bestritt zudem, von dem Defekt gewusst zu haben. Zwar war auf der Rechnung des Kaminfegers ein Vermerk, dass man den Kachelofen von einem Fachmann, einem sogenannten Hafner, prüfen solle. Die Rechnung ging zuerst an die Vermieter und wurde dann an die Verwaltung weiter geschickt.

«Die Rechnung war vermutlich einmal auf meinem Schreibtisch, aber den Vermerk habe ich schlichtweg nicht gesehen», meinte der Angeklagte. Er habe nur Leistung und Preis überprüft und die Rechnung an die Buchhaltung weitergeleitet. Einen Rapport, der angeblich beigelegt war, habe er nie zu Gesicht bekommen.

Kein alltäglicher Fall

Gerichtspräsident Lukas Trost überlegte sich sein Urteil reiflich, wie er selber sagte. Es sei für ihn kein alltäglicher Fall. Schliesslich kam er dann aber zu einem eindeutigen Schluss. «Um jemand der fahrlässigen Tötung schuldig zu sprechen, muss eine grosse Pflichtverletzung erfolgt sein. Ausserdem muss sicher sein, dass ohne diese Pflichtverletzung das Unglück nicht passiert wäre. Das ist hier ganz sicher nicht so.»

Der Grund für den Tod der jungen Frau sei das Kohlenmonoxid, und nicht der Rauch, was einen grossen Unterschied mache: «Das Kohlenmonoxid ist nicht wegen der Haarrisse entstanden, sondern weil die Abzugsklappe geschlossen war, und weil der Kachelofen unsachgemäss bedient wurde.»

Ausserdem habe der Angeklagte aufgrund der Hinweise auf Haarrisse nicht von einer tödlichen Bedrohung ausgehen können. «Es ist auch nicht bewiesen, dass ihm der Brandschutzrapport zugestellt wurde. Und selbst wenn: Ein Feuerungsverbot wurde nicht erlassen.»

Neben der Staatsanwaltschaft war auch die Mutter der Verstorbenen anwesend, sie wollte zivilrechtliche Forderungen geltend machen. Trost zeigte Verständnis für die Wut und Trauer der Frau. «Nach so einem tragischen Ereignis ist es menschlich, dass man nach einem Schuldigen sucht. Nach der momentanen Beweislage gibt es den aber nicht.»

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