«Kündigung sorgt für heisse Köpfe» – so titelt der «Reussbote» auf der Frontseite seiner aktuellen Ausgabe. Drei Seiten werden einem Konflikt zwischen einer jungen Frau und der Gemeinde Niederwil gewidmet. Das Lokalblatt schreibt von "bösen Gerüchten" und einem Konflikt, der das Dorf in zwei Lager spalte.

Der Streit ist wegen gegensätzlicher Aussagen der beiden Parteien nicht nur kompliziert, sondern nimmt auch groteske Züge an – denn auch die Eltern der jungen Frau sind ihre Jobs los. Doch von vorne:

Kündigung trotz Verpflichtung

Die 22-jährige Jolanda Küng ist stellvertretende Leiterin Finanzen der Gemeinde Niederwil. Sie arbeitet in einem 60-Prozent-Pensum und absolviert nebenher für die nötige Qualifikation einen CAS-Zertifikatslehrgang (Certificate of Advanced Studies) an der Fachhochschule.

Die Kosten der Ausbildung, welche Küng im März 2018 abschliessen wird, übernimmt die Gemeinde. Im Gegenzug hat sich die 22-Jährige bis in Frühling 2020 verpflichtet. Doch nun hat der Gemeinderat der jungen Frau per 30. April 2017 gekündigt. Was ist passiert?

Die Sache mit den Stellenprozent

Die Gemeinde Niederwil hat für Leitung der Finanzabteilung 100 Stellenprozent vorgesehen. So teilt sich Jolanda Küng diese mit ihrer Chefin im Job-Sharing. Nach ihrer zweiten Schwangerschaft hat letztere allerdings ihr 40-Prozent-Pensum per Ende ihres Mutterschaftsurlaubs Ende September 2016 gekündigt.

In der Hoffnung, die bestehende Job-Konstellation aufrechtzuerhalten, suchte der Gemeinderat entsprechend Ersatz für die 40-Prozent-Stelle. Weil sich jedoch keine Bewerber für eine Teilzeit-Stelle finden konnte, schrieb die Gemeinde im Herbst 2016 eine 100-Prozent-Stelle «Leiter/in Finanzen» aus, wie der «Reussbote» ausführt.

Wirtschaftliche Gründe oder schlicht überschüssig

Das zweite Stelleninserat brachte den gewünschten Erfolg: Per 1. Dezember wurde eine neue Leiterin Finanzen im 100-Prozent-Pensum eingestellt. Damit überschritt die Gemeinde allerdings die bewilligten Stellenprozente um 60 Prozent – und machte Jolanda Küng als stellvertretende Leiterin schlicht «überschüssig». 

In der Folge kündigte der Gemeinderat also Jolanda Küng «aus rein wirtschaftlichen Gründen», wie er in der Stellungnahme im «Reussboten» schreibt. Ihre Ausbildungskosten würden bis zum Ende des Anstellungsverhältnisses weiter bezahlt und auch nicht zurückgefordert.

"Eine Ohrfeige aus heiterem Himmel"

Die Aussagen von Jolanda Küng und dem Gemeinderat zum Verlauf der Dinge und die diskutierten Lösungsansätze gehen stellenweise weit auseinander. Während Erstere sich übergangen sieht, zeigt man sich bei der Gemeinde verwundert: Es habe von Küng kein klares Bekenntnis gegeben, heisst es im «Reussboten».

Die 22-Jährige will die Kündigung nun aber anfechten und hat dagegen eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Jolanda Küng sieht im Entscheid des Gemeinderats ein Verstoss gegen Treu und Glauben. 

Doch der Protest gegen die Kündigung geht noch viel weiter: Als Reaktion auf die Entlassung ihrer Tochter haben die Eltern Küng, hauptberuflich Landwirte, ihre Teilzeitstellen im Bauamt gekündigt. «Das war eine Ohrfeige aus heiterem Himmel. So geht man doch nicht mit einem Menschen um», begründet der Vater im Lokalblatt den Entscheid. (edi)