Bremgarten
Junge Bühne bringt die virtuelle Welt ins Kellertheater

Am 14. Oktober ist Premiere des neuen Stücks der Jungen Bühne im Kellertheater Bremgarten. Es entführt in die virtuelle Welt. Für den Regisseur kein einfaches Unterfangen.

Natasha Hähni
Merken
Drucken
Teilen
Der Soma-Würfel ist das einzige Requisit, welches im Kellertheater für das Stück ../escape/ verwendet wird.

Der Soma-Würfel ist das einzige Requisit, welches im Kellertheater für das Stück ../escape/ verwendet wird.

PASCAL_EICHENBERER;zvg;

Durch ein Portal gelangt man im Kellertheater in die digitale Welt. Eine Welt, die scheinbar keine Grenzen kennt, wo eine Person mehrere Identitäten annehmen kann und die Meinungsfreiheit voll ausgelebt wird. Im neuen Stück der Jungen Bühne Bremgarten ist der Name also Programm: Ab dem 14. Oktober kann man mit ../escape/ für einen Abend der Realität entfliehen und sich in eine virtuelle Welt begeben.

«Es war eine riesige Herausforderung, das sogenannte ‹Real Life› ganz auszublenden und das Stück zu 100 % in der digitalen Welt spielen zu lassen», erzählt Regisseur Simon Landwehr. Ein Titel, der bei der Jungen Bühne eine etwas andere Bedeutung hat als bei anderen Theatergruppen: «Bei uns hat der Regisseur mehr die Funktion eines Moderators. Es geht mehr darum, dass jemand den Überblick hat, als dass eine Person den Ablauf des Stückes vorschreibt», erklärt er.

Drei Perspektiven des Internets

Auch der Ablauf des Theaters ist etwas anders gestaltet als sonst üblich. Bevor man durch das bereits erwähnte Portal in den Theatersaal gelangt, bekommt jeder Zuschauer einen Bogen mit Gefällt-mir-Sticker. Das Bühnenstück ist in drei Teile gegliedert. Im Ersten spielen verschiedene Szenen, im ganzen Raum verteilt, wie kurze Videos in einer Endlosschleife. Es sind bewusst mehr Szenen, als man sich in der vorgegebenen Zeit ansehen kann. Zum einen soll das die Konsumentenfreiheit unterstreichen, wie Silvan Melchior, einer der Schauspieler, festhält: «Jeder kann sich aussuchen, was er schauen will.» Zum anderen sollen die zahlreichen Szenen die alltägliche Informationsflut verdeutlichen, in die wir uns beim Surfen begeben. Die Szenen, die einem besonders gefallen, kann man nach eigenem Gutdünken mit einem Gefällt-mir-Sticker auszeichnen.

Im zweiten Teil – ab jetzt findet die Aufführung auf der Bühne statt und die Zuschauer werden auf die Tribüne gebeten – begehen drei Avatare, also virtuelle Personen, digitalen Selbstmord. Das heisst, sie löschen alle ihre Profile. Dem Motiv oder den Motiven, die dazu führen, werden im dritten Teil auf den Grund gegangen.

Von Grund auf erarbeitet

Die Grundlage für die Geschichte waren die Begriffe Chaos, Leere und Ordnung. In rund 160 Probestunden habend die 16 Schauspieler der Jungen Bühne aus diesen Begriffen ein komplettes Stück erarbeitet. Ein fixes Drehbuch gab es nicht. Das «jung» in Junge Bühne stehe weniger für das Alter, sondern mehr für die alternative Herangehensweise bei Theaterstücken. Jung heisse hier dynamisch, erklären die Mitglieder des Ensembles.

Die Geschichte kam in einem lebendigen, kreativen Prozess, seit Anfang April, zustande. Der Gedanke, dass die Menschheit sich heute in der Science-Fiction vergangener Jahre befindet, führte dazu, dass die Kostüme und Choreografien eine gewisse Ähnlichkeit mit eben solchen Filmen aufweisen.

Ein Lehrstück solls nicht sein

Trotz vielen kritischen Ansätzen soll das Stück, laut Landwehr, jedoch kein pädagogisches Spiel sein. Melchior bestätigt diese Aussage: «Simon ist Lehrer, ich bin Informatikstudent. Wir haben also verschiedene Ansichten betreffend Datenschutz und dem Internet als Ganzes. Genau deswegen haben wir aber immer wieder spannende Ansätze gefunden.» Er ergänzt: «Wichtig ist uns eigentlich vor allem, dass der Zuschauer unsere Faszination für ein so komplexes Thema teilen oder zumindest nachvollziehen kann. Oder zumindest nicht total verwirrt aus unserem Stück herausläuft.»